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Weihnachtszeit = Plastikzeit

| Bild: Facing Finance

Ob schillernder Weihnachtsbaumschmuck, Kunstschnee auf dem Fenstersims oder Unmengen von Süßigkeitenverpackungen: Weihnachtszeit heißt Plastikzeit. Schon 100 g Zellophan oder beschichtetes Geschenkpapier pro Person führen hierzulande zu über 8 000 Tonnen zusätzlichem Plastikmüll. Dazu gesellen sich noch die üblichen Weihnachtseinkäufe wie Spielzeug – häufig selbst aus Plastik oder darin verpackt.

Dass Einwegplastik die Umwelt vermüllt, wissen wir inzwischen alle. Delfine und Robben sind jedoch nicht die einzigen, die immer mehr Plastik verschlucken. Laut Forscher*innen der Universität Newcastle nimmt der Mensch im Durchschnitt bis zu 5 Gramm Mikroplastik pro Woche über die Luft und die Nahrung auf, was etwa einer Kreditkarte entspricht.[1]

Viele Menschen versuchen bereits durch einen bewussten Konsum ihren Plastikfußabdruck zu reduzieren. Aber so wichtig individuelle Entscheidungen auch sind, die wachsende Vermüllung dieses Planeten können Verbraucher*innen nicht allein umkehren. Das ist die Aufgabe der eigentlichen Verursacher und einer klugen Politik.

Eine große Rolle spielen dabei Energiekonzerne, die die fossilen Ressourcen fördern und verkaufen, aus welchen 99% allen Plastiks hergestellt wird.[1] Das Geschäft mit dem Plastik wird für diese Unternehmen zunehmend wichtig, da die Nachfrage nach Öl als Energieträger in Industrieländern im Zuge der Energiewende abnimmt. Als Kompensationsmaßnahme planen große Ölunternehmen wie Shell mit schätzungsweise 400 Milliarden Dollar die Plastikproduktion in den kommenden 5 Jahren um ein Viertel zu steigern (Stand 2020).[2] Das scheint in Zeiten, in denen Regierungen und Verbraucher*innen Plastik zunehmend abschwören auch rein ökonomisch eine fragwürdige Investition zu sein.

Allen Unternehmen entlang der Plastikwertschöpfungskette ist gemeinsam, dass sie nicht nur den Müll, sondern auch die Verantwortung bei den Verbraucher*innen abladen. So müssen sie die Kosten des von ihnen produzierten Mülls nicht selbst tragen. Das älteste Beispiel dafür ist Keep America Beautiful, eine vermeintliche Umweltorganisation von Getränke- und Verpackungsunternehmen und ihr Werbespot The Crying Indian aus den frühen 70er-Jahren.[3] Doch nicht nur in Millionen von amerikanischen Haushalten prägte man so das Narrativ der unverantwortlichen Konsument*innen. Mit aggressiver Lobbyarbeit kippte die Organisation das erste Pfandgesetz in den USA in Rekordzeit.[4]

Gas- und Ölfirmen, Chemieunternehmen und Konsumgüterkonzerne sind wie alle Unternehmen der Realwirtschaft auf Kapital  angewiesen. Doch während immer mehr Banken Finanzierungs- und Investitionsrichtlinien in Bezug auf Klimawandel und Menschenrechte etablieren, wird die Plastikproblematik kaum bis gar nicht beachtet. Unternehmen wie BASF oder Nestlé, welche zu den größten Plastikproduzenten bzw. -nutzern gehören, werden so bedingungslos von Instituten wie der Deutschen Bank oder Commerzbank mit Kapital ausgestattet.[5]

Ihr wollt selbst aktiv werden?
Besonders zur Weihnachtszeit, wenn Besinnung und gute Taten im Vordergrund stehen, sollten wir Konzerne auffordern, unnötiges Einwegplastik nicht weiter zu verbreiten und damit Mensch, Umwelt und Klima zu schaden. Doch auch Banken sind gefragt, Verantwortung für ihren Plastikfußabdruck zu übernehmen. Das geht ganz einfach mit einer Nachricht an eure Bank über unsere Webseite.

Mehr Informationen zu diesem Thema gibt es übrigens in unserem Dirty Profits Report 8.


Dies ist der erste Teil unserer alternativen Weihnachtreihe. Bitte unterstützt uns mit Eurer Spende damit wir auch weiterhin gemeinsam von Konzernen und Banken mehr Verantwortung einfordern können. Danke!


Autorin: Charlotte Feldmann


[1] https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Hintergrundpapier-Mikroplastik.pdf

[2] https://www.theguardian.com/environment/2020/sep/04/war-on-plastic-could-strand-oil-industrys-300bn-investment

[3] https://www.youtube.com/watch?v=lR06-RP3n0Q

[4] https://blogs.scientificamerican.com/observations/more-recycling-wont-solve-plastic-pollution/

[5] https://www.facing-finance.org/files/2021/03/Facing_Finance_2020_Dirty_Profits_8_Einweg_ohne_Ausweg-Plastikprofite_von_Banken_und_Konzernen_und_ihre_Folgen.pdf