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Coca-Cola: Marketing top, Nachhaltigkeit flop

| Bild: Facing Finance

Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht bereits bei den ersten Takten des Weihnachtsklassikers Wonderful Dream an eine Trucker-Kolonne denkt, die sich ihren Weg durch die nächtliche Winterlandschaft bahnt und die Lichter an den Häusern zum Glühen bringt. Wie kaum eine andere Marke prägte der rotweiß geschwungene Schriftzug The Coca-Cola Company die Magie und Nostalgie der Weihnachtszeit. Doch wie sieht es abseits der ikonischen Werbegeschichte des Konzerns aus?

Mit einem Nettoumsatz von über 38 Milliarden US-Dollar und mehr als 200 verschiedenen Getränkemarken wie Fanta, Sprite und Innocent war Coca-Cola im Jahr 2021 einer der größten Getränkehersteller der Welt.[1] Gut 20 ihrer Marken erwirtschaften einen jährlichen Einzelhandelsumsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar.[2]

Neben Materialien wie Aluminium oder Glas verwendet Coca-Cola in seinen Getränkeverpackungen zu fast 50 Prozent Plastik, überwiegend PET, was unter Kunststoffen immerhin die beste Recyclingfähigkeit aufweist.[3] Im Jahr 2021 verbrauchte das Unternehmen 3.224.395 Tonnen Plastik, was im Vergleich zu 2019 einen Anstieg um 8% bedeutet – entgegen der wohlklingenden Versprechungen einer „World without Waste“.[4] 86% des Plastiks stammen aus fossilen Quellen, weniger als 1% aus erneuerbaren Rohstoffen und 13,6% aus recyceltem Altplastik. Lediglich 1,3% des Plastikverpackungsportfolios gelten als wiederverwendbar.[5]

Die durch Coca-Cola verursachte Plastikverschmutzung gilt als die mit Abstand höchste der Konsumgüterbranche. Die Produkte des Unternehmens hinterließen seit 2018 mehr Müll als die der Zweit- und Drittplatzierten, PepsiCo und Nestlé, zusammen, so die jüngste Auswertung der zivilgesellschaftlichen Bewegung Break Free From Plastic. In zahlreichen Clean-Ups sammelten Freiwillige insgesamt 85.035 Coca-Cola-Plastikverpackungen in 78 Ländern.[6]

Die Organisation Tearfund kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Zusammen mit PepsiCo, Nestlé und Unilever ist Coca-Cola in sechs untersuchten Ländern des Globalen Südens bereits für eine halbe Millionen Tonnen unsachgemäß weggeworfenes oder verbranntes Plastik pro Jahr verantwortlich.[7] Coca-Cola hat zwar unter den vier Unternehmen den geringsten Umsatz, führt jedoch auch hier die Liste mit 200.000 Tonnen jährlicher Plastikverschmutzung an – genug um täglich 33 Fußballfelder mit Plastikmüll zu bedecken. Die Plastikverbrennung setzt in den untersuchten Ländern etwa 2,5 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid frei. Das entspricht in etwa 4,8 Milliarden verbrannten Flaschen pro Jahr.[8]

Halten wir fest: The Coca-Cola Company ist wohl eher kein nachhaltiges Unternehmen. Dennoch ist das Unternehmen ein viel gesehener Gast in Nachhaltigkeitsfonds. In unserer Datenbank Faire Fonds taucht Coca-Cola in 426 Fonds von Allianz, Deka & Co. auf, 229 davon bezeichnen sich als sogenannte ESG-Fonds, sind also als „nachhaltig“ eingestuft. Doch nicht nur in den Fonds von Verbraucher*innen finden sich Titel des Getränkekonzerns wieder. Die Deutsche Bank, die britische HSBC und die spanische Santander unterstützen Coca-Cola beispielsweise bei der Begebung von Anleihen und erhöhten so direkt die liquiden Mittel des Unternehmens[9].

Ob nun als Finanzier oder Investor, sie alle haben eine Verschärfung der Plastikkrise zu verantworten. Ökologische Mindestanforderungen müssen für alle Unternehmen bei jeder Investition und jeder Finanzierung gelten – egal wie sehr diese Unternehmen diese Zeit des Jahres geprägt haben.

Mehr Informationen zu Coca-Cola’s Plastikfußabdruck, den wohlklingenden Versprechen des Getränkekonzerns sowie der Rolle von europäischen Banken gibt es ab S. 45 in unserem Dirty Profits Report 8.


Dies ist der zweite Teil unserer alternativen Weihnachtreihe. Bitte unterstützt uns mit Eurer Spende damit wir auch weiterhin gemeinsam von Konzernen und Banken mehr Verantwortung einfordern können. Danke!


[1] The Coca-Cola Company (2021): “Refresh the World. Make a Difference.” 2021 Business & ESG Report. S. 10. Abgerufen am 13.12.2022: https://d1io3yog0oux5.cloudfront.net/cocacolacompany/files/pages/cocacolacompany/db/761/description/2021_Business_ESG_Report.pdf

[2] The Coca-Cola Company (2015): “The Coca-Cola Company Grows Roster of Billion-Dollar Brands to 20.” Pressemitteilung 02.06.2015. Abgerufen am 13.12.2022: https://www.coca-colacompany.com/press-releases/coca-cola-grows-roster-of-billion-dollar-brands-to-20

[3] The Coca-Cola Company (2021): “Refresh the World. Make a Difference.” 2021 Business & ESG Report. S. 36. Abgerufen am 13.12.2022: https://d1io3yog0oux5.cloudfront.net/cocacolacompany/files/pages/cocacolacompany/db/761/description/2021_Business_ESG_Report.pdf

[4] Ellen MacArthur Foundation (2022): Global Commitment Progress Report 2022. Website. Abgerufen am 13.12.2022: https://gc-22.emf.org/detail-ppu/?cid=The%20Coca-Cola%20Company

Ellen MacArthur Foundation (2020): “Organisation report for 2020 reporting cycle: The Coca-Cola Company.” Website. Abgerufen am 13.12.2022: https://archive.ellenmacarthurfoundation.org/resources/apply/global-commitment-progress-report/organisation-reports/report/ppu/rec9MNy2Ttzw0iKe8?_ga=2.25111282.974846792.1670964527-200356115.1670964527&_gl=1*16jux8r*_ga*MjAwMzU2MTE1LjE2NzA5NjQ1Mjc.*_ga_V32N675KJX*MTY3MDk2NDUyOC4xLjAuMTY3MDk2NDUyOC42MC4wLjA

[5] Ellen MacArthur Foundation (2022): Global Commitment Progress Report 2022. Website. Abgerufen am 13.12.2022: https://gc-22.emf.org/detail-ppu/?cid=The%20Coca-Cola%20Company

[6] Break Free From Plastic (2022): Branded: Five Years Of Holding Corporate Plastic Polluters Accountable. S. 18f. Abgerufen am 13.12.2022: https://brandaudit.breakfreefromplastic.org/wp-content/uploads/2022/11/BRANDED-brand-audit-report-2022.pdf

[7] China, Indien, die Philippinen, Brasilien, Mexiko und Nigeria.

[8] Gower, Rich / Green, Joanne / Williams, Mari (2020): „The Burning Question: Will companies reduce their plastic use?” S. 2, 19, 22. Teddington: Tearfund. Abgerufen am 13.12.2022: https://learn.tearfund.org/-/media/learn/resources/reports/2020-tearfund-the-burning-question-en.pdf

[9] Facing Finance (2022): „Dirty Profits 8: Einweg ohne Ausweg? Plastikprofite von Banken und Konzernen und ihre Folgen für die Umwelt.“ S. 45, 73. Abgerufen am 13.12.2022: https://www.facing-finance.org/de/publications/dirty-profits-8-plastic-profits/