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Verheerende Ölkatastrophen in Thailand, Ecuador und Peru – Finanzbeziehungen auch zu deutschen Banken

Beispielbild einer Strandreinigung nach Ölpest

Beach Cleaning after Oil Spill | Bild: USAID [CC0] - PIXNIO

Die letzten Wochen und Tage illustrieren bilderbuchhaft die Gefahren von Ölpipelines, die verheerenden Folgen müssen lokale Bevölkerungsgruppen und die angrenzende Umwelt tragen. So ist es noch keine drei Wochen her, seit der Vulkanausbruch des Hunga-Tonga-Hunga-Ha’apai bei Tonga[1] zu massiven Ölaustritten vor den Küsten Thailands und Perus gesorgt hat, da ereignet sich die nächste Umweltkatastrophe: ein Erdrutsch im Osten Ecuadors bringt eine poröse Pipeline zum Bersten. Schätzungen zufolge sind dort zwei Hektar eines Amazonas-Naturschutzgebietes betroffen.

Das Ausmaß der Ölpest vor der Küste Perus, eine Folge des Vulkanausbruchs bei Tonga, ist größer als ursprünglich gedacht: bei Entladen eines Tankers seien laut peruanischem Umweltministerium, statt der zunächst angenommenen 6.000 Barrel, insgesamt 11.900 Barrel ausgelaufen – das entspricht 1.892.100 Litern. Der verantwortliche Erdölkonzern Repsol spricht derweil von 10.396 Barrel. Der Tsunami nach der Eruption des Vulkans hätte den Unfall verursacht, mehr als 20 Strände nördlich der peruanischen Hauptstadt Lima seien betroffen[2]. Die Folgen einer solchen Ölpest sind weitreichend: zahlreiche Tiere sind bereits aufgrund der Ölverschmutzung verendet, darunter viele Vögel und Fische. Das Öl bewegt sich unterdessen auf das offene Meer hinaus und sinkt auf den Meeresboden ab. Insbesondere leiden auch die peruanischen Fischer unter der Situation: laut dem Vorsitzenden der Fischergewerkschaft, Roberto Espinoza, wird es mindestens drei Jahre dauern, um den Schaden zu beheben[3].

Wegen des Vorwurfes der Umweltverschmutzung ermittelt derweil die peruanische Staatsanwaltschaft gegen den Produktionsleiter der Raffinerie La Pampilla, die Umweltbeauftragte und zwei weitere leitende Angestellte. Daraus können sich bis zu sieben Jahre Haft für die Verantwortlichen ergeben, neben erheblichen Schadensersatzforderungen an das Unternehmen. Die Beschuldigten dürfen wegen laufender Ermittlungen das Land für 18 Monate nicht mehr verlassen[4]. Nachdem am 26. Januar 2022 nach Aussagen von Marine und Umweltministerium erneut Öl ins Meer gelangt sei, fordert die Stadtverwaltung von Ventanilla einen sofortigen Betriebsstopp der Raffinerie. Der Bürgermeister Ventanillas wirft dem Erdölkonzern Repsol zudem vor, die Schäden herunterzuspielen und die Säuberungsarbeiten zu verzögern[5].

Raffinerie La Pampilla des Konzerns Repsol in Peru | Bildtitel muss aus Mediathek zusammengesetzt werden

Raffinerie La Pampilla des Konzerns Repsol in Peru | Bild: Repsol [CC BY-NC-SA 2.0] – Flickr

Auch deutsche Finanzinstitute nehmen als Book Runner eine wichtige Rolle für das Unternehmen Repsol ein. So haben drei deutsche Banken Repsol-Anleihen in unterschiedlicher Höhe in die eigenen Bücher aufgenommen, um sie an Investoren weiterzuverkaufen: die Commerzbank (ca. 50 Millionen €), die Deutsche Bank (ca. 200 Millionen €) und die HypoVereinsbank (ca. 265 Millionen €)[6]. Damit sind sie indirekt mitverantwortlich für die Umweltschäden, welche aus der Ölpest in Peru hervorgehen und durch fahrlässiges Handeln von Repsol noch verschärft wurden. Immer wieder zeigt sich, dass Förderung und Transport von Rohöl massive Risiken für Mensch und Natur darstellen. Anstatt weiterhin in fossile Brennstoffe zu investieren, sollten Banken sichere und saubere Alternativen unterstützen.

Eine weitere Folge des Vulkanausbruchs ist der Ölteppich vor der Küste der thailändischen Provinz Rayong. Dort traten offiziellen Schätzungen zufolge etwa 50.000 Liter Rohöl aus einem Leck einer Unterwasser-Pipeline des Unternehmens Star Petroleum Refining Company aus. Erst einen Tag später konnte die Pipeline repariert werden, der Ölteppich belief sich da bereits auf eine Fläche von 47 Quadratkilometern. Die Marine sowie zahlreiche freiwillige Helfer*innen sind seither mit der Säuberung der Strände und der Eindämmung weiterer Schäden beschäftigt, unter anderem durch den Einsatz chemischer Dispersionmittel[7]. Der Einsatz solcher Mittel ist indessen umstritten – Laborversuche der Georgia University weisen sogar darauf hin, dass die eingesetzten Dispersionsmittel den Abbau von Öl im Meer eher ausbremsen als beschleunigen. Dazu kommt, dass die Dispersionsmittel selbst giftig und umweltschädlich sind[8].

Unabhängig vom Vulkanausbruch auf Tonga gesellt sich zu diesen Umweltkatastrophen ein dritter Vorfall, welcher Naturschutzgebiete im Osten Ecuadors betrifft. Dort war vor kurzem nach heftigen Regenfällen und einem Erdrutsch ein poröses Rohr beschädigt worden, was zu einem massiven Austritt von Rohöl führte. Weder Mitglieder der ecuadorianischen Regierung noch der Betreiber der Pipeline OCP Ecuador haben seither Angaben gemacht, um welche Mengen von Öl es sich handelt. Das Umweltministerium bezeichnet den Vorfall derweil als „major pollution event“[9]. Fast zwei Hektar des Naturschutzgebiets Cayambe-Coca National Park sind laut den Behörden betroffen, einer der größten Zuflüsse des Amazonas in Ecuador zudem verschmutzt. OCP Ecuador habe die Ölpumpen angehalten und mit Säuberungsarbeiten begonnen, die Firma versprach sauberes Wasser und Hilfen für betroffene indigene Gemeinschaften. Unterdessen prüft die ecuadorianische Regierung bereits rechtliche Schritte gegen das Unternehmen[10].

Autorin: Sophia Grill

[1] https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/ausbruch-von-untersee-vulkan-sorge-um-tonga-nach-tsunami-17734001.html

[2] https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/oelteppiche-verschmutzen-straende-in-peru-und-in-thailand-17764990.html

[3] https://www.zeit.de/news/2022-01/27/nach-oelpest-in-peru-ermittlungen-gegen-oelkonzern

[4] https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/oelteppiche-verschmutzen-straende-in-peru-und-in-thailand-17764990.html

[5] https://www.zeit.de/news/2022-01/27/nach-oelpest-in-peru-ermittlungen-gegen-oelkonzern

[6] Abgerufen in Refinitiv Eikon am 02.02.2022.

[7] https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/oelteppiche-verschmutzen-straende-in-peru-und-in-thailand-17764990.html

[8] https://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article148681791/Chemische-Reinigung-bei-Oelpest-bestenfalls-Kosmetik.html

[9] https://www.aljazeera.com/news/2022/1/31/ecuador-oil-spill-pollutes-river-protected-amazon-area-ministry

[10] https://www.dw.com/en/ecuador-oil-spill-impacts-amazon-nature-reserve/a-60616471