Kohleindustrie auf Expansionskurs – die neue Global Coal Exit List

Seit heute ist die Global Coal Exit List 2021 online verfügbar! Die frei zugängliche Liste wird von der NGO urgewald veröffentlicht und enthält rund 1000 Unternehmen mit 1800 Tochterfirmen, die entlang der Kohlewertschöpfungskette beteiligt sind. Seit 2017 wird die Global Coal Exit List (GCEL) jährlich aktualisiert und bietet damit eine umfassende Datenbank über die globale Kohleindustrie. Inzwischen wird die GCEL sogar von institutionellen Investoren benutzt aber auch von Behörden für Risikoberechnungen herangezogen – bspw. von der französischen Finanzaufsichtsbehörde oder dem französischen Ostrum Asset Management.

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Quelle: coalexit.org

Auch in der diesjährigen Aktualisierung finden sich einige interessante Zahlen: 75% der in Zukunft geplanten zusätzlichen Kohleverstromung ist in nur 4 Ländern angesiedelt – China, Indien, Indonesien und Vietnam; 77% der zusätzlich geplanten Kohleförderung werden ebenfalls in nur 4 Ländern gebündelt – Indien, China, Russland und Australien. Auf der Ebene der Unternehmen, zeigt die GCEL, dass 49% der aufgeführten Firmen, in Zukunft noch zusätzliche Kapazitäten in der Kohlegewinnung und -verbrennung aufbauen wollen. Weniger als 5% haben überhaupt ein Kohleausstiegsdatum festgelegt, von denen die meisten viel zu spät sind, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens noch zu erreichen.

Die GCEL gewährt aber nicht nur einen Überblick, sondern offenbart auch die Dynamiken der weltweiten Kohleverstromungsbranche. Denn nicht jede Kohleausstiegserklärung ist automatisch klimafreundlich – offiziell als Exits titulierte Veränderungen in den großen Konzernen, markieren in einigen Fällen nur den Verkauf von Förderungs- und Verbrennungsanlagen oder die Überführung dieser Assets in Tochterfirmen. In anderen Fällen verklagen Großkonzerne, wie RWE in den Niederlanden, Regierungen, weil neue Umweltschutzgesetze ihre Profite schmälern.

Banken, die diese Geschäfte mitfinanzieren, präsentieren sich oft als Partner der jeweiligen Unternehmen auf dem Weg Richtung Nachhaltigkeit. Dem entgegen zeigt die GCEL, dass die Kohlebranche nicht einmal ansatzweise im Wandel ist und globale Divestment-Strategien dringend nötig sind.

Die Global Coal Exit List 2021 macht diese Praktiken publik und bietet einen umfassend recherchierten Überblick über die globale Kohleindustrie. Damit ist die GCEL nicht nur ein Recherche-instrument für institutionelle Investoren und Behörden, sondern auch ein Informationsportal für Zivilgesellschaft, Medien und Privatanleger*innen.

Auf coalexit.org können die GCEL, inklusive Highlights und Zusammenfassungen eingesehen und die Datenbank selbst heruntergeladen werden.