Der Virus und das Plastik

| Bild: Photo by Cate Bligh - unsplash

Die Corona-Pandemie hat den Plastikbedarf im vergangenen Jahr ordentlich angeheizt. Ob FFP2-Masken, Handschuhe oder Schutzanzüge – Utensilien für den Krankenhausbetrieb und Infektionsschutz waren und sind unerlässlich, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Restaurants und Läden mussten schließen, Kund*innen setzten verstärkt auf Take-Away-Mahlzeiten und Onlineshopping. Zusammen mit einem historisch tiefen Ölpreis[1] führte dies zu einer gesteigerten Plastikproduktion. Plastik hat in der Pandemie viele Menschen geschützt. Nichtsdestotrotz darf man auch in dieser Zeit unsere Umwelt nicht vergessen. Denn was uns schützt, schadet langfristig Natur und Tieren. Plastik ist sowohl in der Produktion als auch in der Entsorgung äußerst problematisch. Es wird synthetisch hergestellt und basiert zu 99 Prozent auf fossilen Brennstoffen, wie Erdöl, Erdgas und, seltener, Kohle[2]. Nur circa ein Prozent des Plastiks wird aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt.[3]

Kurz nachdem die ersten Einweg-Masken in der breiten Masse zum Einsatz kamen, wurden sie bereits an den Stränden dieser Welt angespült.[4] Meerestiere, wie Delfine, Schildkröten oder auch Vögel können schwimmende Plastikteile für Nahrung halten und damit ihren Verdauungstrakt verstopfen und infolgedessen verhungern. Zudem sammeln sich in Plastik über längere Zeit Giftstoffe aus der Umwelt an. Auch wenn der Nahrungstrakt nicht verstopft, nehmen die Tiere Gifte auf, was ihnen und denen, die in der Nahrungskette folgen, schadet.[5] Schätzungen gehen von bis zu 1,56 Milliarden Masken aus, die 2020 in die Ozeane gelangt sein könnten.[6] Das sind mehrere tausend Tonnen Plastikmüll. Masken, die zum Zeitpunkt ihres Einsatzes unentbehrlich waren, die jetzt aber jahrhundertelang das Ökosystem belasten werden. Bis zu 450 Jahre könnte dieser Müll zum Zersetzen brauchen und ist dann in Kleinstbestandteile zerfallen, aber damit immer noch nicht vollständig aufgelöst[7]. Über 100.000 Meeressäugetiere sterben jährlich durch die Aufnahme von Plastik oder weil sie sich in Fischernetzen verfangen haben.[8] Wenn auch nur 1 Prozent der Masken versehentlich in der Natur landet, handelt es sich hierbei laut Schätzungen des WWF um 10 Millionen Masken im Monat.[9]

Es braucht eine Trendwende beim Thema Plastik. Der derzeitige Umgang ist weder mit dem Pariser Klimaabkommen vereinbar, noch ist er zeitgemäß. Die Europäische Union hat dies erkannt und verschiedene Regelungen im Rahmen ihrer Kunststoffstrategie getroffen. Bis 2030 sollen alle Kunststoffverpackungen recycelt oder wiederverwendbar sein.[10] Ab heute sind einige Einweg-Produkte, wie Trinkhalme, Rührstäbchen, Einweggeschirr und To-Go-Becher in der EU verboten.[11] Vorräte werden noch abverkauft. Ein Ausweichen auf Papierverpackungen oder sogenanntes Bioplastik, beispielsweise aus Zuckerrohr, stellt keine nachhaltige Alternative dar. Papier führt zu einer Zunahme der Abholzung. Zuckerrohr und andere nachwachsende Rohstoffe wachsen meist in für die Biodiversität schädlichen Monokulturen und sind nicht so unkompliziert abbaubar, wie leichthin angenommen. Eine Vermeidung von Einweg-Artikeln ist anzustreben. Ausnahmen sind bei dem Verbot vorgesehen.  Feuchttücher, Zigarettenfilter und andere Wegwerfprodukte sind weiterhin erlaubt, aber müssen auf Umweltschäden und die richtige Entsorgung hinweisen.

Plastikmüll zu verbrennen bzw. euphemistisch gesprochen „energetisch zu verwerten“, stößt Treibhausgase aus und zerstört all die Energie und Rohstoffe, die man für die Produktion verbraucht hat, unwiderruflich. Plastikartikel sollten auch nach dem sie nicht weiter nutzbar sind, so lang wie möglich in der Wirtschaft verbleiben und immer wieder der Wertschöpfung zugeführt werden.[12] Unser derzeitiger Umgang mit Ressourcen und Müll muss sich dafür verändern und in eine vollumfängliche Kreislaufwirtschaft überführt werden. So haben sich Fraunhofer, Sabic und Procter & Gamble für ein Pilotprojekt zusammengeschlossen und ein Verfahren entwickelt bei dem Einweg-Masken in einem Closed-Loop-Recycling-Kreislauf gehalten werden[13]. Das heißt gebrauchte Masken können immer wieder zurück in die Wertschöpfung der Maskenproduktion einfließen, so dass kein Müll anfällt. Die Masken werden zerkleinert und thermochemisch in Pyrolyseöl umgewandelt, welches dann unter Druck und Hitze in molekulare Fragmente zerlegt wird. Dieser Schritt ist notwendig, um Rückstände von Schadstoffen oder Krankheitserregern zu zerstören, so dass der neue Ausgangsstoff auch für Medizinprodukte zugelassen ist. [14]

Der von Facing Finance im März 2021 herausgegebene Bericht Dirty Profits 8 – Einweg ohne Ausweg zeigt, dass auch Finanzinstituten eine zentrale Rolle bei der Transformation hin zur Kreislaufwirtschaft zukommt, der sie bisher leider nicht gerecht werden. Als Kapitalgeber können sie entscheiden, eben solche Projekte voranzubringen, die zu einem zirkulären abfallarmen Wirtschaftssystem beitragen.[15] Auch Regierungen müssen den Prozess aktiv unterstützen und vorantreiben, indem sie für Konzerne und Verbraucher*innen Anreize setzen, Plastik zu vermeiden. Der Dirty Profits 8 Report hat sich umfangreich mit der Plastikverschmutzung und ihren Auswirkungen auf Umwelt und Mensch befasst und ist hier zum Download erhältlich.

Autorin: Karina Rudi

[1] https://voxeurop.eu/de/coronavirus-die-plastikpandemie/

[2] DP 8, S. 21

[3] DP 8, S. 21

[4] https://oceansasia.org/covid-19-facemasks/

[5] https://oceansasia.org/covid-19-facemasks/

[6] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0301479721002024

[7] https://www.zeit.de/news/2021-03/08/mehr-muell-waehrend-pandemie-vorsicht-bei-masken-entsorgung?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F

[8] WWF Australien (11.10.2018): „Plastic in our oceans is killing marine mammals.” Abgerufen am 23.12.2020: https://www.wwf.org.au/news/ blogs/plastic-in-our-oceans-is-killing-marinemammals#gs.n2uo1q

[9] WWF Australien (11.10.2018): „Plastic in our oceans is killing marine mammals.” Abgerufen am 23.12.2020: https://www.wwf.org.au/news/ blogs/plastic-in-our-oceans-is-killing-marinemammals#gs.n2uo1q

[10] https://voxeurop.eu/de/coronavirus-die-plastikpandemie/

[11] https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/nachhaltigkeitspolitik/einwegplastik-wird-verboten-1763390

[12] https://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/economy/20151201STO05603/kreislaufwirtschaft-definition-und-vorteile

[13] https://www.k-zeitung.de/kreislaufwirtschaft-fuer-einweg-gesichtsmasken/

[14] https://www.industr.com/de/so-lassen-sich-einweg-masken-recyclen-2613964

[15] DP 8, S.85