Aufholbedarf bei Umwelt, Sozialem und Regierungsführung

Eine kürzlich erschienene Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstitutes YouGov zeigt eindringlich, wie groß die Baustellen bei Nachhaltigkeitsthemen in der deutschen Bevölkerung sind. Die im Auftrag des Vermögensberaters Commerz Real durchgeführte Studie untersucht, wie viele Menschen bislang über die ESG-Kriterien Bescheid wissen. Das Konzept ESG steht für Environment, Social und Governance und legt Auflagen fest, die eine Geldanalage einhalten muss, um als nachhaltig zu gelten. Neben ökologischen Aspekten zum Schutz von Umwelt, Klima und natürlichen Ressourcen enthalten die Kriterien auch ethische und soziale Komponenten. So steht „Social“ für die Einhaltung und Achtung von Menschenrechten in verschiedenen Bereichen, während „Governance“ Kriterien einer ethisch vertretbaren Unternehmensführung definiert. Ein anschließendes ESG Rating bestimmt, welche Unternehmen ausreichend auf die Kriterien achten und in ihrer täglichen Arbeit umsetzen und welche Mängel aufweisen.

Das Ergebnis der Studie zeigt eine enorme gesamtgesellschaftliche Unwissenheit über nachhaltige Geldanlagen. Als am besten informiert schnitten vergleichsweise Politikinteressierte ab. Während unter Ihnen zumindest 40% die Kriterien kennen, liegt die Wahrscheinlichkeit bei politisch weniger engagierten Menschen gerade einmal bei 11%. Auch ist der Anteil der Informierten bei Menschen ab 55 Jahren mit 21% nur halb so groß wie unter den 18- bis 24-Jährigen. Dies ist besonders alarmierend, da ältere Menschen tendenziell über mehr finanzielle Mittel und einen demnach größeren Einfluss verfügen. Zudem erwies sich das Nettohaushaltseinkommen als entscheidend, so steigt mit einem höheren Gehalt auch das Wissen über die ESG-Kriterien.  Dennoch zeigte die Untersuchung, dass selbst diejenigen, denen ESG ein Begriff ist, meist kaum genauer informiert sind und die Spanne zwischen reinem Wissen und einer Umsetzung dessen groß bleibt.

Dass sich ein wesentlicher Teil der Bevölkerung nur unzureichend über nachhaltige Geldanlagen informiert fühlt und es auch FinanzberaterInnen an dahingehendem Wissen mangelt, könnte die im März 2021 in Kraft getretene EU Sustainable Finance Disclosure Regulation ändern. Die als offizieller Meilenstein bezeichnete Offenlegungsverordnung soll künftig sicherstellen, dass Finanzunternehmen wie Fondsmanager, Versicherer und Banken umfassend darlegen müssen, wie sehr sie sich der Nachhaltigkeit verpflichtet fühlen. Indem sie AnlegerInnen den Stand ihrer Nachhaltigkeitsbemühungen aufzeigen, können diese künftig die eigenen Entscheidungen mehr an den ESG-Kriterien orientieren und langfristig einen positiven Einfluss auf unsere Umwelt nehmen.