Milliardenentschädigung für den brasilianischen Bundestaat Minas Gerais nach Dammbruch in Vale-Mine

Dam break in Brumadinho | Bild: © TV NBR [CC BY 3.0] - Wikimedia Commons

Milliardenentschädigung für den brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais nach Dammbruch in Vale-Mine

 

Nach vier Monaten mühsamer Verhandlungen haben sich das Bergbauunternehmen Vale und die Regierung des Bundesstaats Minas Gerais in Brasilien auf ein Ergebnis in Milliardenhöhe geeinigt. Umgerechnet 5,9 Milliarden Euro (37,7 Milliarden Real) erhalten der Bundesstaat und die Opferfamilien nach dem verheerenden Dammbruch einer Erzeisenmine im Januar 2019, der auf Kosten von Mensch und Umwelt ging.[1] Am vergangenen Donnerstag, den 04.02.2021, rund zwei Jahre nach dem Dammbruch, stimmte Vale dem Vergleich zu, wodurch ein jahrzehntelanger Gerichtsprozess verhindert wurde. Was den vorzeitigen Abschluss der juristischen Aufarbeitung für Bundesstaat sowie Bergbauunternehmen bedeutet, ist für den psychischen Zustand der Opfer noch lange nicht ausreichend. Die Bewohner*innen von Brumadinho fühlten sich vom Verhandlungsprozess ausgeschlossen und protestierten vor dem staatlichen Gericht, in dem das Abkommen unterschrieben wurde.[2]

 

Der Damm der Firma Vale wurde gebaut, um Abfälle aus einer nahegelegenen Eisenerzmine aufzunehmen. Beim Bruch fegte eine Schlammlawine über das gesamte Umland, zerstörte fast 300 Hektar einheimischen Waldes und verschmutzte 200 Meilen des lokalen Paraopeba-Flusses, wodurch dieser als Wasserversorgung für den Staat unbrauchbar wurde. 272 Menschen kostete der Bruch des Rückhaltedamms das Leben, begrub Häuser und Hotels und nahm tausenden den Arbeitsplatz.[3]

 

Nur wenige Tage später wurde klar, dass das Unternehmen mehrfach vor der Instabilität des Bauwerks gewarnt worden war. Ein brasilianisches Tochterunternehmen des TÜV Süd bescheinigte trotz verstopfter Abflussrohre und Risse die Sicherheit des Damms.[4] Interviews mit Mitarbeiter*innen zeigten, dass das Unternehmen zuvor häufig vor dem undichten Damm gewarnt worden war. Bei der Untersuchung des Falls fanden weiterhin Staatsanwälte heraus, dass Vale die Sicherheitsberichte von mindestens zehn Dämmen gefälscht hatte, woraufhin der ehemalige Vale-Chef Fabio Schvartsman sowie 16 weitere Beamte von Vale des Mordes angeklagt wurden. Gegen den TÜV Süd wird weiterhin durch die Münchener Staatsanwaltschaft ermittelt[5] und trotz der Verhandlungsübereinkunft laufen die Anzeigen gegen die Beamten weiter.[6]

 

[1] https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/dammbruch-brumadinho-entschaedigung-103.html

[2] https://www.nytimes.com/2021/02/04/world/americas/vale-brazil-dam-collapse-7-billion-compensation.html

[3] https://www.deutschlandfunkkultur.de/dammbruch-in-brasilien-unser-wohlstand-euer-schlamm.976.de.html?dram:article_id=491489

[4] https://www.bbc.com/news/world-europe-48948775

[5] https://www.business-humanrights.org/my/သတင/staatsanwaltschaft-münchen-ermittelt-nach-tödlichen-dammbruch-in-brasilien-gegen-tüv-süd-2/

[6] https://www.nytimes.com/2021/02/04/world/americas/vale-brazil-dam-collapse-7-billion-compensation.html