Schlechtes Zeugnis für Tech-Unternehmen: Kontrolle der Lieferketten ungenügend

Der einzige deutsche Konzern schneidet besonders schlecht in der Kontrolle seiner Lieferanten ab - gerade in Malaysia Bild: © Crazyblocks [CC0 1.0] - Wikimedia

In einer neuen Studie der NGO „KnowTheChain“ ist der Technologiebranche ein verheerendes Zeugnis ausgestellt worden. Untersucht wurde, inwieweit Zwangsarbeit unterbunden und Arbeitsrechte gewährleistet werden. In der Studie wurden sieben Kriterien (Absichtserklärungen, Verfolgbarkeit der Lieferketten, Erwerbspraxis, Personalbeschaffung, Stimme der Arbeitnehmer, Kontrolle der Umsetzung und Abhilfemaßnahmen) zu gleichen Teilen in einem „Hundertpunkteindex“ gewichtet. Insgesamt erreichten die bewerteten, weltweit 49 größten Unternehmen hierbei lediglich einen Score von durchschnittlich dreißig Punkten.

Auffällig: Keines dieser Unternehmen hat Maßnahmen ergriffen, das Recht auf Selbstorganisation und Tarifautonomie der Arbeitnehmer*innen zu materialisieren. Zwar erkennt der Bericht an, dass viele Unternehmen versucht haben Zulieferer dazu zu bewegen Einstellungsgebühren einzustellen und (somit) der Schuldknechtschaft entgegenzuwirken, jedoch mangelt es an der praktischen Umsetzung. Auch erkennen die wenigsten die grundlegenden Standards der International Labour Organization in vollem Umfang an.

Somit kam selbst der Spitzenreiter Hewlett Peckard auf nur siebzig der hundert zu vergebenen Punkte, drei Viertel aller Unternehmen kamen auf weniger als fünfzig.

Als einziger deutscher Konzern wurde Infineon untersucht. Infineon ist ein börsennotiertes Unternehmen, der größte Halbleiterhersteller Deutschlands und gehört weltweit zu den Top-10 der Branche. Der Konzern schneidet mit neun Punkten besonders schlecht ab, was sich auch in der Behandlung der Belegschaft entlang der Lieferkette widerspiegelt. Das unabhängige dänische Untersuchungsinstitut Danwatch berichtet beispielsweise, dass der Zulieferer Possehl Electronics in Malaysia indonesischen und nepalesischen Angestellten über Monate das Einkommen um mehr als die Hälfte kürzte, um deren Zulassungskosten zu bezahlen. Das Unternehmen gab sogar zu, pro Arbeiter*in Lohnabzüge von 1.700€ zu berechnen, was etwa acht Monatsgehältern entspricht. Darüber hinaus berichteten die Arbeiter*innen von gewaltsamen Einschüchterungsversuchen, konfiszierten Pässen und Zwangsarbeit. Für Jean Allain, Professor an der Monash University of Australia, nichts anderes als „moderne Sklaverei“.

Dies verdeutlicht die klare Notwendigkeit stärkerer Kontrollen von Lieferketten durch Unternehmen, schließlich stehen sie als Endkunden in der Verantwortung Arbeits- und Gesundheitsschutz zu achten. Solange dieser Verantwortung nicht nachgekommen wird, müssen Unternehmen mit allem Nachdruck ermahnt werden, ihren Sorgfaltspflichten nachzukommen.

Diese Pflicht betrifft jedoch auch Investoren. So investieren nicht nur die Vermögensverwalter BlackRock und Vanguard kräftig in Infineon, auch die die DZ, Deka und Deutsche Bank, sowie die Allianz gehören zu den größten zwanzig Anteilseignern. Investoren, die Wert auf die Einhaltung von Arbeits-, Gesundheits- und Menschenrechten legen, müssen also im Rahmen von Engagement Prozessen Verbesserungen einfordern oder nötigenfalls ihre Finanzbeziehungen beenden, wenn es nicht gelingt Zulieferer besser zu kontrollieren. Denn soziale und nachhaltige Investments bedürfen sozialer und nachhaltiger Lieferketten!

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