Weltbank, Exxon & Co im Ölrausch in Guyana

Im Meeresboden vor der Küste Guyanas befinden sich 13,6 Milliarden Barrel Öl und 960 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Urgewald spricht in diesem Zusammenhang von einer Ölbombe, denn selbst wenn nur die Hälfte der Öl- und Gas-Reserven verbrannt würden, könnten die daraus resultierenden Emissionen eine Millarde Tonnen CO2 übersteigen. Das Ölprojekt würde dann aus der derzeitigen Kohlenstoffsenke Guyana – das Land ist zu über 80 Prozent von nahezu unberührtem Regenwald bedeckt – den größten Pro Kopf-Emittenten von CO2 weltweit machen. Die Rechte zur Förderung haben sich neben den Unternehmen Hess und CNOOC der Öl-Multi ExxonMobil gesichert.

Zwar hatte auch die Weltbank in Paris das Versprechen unterschrieben, das Klimaziel von 1,5 Grad Erderhitzung einzuhalten, doch unterstützt sie Guyana mit einem Beratungsvolumen von 55 Millionen US-Dollar dabei, sich den Ölfirmen zu öffnen. Die Recherchen von Urgewalt zeigen, dass die Weltbank sogar die Anwaltskanzlei von ExxonMobil finanziert, um die Erdölgesetze von Guyana zu überarbeiten. Das steht natürlich im krassen Widerspruch zum Klimaschutzversprechen der Bank. Heike Mainhardt, Senior Advisor für multilaterale Finanzinstitutionen bei Urgewald, ist der Meinung, das sei “Good Governance” für die Ölkonzerne, nicht für die Menschen in Guyana oder das Weltklima und sagt: „Die Weltbank verursacht einen Interessenkonflikt und untergräbt damit eine gute Regierungsführung.“

Der Spiegel berichtet darüber hinaus, dass nicht davon auszugehen ist, dass die Förderung des Öls den Wohlstand der Bevölkerung in Guyana verbessert. Bereits 2017 hatte der Konzern ExxonMobil gegen die schwache und korrupte Regierung Guyanas im Rahmen von Vertragsverhandlungen eine hohe Gewinnbeteiligung (Exxon soll mindestens 48 Prozent der Ölgewinne erhalten – weltweit üblich sind 15 bis 35 Prozent) durchgesetzt. Auf dem Korruptionsindex von Transparency International steht Guyana 2019 auf Platz 85 von 180.

Facing Finance unterstützt deshalb die Kampagne von Urgewald, um die Ölforderung vor der Küste Guyanas zu stoppen. „Der CO-2 Ausstoß nahm mit knapp 37 Milliarden Tonnen weltweit um 0,6 Prozent in 2019 zu. Wie soll es gelingen das 1,5 grad Ziel zu erreichen, wenn wir jetzt die Förderung von neuen, riesigen Ölfeldern zulassen bzw. diese finanzieren?“, fragt Thomas Küchenmeister, geschäftsführender Vorstand von Facing Finance.

Durch öffentlichen Druck muss eine weitere Assistenz der Weltbank verhindert werden. Während die DZ-Bank, Allianz, Commerzbank, Deka und MunichRe große Anteile an ExxonMobil halten, ist die Deutsche Bank darüber hinaus an mehreren Krediten beteiligt. Facing Finance fordert deshalb explizit, dass die deutschen Finanzinstitute ihren Einfluss auf ExxonMobil geltend machen, um das klimazerstörende Projekt vor Guyana noch zu stoppen.

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