Kinderarbeit auf Tabakplantagen: Noch immer traurige Realität

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Tabakkonsum ist in Deutschland rückläufig, dennoch boomt die Tabakindustrie weltweit. Das Genussmittel wird oftmals unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen angebaut und verarbeitet, auch von Kindern und Jugendlichen. Nun haben sich das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und das Projekt „Unfairtobacco“ der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Umwelt und Entwicklung zusammengetan, um auf Kinderarbeit in der Tabakbranche aufmerksam zu machen und die Unternehmen in die Verantwortung zu nehmen.

Schätzungsweise arbeiten weltweit 1,3 Millionen Minderjährige unter prekären Arbeitsbedingungen für die Tabakindustrie. Besonders betroffen sind Sambia, Simbabwe, Tansania, Malawi, Argentinien, Brasilien, Vietnam, Indonesien und Kambodscha, aber auch die USA[1].

In kleinbäuerlichen Betrieben wird der Tabak angebaut und für 1,20 bis 2,70 Euro pro Kilo weiterverkauft. Sonja von Eichenborn von Unfairtobacco kritisiert, dass dieser geringe Preis in keinerlei Maßstab zu den immensen Gewinnen der von wenigen Großkonzernen dominierten Tabakindustrie stehe. Eine solche Marktkonzentration, in der wenige milliardenschwere Hersteller und Händler armen kleinbäuerlichen Betrieben im globalen Süden gegenüberstehen, ist auch in anderen Branchen, wie der ebenso von Kinderarbeit geplagten Kakaoindustrie, ein altbekanntes Problem.[2]

Kinder, die auf Plantagen arbeiten, erhalten häufig keine ausreichende Schulbildung und sind damit ihres Rechts auf Bildung beraubt. Ein mangelnder Zugang zum Bildungssystem erschwert zudem zusätzlich ein Entrinnen aus der Armut und verstärkt bestehende Abhängigkeiten. Der Anbau und die Ernte von Tabak ist zudem mit großen gesundheitlichen Risiken verbunden. In den Monokulturen kommen Pestizide zum Einsatz, von denen viele in der EU verboten sind. Kinder arbeiten mit scharfen Werkzeugen und können das Nikotin auch über die Haut aufnehmen. So kann es zu einer Tabakvergiftung kommen, deren Folgen Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sind. Bei der Trocknung der Blätter sind sie zudem Rauch ausgesetzt und bei der Sortierung den Tabakstäuben.

Nach eigenen Angaben versucht der Deutsche Zigarettenverband diesen Missständen entgegenzuwirken und verweist auf die „Eliminating Child Labour in Tobacco“-Stiftung, welche sich selbst als Stiftung beschreibt, die verschiedene Stakeholder der Tabaklieferkette zusammenbringt, um die ursächlichen Probleme von Kinderarbeit zu bekämpfen und von der Tabakbranche finanziert wird. Doch während der Verband eine Fokussierung auf die Verantwortung einzelner Branchen ablehnt, spricht sich ein umfassendes Bündnis aus zivilgesellschaftlichen Organisationen darunter auch die Expert*innen von DKFZ und Unfairtobacco, für ein entsprechendes Lieferkettengesetz aus. So würde die deutsche Zigarettenbranche für Verstöße gegen Kinder- und Menschenrechte an jeder Station ihrer Lieferkette, einschließlich der im Ausland, haften. Solche gesetzlichen Verankerungen gibt es bereits in Frankreich und den Niederlanden. Freiwillige Selbstverpflichtung sind dagegen unzureichend, da die Firmen zu oft Kosten und Aufwand scheuen.

In der 2017 veröffentlichten Studie „Rauchfrei investieren“ untersuchte Facing Finance zusätzlich die Rolle europäischer Finanzinstitute in der Tabakindustrie und kritisierte diese für ihre finanzielle Unterstützung eines Geschäftsmodells, dass keinerlei gesellschaftlichen Mehrwert erzeugt, sondern im Gegenteil hohe Profite auf Kosten der Gesellschaft generiert. Die Forderung an die Banken bleibt unverändert: Stellt das tödliche Geschäft mit Tabak ein!

 

Quellen:

https://www.tagesspiegel.de/wissen/tabakanbau-zigarette-aus-kleinen-haenden/25383134.html 

https://www.facing-finance.org/files/2017/12/Rauchfrei_investieren.pdf

[1] https://www.theguardian.com/world/2018/jun/28/tobacco-child-labor-us-north-carolina (Aufgerufen am 08.01.2020)

[2] https://www.publiceye.ch/fileadmin/doc/Schokolade/2018_PublicEye_Cocoabarometer_2018_Report.pdf

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