Made in Cambodia – Textile Lieferketten und die Verantwortung der Investoren

Cover der Studie mit Bild einer Fabrikarbeiterin bei einer Auditierung eines kambodschanischen Zulieferbetriebs durch das ILO-Programm Better Factories Cambodia. Bild: © ILO Asia-Pacific [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

In der im Dezember 2019 veröffentlichten Studie Made in Cambodia bringen Facing Finance und SÜDWIND Investitionen in Textilunternehmen mit Arbeitsrechtsverstößen im Globalen Süden in Verbindung. Am Beispiel Kambodscha zeigen die Autoren, dass auf verlässliche Informationen zur Umsetzung von Arbeitsrechtsstandards in Textilfabriken zurückgegriffen werden kann. Investor*innen können die vorhandene Datengrundlage nutzen, um ihrer Verantwortung nachzukommen und bessere Arbeitsbedingungen für die Arbeiter*innen einzufordern.

Wenn es um die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen von Textilarbeiterinnen und Textilarbeitern in Ländern des Globalen Südens geht, wird in der öffentlichen Debatte meist die Verantwortung von Textilproduzenten und Handel thematisiert. Diese Studie identifiziert am Beispiel Kambodscha einen weiteren wichtigen Akteur: Finanzdienstleister, die mit internationalen agierenden Modekonzernen kooperieren“, stellt Christiane Overkamp, Geschäftsführerin der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen, heraus.

Die Autoren Antje Schneeweiß (SÜDWIND) und Richard Buch (Facing Finance) schreiten den Weg von den Arbeiter*innen in den kambodschanischen Textilfabriken bis zu den Investor*innen im Globalen Norden ab. In einem ersten Schritt greifen sie auf Ergebnisse von Better Factories Cambodia (BFC) zurück, einem Programm der internationalen Arbeitsorganisation ILO, das Audits in den Textilfabriken Kambodschas durchführt. Geprüft werden die Betriebe anhand von 21 Kriterien aus den Bereichen Arbeitssicherheit, Arbeitsrechten und Gleichstellung – ähnlich denen des Fair Finance Guide im Bereich Arbeitsrechte –, von ausreichend vorhandenen und unverschlossenen Notausgängen über Mindestlöhne bis hin zu Gewerkschaftsrechten und Kündigungsschutz bei Schwangerschaft. Im nächsten Schritt werden Zuliefererlisten von Modekonzernen nach kambodschanischen Unternehmen gefiltert, um so den Zusammenhang der bekannten Marken wie H&M und GAP zu Missständen aufzuzeigen, die in den Auditierungen festgestellt worden sind. Zuletzt wird die Verbindung von Finanzmarktakteuren zu global agierenden Modekonzernen beleuchtet. Deutsche und internationale Banken sowie Kapitalverwaltungsgesellschaften bieten der Modebranche Finanzdienstleistungen, gewähren Kredite und investieren in ihre Wertpapiere.

Mit den Missständen, die bei den Audits des Better-Factories-Programms festgestellt werden, können Investor*innen die Banken und Kapitalverwaltungsgesellschaften, die finanzielle Verbindungen zu Modekonzernen unterhalten, konfrontieren“, empfiehlt Antje Schneeweiß von SÜDWIND. Finanzinstitute haben mit ihrem finanziellen Einfluss die Möglichkeit, Modekonzerne in die Pflicht zu nehmen, Arbeitsrechte in den Lieferketten zu verankern und verbindlich einzuhalten.

„Wer profitiert, trägt Verantwortung. Schließlich werden die Gewinne, die Investmentfonds aus ihrer Beteiligung an Modekonzernen erzielen, letztlich von den Arbeiter*innen vor Ort erwirtschaftet“, betont Richard Buch von Facing Finance.

Made in Cambodia ist eine Publikation im Rahmen des Projekts Fair Finance Guide, das von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen sowie der schwedischen Entwicklungsagentur Sida gefördert wird. Die Studie ist der Öffentlichkeit erstmalig auf der Messe „Green World Tour“ am 7. Dezember 2019 in Düsseldorf präsentiert worden. Sie steht gratis zum Download bereit.

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