Rio Tinto: Revolution der Aktionäre?

Eine von Rio Tinto betriebene Mine in Andalusien Bild: © Junta de Andalucia [CC BY-SA 2.0] - flickr

Rio Tinto, eine der weltweit größten Bergbau-gesellschaften, sieht sich mit einem Antrag auf den Ausstieg aus klimafeindlichen Lobbygruppen konfrontiert. Dieser wurde am vergangenen Freitag von drei institutionellen Investoren eingereicht, die insgesamt ein Vermögen in Höhe von 53 Milliarden Euro verwalten und davon 63 Millionen Euro in Aktien des Minenunternehmens investiert haben1.

Das Unternehmen mit Sitz in Melbourne und London ist unter anderem Mitglied in den Vereinigungen Minerals Council of Australia (MCA), NSW Minerals Council (NSWMC) und Queensland Resources Council (QRC). Sie unterstützen den Abbau fossiler Rohstoffe, indem sie versuchen durch Lobbyarbeit neue Förderungslizenzen und unternehmensfreundliche Regularien zu erwirken1. Damit verfolgen sie konträre Ziele zum Pariser Klimaabkommen, da 2016 eine Studie von Oil Change International gezeigt hat, dass bereits die Ausbeutung aller derzeit betriebenen Kohle-, Öl- und Gasvorkommen zu einem Anstieg der Durchschnittstemperaturen um mehr als 2 Grad Celsius führen würde2. Auch wenn Rio Tinto sich der Paris Pledge for Action und damit indirekt dem Pariser Klimaabkommen verpflichtet hat3 und gerade dabei ist aus Kohlegeschäft auszusteigen, beschränken sich die Bemühungen des Unternehmens auf die Reduzierung der Treibhausgasemissionen im eigenen Geschäftsbetrieb, und vernachlässigen damit die klimaschädlichen Auswirkungen des Bergbaus und dessen Produkte. Die Aktionäre fordern nun eine Offenlegung der Mitgliedsbeiträge seit 2012, eine Überprüfung der Standpunkte in Sachen Klimapolitik und die Abschätzung von Kosten im Falle eines Ausstiegs.

Koordiniert vom Australasian Centre for Corporate Responsibility (ACCR) setzen sich nun die drei Aktionäre Local Government Super, die Kirche von England und der Schwedische Pensionsfond für den Ausstieg ein. Der Antrag wird bei der kommenden Jahreshauptversammlung allen Aktionären zur Abstimmung vorgelegt. Dabei sei es unwahrscheinlich, dass sich eine Mehrheit finden würde, doch das Signal allein sei stark genug, meint die Geschäftsführerin der ACCR O´Brien1.

Und O´Brien hat damit Erfahrung: Im letzten Jahr stellte sie einen vergleichbaren Antrag bei BHP Billiton auf die Beine, der dazu führte, dass der größte Kohleförderer der Welt bis Ende März aus der World Coal Association austreten wird und auch seine Mitgliedschaft in der MCA in Frage stellt14. In diesem Fall wurden große Teile des Antrags bereits vor der Abstimmung umgesetzt und das erwartet O`Brien auch von Rio Tinto.

Diese Beispiele zeigen auf, inwiefern Aktionäre Einfluss auf umweltschädigende Konzerne nehmen können. Der Ausstieg aus Lobbygruppen allein ändert zwar nicht direkt die Arbeitsweise von Unternehmen, doch wenn große Mitglieder wie Rio Tinto und BHP Billiton Industrievereinigungen verlassen, kann es dazu führen, dass diese schon allein aus finanziellen Gründen ihre Standpunkte verändern müssen. Dies wiederum hat rückkoppelnde Effekte auf Fossile Unternehmen, die damit keine starke Lobby mehr für neue klimaschädigende Projekte im Rücken haben. Das zeigt, dass auch Aktionäre eine hohe Verantwortung tragen und von ihren Rechten Gebrauch machen müssen, um sich für eine nachhaltige Wirtschaft einzusetzen.

 

Finanzierung (Quelle: Thomson Reuters)

Im Zeitraum von 2013 bis 2015 war die Deutsche Bank zusammen mit einer Vielzahl weiterer Banken an mehreren Krediten an Rio Tinto in Höhe von insgesamt 12,6 Milliarden Euro beteiligt.

Zusätzlich war die Deutsche Bank von 2012 bis 2015 an der Emission von Rio Tinto-Anleihen im Wert von 6,1 Milliarden Euro beteiligt.

 


  1. https://www.theguardian.com/business/2018/mar/02/rio-tinto-faces-84bn-shareholder-revolt-over-membership-of-minerals-council [] [] [] []
  2. http://priceofoil.org/2016/09/22/the-skys-limit-report/ []
  3. http://www.riotinto.com/ourcommitment/climate-change-21469.aspx []
  4. http://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/down-under-kohleriese-wehrt-sich-gegen-klimalobbyisten-15350911.html []
Recent Related Posts

Kommentare sind geschlossen.