Facing Finance auf der Fair Friends in Dortmund

Podiumsdiskussion zu verantwortungsvollem Umgang mit Geld | Bild: Facing Finance - Facing Finance

Wie können wir erreichen, dass mit unserem Geld verantwortungsbewusst umgegangen wird? Unter dieser Fragestellung beteiligten wir uns vom siebten bis zum zehnten September an der Fair Friends Messe für nachhaltige Lebensstile, fairen Handel und gesellschaftliche Verantwortung in Dortmund.

Die Besucher*innen unseres Standes zeigten großes Interesse an unseren Anliegen und in vielen Fällen auch Fachkenntnis im verantwortungsbewussten Umgang mit Geld, wodurch viele spannende Gespräche zustande kamen.

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Gespräche mit Besucher*innen am Stand  Bild: © Facing Finance

Am Sonntag war Thomas Küchenmeister als geschäftsführender Vorstand von Facing Finance dann an einer Podiumsdiskussion zum Thema „verantwortungsbewusster Umgang mit Geld“ beteiligt, welche von Oliver Brandt von der Bremer Verbraucherzentrale moderiert wurde. Mit ihm diskutierten Markus Kurth, Sprecher für Rentenpolitik bei Bündnis 90/Die Grünen, Markus Feck von der Verbraucherzentrale NRW und Stefan Möller von der GLS Bank.

Zu Beginn stellte Thomas Küchenmeister fest, dass es kaum gesetzliche Vorschriften für die Finanzbranche gebe, welche einen ethisch und ökologisch verantwortungsbewussten Umgang mit Geld vorschreiben. Dies betreffe vor allem die konventionellen Banken, insbesondere aber auch Pensionsfonds, bei welchen so gut wie keine Nachhaltigkeitsregeln zum Tragen kämen. Gegenüber den Verbraucher*innen herrsche daher eine große Intransparenz, insbesondere seit die vorvertragliche Informationspflicht bei der privaten Altersvorsorge abgeschafft wurde.

Markus Kurth stimmte zu, dass Selbstregulierung in der Finanzbranche nicht funktioniere, da diese lediglich an Gewinnen interessiert sei. Zudem wies er darauf hin, dass von Seite der Finanzdienstleister mit großem Widerstand zu rechnen sei, sollte die Politik gesetzliche Vorschriften für einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld in Kraft setzen. Dieser Widerstand sollte aber laut Thomas Küchenmeister nicht davon abhalten, auf solche Gesetze hinzuarbeiten: „Das Argument ist eindeutig auf unserer Seite“, denn Staaten sind völkerrechtlich dazu verpflichtet, die Menschenrechte zu wahren. Das sollte sich dementsprechend auch in Finanzfragen widerspiegeln.

Was können die Verbraucher*innen nun tun, um einen verantwortungsvollen Umgang mit dem von ihnen angelegten Geld sicherzustellen? Markus Feck riet dazu, sich zunächst einmal über das Problem klar zu werden. Denn viele wüssten nach wie vor nicht, dass die eigenen angelegten Gelder oder die Altersvorsorge für Menschenrechtsverstöße und Klimazerstörung  verwendet werden könnten. Um dann eine ethisch-ökologische Geldanlage zu finden, sei eine Beratung beispielsweise bei der Verbraucherzentrale für Anleger*innen sinnvoll, da diese auch Nachhaltigkeitskriterien berücksichtige. Auch Stefan Möller von der GLS Bank stimmte zu, dass es für Verbraucher*innen schwierig sei, nachhaltige und ethisch-ökologische Anlagemöglichkeiten zu finden – sie müssten schon direkt danach suchen.

Zum Abschluss der Diskussion war erkennbar, dass vor allem zwei Akteure am Zug sind, um einen ethisch-ökologischen Umgang mit Geld zu erreichen: Zunächst einmal seien die Staaten in der Pflicht, Mindeststandards für Investitionen bei Finanzdienstleistern durchzusetzen und vor allem nur solche Investments staatlich zu fördern, die diese Mindeststandards auch einhielten. Thomas Küchenmeister wies auch hier noch einmal darauf hin, dass Investments in kontroverse Unternehmen militärische Konflikte und Klimaveränderungen bewirkten und somit Fluchtursachen Vorschub leisteten.

Neben staatlichen Akteuren sei aber auch jede*r Einzelne in der Verantwortung, kritisch nachzufragen: „Was passiert mit meinem Geld?“. Die Verbraucher*innen sollten ebenso wie bei Kleidung oder Ernährung ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass sie mit ihren Geldanlagen Gestaltungsspielraum in Sachen Nachhaltigkeit besitzen. Hierfür sollten dann (unabhängige) Beratungsangebote wahrgenommen werden.

Wir bedanken uns bei allen Besucher*innen der Fair Friends Messe in Dortmund für das vorgebrachte Interesse sowie die spannenden Gespräche, und bei den Teilnehmern der Podiumsdiskussion für die aufschlussreiche Debatte!