Stimmen deutscher NROs zur Hauptversammlung der Deutschen Bank

Die NRO Attac prangert Geschäfte der Deutschen Bank in Steueroasen vor der Hauptversammlung der Deutschen Bank an.

Anlässlich der Hauptversammlung der Deutschen Bank versammelten sich vergangenen Donnerstag wie jedes Jahr zahlreiche Nichtregierunsgorganisationen (NRO), um auf den ausbleibenden Kulturwandel der Deutschen Bank hinzuweisen und die Aktionäre der Bank über diverse Kritikpunkte aufzuklären. Am Nachmittag konfrontierten sie den Vorstand und Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank direkt mit ihren Anliegen und Forderungen.

Thomas Küchenmeister von Facing Finance wies auf die Finanzbeziehungen der Deutschen Bank zu Rohstoffunternehmen wie dem Schweizer Bergbaukonzern Glencore hin, dem in Südamerika in zahlreichen Fällen eine Beteiligung an Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen wird. Trotz dem Bekenntnis zu den UN Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, hat sich die Deutsche Bank mit fast EUR 1,2 Milliarden an der Finanzierung fragwürdiger Aktivitäten von Glencore beteiligt.

Aktivistinnen und Aktivisten des Attac-Netzwerkes prangerten die Geschäfte der Deutschen Bank in Steueroasen an, indem sie mit großen Geldscheinen hungrige Briefkästen fütterten. Sprecher Tim Büttner verweist auf die 500 Niederlassungen der Deutschen Bank in Steueroasen und wie diese dazu genutzt werden, um Kunden bei der Steuerhinterziehung und Geldwäsche zu unterstützen. Doch nicht nur Kunden biete die Deutsche Bank eine Infrastruktur für illegitime Finanzströme. Das größte deutsche Finanzinstitut verschiebe laut Attac auch selbst Gewinne. In Luxemburg wies die Deutsche Bank einen Gewinn von EUR 1,2 Milliarden im Jahr 2015 aus – trotz weltweiter Verluste von mehr als EUR 6 Milliarden.

Vertreter der NRO campact! forderten von der Deutschen Bank, Investitionen in die Firmen Noble Group und Pacific Finance/Indofood zu stoppen. Deren Tochterfirmen betreiben Palmölplantagen in Indonesien, die einen der artenreichsten Regenwälder der Welt zerstören, dabei große Mengen an CO2 freisetzen und für Menschenrechtsverletzungen lokaler Gemeinden verantwortlich gemacht werden. Mit einem als Orang-Utan verkleideten Aktivisten und Sprechchören wie „Kein Geld für Regenwaldzerstörung“ wies campact! auf die Zerstörung dieses sensiblen Lebensraums hin.

Auch die Initiative der Ordensleute für den Frieden appellierte vor der Hauptversammlung an die Aktionäre der Deutschen Bank. Mit dem Zitat „Diese Wirtschaft tötet“ von Papst Franziskus ermahnten sie die Kleinaktionäre, ihre Geldanlagen zu hinterfragen und nicht in kriminelle Machenschaften zu investieren.

Die Deutsche Bank antwortete auf die auf der Hauptversammlung gestellten Fragen der NROs nur kurz. Im Fall von Facing Finance gab die Deutsche Bank an, dass Menschenrechte nicht verhandelbar seien und das Gespräch mit Glencore gesucht werde. Nachdem die Deutsche Bank am Tag zuvor noch den Dialog mit Betroffenen aus Lateinamerika scheute, bot sie einen Termin in einigen Wochen an, der jedoch nur telefonisch und über mehrere Ländergrenzen hinweg durch Hinzunahme von Dolmetschern stattfinden kann.

Auf die Fragen von campact! antwortete das Finanzinstitut ähnlich. Man sei sich über den Sachverhalt bewusst, dass Rodungen das Klima beeinflussen, weswegen die Deutsche Bank auf eine Zertifizierung ihre Kunden nach den Kriterien des Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) achte. Zudem würden die eigenen Richtlinien regelmäßig überprüft. Zu laufenden Kundenbeziehungen zu den betreffenden Unternehmen wollte die Deutsche Bank jedoch keine Angaben machen.

Die Geschäftsbeziehung der Deutschen Bank zu der unter Korruptionsverdacht stehenden brasilianischen Firma Odebrecht im Zusammenhang mit dem Bau zweier Kohlekraftwerke in Punta Calina in der Dominikanischen Republik, kommentierte die Deutsche Bank ebenso nicht. Anstelle dessen ließ man die NRO Urgewald wissen, dass die Bankenrichtlinien zu Kohle regelmäßig überprüft werden. Das Kreditengagement in der Branche Öl & Gas beträgt laut der Deutschen Bank zudem ca. EUR 8 Milliarden.

Kulturwandel geht anders!

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