Presseerklärung: Facing Finance: Rheinmetall „sell“

Berlin (4.5.2017) – Während viele Banken vor dem Hintergrund steigender bzw. geforderter Nachfrage nach Rüstungsgütern die Rheinmetall Aktie zum Kauf empfehlen, fordert die Nichtregierungsorganisation Facing Finance Investoren und Aktiensparer dazu auf, sich von Rheinmetall Aktien zu trennen und dem Unternehmen auch keine Kredite mehr zu gewähren.

Begründung: Das Friedensforschungsinstitut SIPRI führt Rheinmetall mittlerweile auf Platz 30 der weltweit größten Waffenhersteller. Wie im Vorjahr hat auch 2016 der militärische Umsatz nach Angaben des Unternehmens zugelegt. Es wurden in 2016 Rüstungsgüter im Wert von 2.946 Mio EUR umgesetzt, was einem zweistelligen Zuwachs von 14% entspricht (2015: 2.591 Mio EUR).

Dabei betreibt Rheinmetall häufig Kooperationsprojekte in Staaten, in denen autokratische Regierungen exportfreundliche Rahmenbedingungen garantieren und/oder Menschenrechte nicht ausreichend respektieren. Beispiele für solche Länder sind Saudi-Arabien (Artilleriemunition), Algerien (Radpanzer), Südafrika (Waffensysteme und Artilleriemunition) oder die Türkei (Waffensysteme und Munition).

Das gerade bekannt gewordene Vorhaben über ein Joint Venture mit Partnern in der autokratisch regierten Türkei und fernab von deutschen Kontrolleuren Munition und Kampfpanzer zu bauen, passt da ins Bild. “Bereits jetzt setzt das türkische Militär Panzer gegen kurdische Minderheiten und die protestierende Zivilbevölkerung ein. Ein Vorgehen, das vermuten lässt, wofür Rheinmetalls Waffen in der Zukunft genutzt werden”, kritisiert Thomas Küchenmeister, geschäftsführender Vorstand von Facing Finance.

Seit 2016 bereits betreibt Rheinmetall Denel Munitions zusammen mit der staatlichen Military Industries Corporation eine neue, 240 Millionen Dollar teure Munitionsfabrik in Saudi-Arabien. Es sollen unter anderem Artilleriemunition und Bomben vom Band laufen. Außerdem verhandelt Rheinmetall gegenwärtig auch mit indischen Rüstungsfirmen über eine Kooperation im Munitionsbereich.

Banken und Investoren wie die Schweizer UBS oder die NordLB zeigen sich angesichts der blendenden Rüstungsgeschäfte erfreut und empfehlen die Rheinmetall Aktie zum Kauf. Das Anlegermagazin “Der Aktionär” spricht sogar von einer schönen Aktie und einem schönen Trend – nur moralisch sei die ganze Sache bedenklich.

In der Tat: Stell Dir vor, es ist Krieg und du verdienst daran…! Auch so könnte die Überschrift des jährlichen Rheinmetall Geschäftsberichtes an die Aktionäre lauten. Doch diese zeigen sich unbeeindruckt.

Viele deutsche Banken (u.a. Bayrische Landesbank, Norddeutsche Landesbank, Commerzbank, Deutsche Bank und Stadtsparkasse Düsseldorf) gehören zu den Rheinmetall Kreditgebern. Auch sind sehr viele Fonds in die Rheinmetall-Aktie investiert, z.B. die Fonds der DeKa Investment GmbH, die häufig an die Kunden deutscher Sparkassen verkauft werden. Größter Rheinmetall-Aktionär und damit größter Rheinmetall-Profiteur ist die BlackRock Inc., sie hält 4,93 Prozent, gefolgt von der Deka Investment GmbH mit 3,44 Prozent. Die Deutsche Bank Tochter DWS liegt mit gut 1,3 Mio. Aktien bzw. 3,03 Prozent der Stimmrechte auf Platz 4.

Man darf gespannt sein, ob und wie sich die Rheinmetall-Anteilseigner und Kreditgeber auf der Hauptversammlung am 9. Mai zu der intensiven Zusammenarbeit mit autokratischen und antidemokratischen Regimen äußern und ob sie ihre Geschäftsbeziehungen zu Rheinmetall hinterfragen oder gar einstellen.

Facing Finance empfiehlt: „SELL“

 

Ansprechpartner:

Thomas Küchenmeister
Geschäftsführender Vorstand Facing Finance
+49 0175 4964 082
kuechenmeister@facing-finance.org

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