Gold-und Kupfermine Mount Polley erhält nach Dammbruch Genehmigung, behandeltes Abwasser in den Quesnel Lake zu leiten

Proteste gegen Imperial Metals und die Wiedereröffnung von Mount Polley, Quelle: Flickr: Shutdown Mount Polley Mine, Autor: Jeremy Board | Bild: Jeremy Board [CC BY 2.0] - Flickr

Der Dammbruch des Auffangbeckens der Gold- und Kupfermine Mount Polley am 4. August 2014 im kanadischen British Colombia gilt als eine der schwersten Umweltkatastrophen im Bergbau. Aus dem 4 km2 großen Abwassersee strömten ca. 4,5 Millionen m3 giftige Schlämme und 10 Millionen m3 unbehandeltes Abwasser in die Umgebung. Die Ufer des in der Nähe gelegenen Flusses Hazeltine Creek wurden durch die plötzliche Wasser– und Abraummasse sowie durch die mitgerissene Vegetation weitgehend abgetragen. Aus dem vormals nicht einmal 2m breiten Fluss wurde ein 50m breiter Giftstrom. Der Wasserspiegel des Polley Lake stieg um 1,5m an und der Quesnel Lake, zuvor noch als sauberster Tiefwassersee der Welt bekannt, verwandelte sich monatelang in eine Giftbrühe.1234 Anfang April 2017, 3 Jahre nach dem Mount Polley Disaster, hat die kanadische Regierung nun einen regionalen Entwässerungsplan vorgestellt. Dieser erlaubt dem kanadischen Bergbauunternehmen Imperial Metals, behandeltes Abwasser aus der Mine in den Quesnel Lake abzuleiten.5

Die Ableitung des behandelten Abwassers in den Quesnel Lake stößt auf lokalen Wiederstand.67 Die kanadische Regierung betont, dass die Einwohner im Genehmigungsprozess eingebunden wurden und weist darauf hin, dass Mount Polley für die Einwohner eine wirtschaftliche Notwendigkeit darstellt. Einheimische beklagen dahingegen zwar informiert worden zu sein, fühlen sich jedoch aufgrund fehlenden Mitspracherechts übergangen. Tatsächlich wurde der regionale Entwässerungsplan sowohl von den First Nations, als auch ansässigen Gemeinden abgelehnt. Lokale First Nations sammelten 250 Unterschriften gegen den Entwässerungsplan.6 Die Initiative Concerned Citizens of Quesnel Lake (CCQL), die sich für strengere Abwasserreinheitsstandards einsetzt, sprach sich ebenso gegen den Entwässerungsplan aus. „Wir stimmen dem Plan nicht zu. Wir trinken das Wasser. Wir schwimmen darin. Wir fischen darin.“, sagt etwa Christine McLean von CCQL.7 Die lokale Bevölkerung beklagt eine Machtlosigkeit gegen den Konzernriesen Imperial Metals angesichts seines Einflusses auf lokale Regierungsvertreter. Seit 2005 unterstützte der Konzern die amtierende liberale Provinzregierung von British Columbia mit großzügigen Parteispenden in Höhe von über 130.000 €.8

Als Imperial Metals in den 90ern die Genehmigung für den Betrieb der Gold- und Kupfermine erhielt, umschloss dies nicht das Ableiten von Abwässern in den Quesnel Lake. Einheimische fühlen sich aufgrund des Entwässerungsplans nun erneut umgangen. Nikki Skuce, Projektleiterin der lokalen Initiative Northern Confluence, beklagt etwa, dass die ursprüngliche Verschmutzung noch immer nicht beseitigt ist und dies dem See auch anzusehen ist. Zudem gibt es Bedenken, dass der Entwässerungsplan zu einer weiteren Verschmutzung des Sees führt.6

Der ursprüngliche Dammbruch in 2014 wird von Experten auf Konstruktionsfehler zurückgeführt, die im Genehmigungsverfahren unbemerkt blieben. Demnach kam ein unabhängiger Untersuchungsausschuss im Januar 2015 zu dem Schluss, dass der Damm zu hoch und steil konstruiert wurde und deshalb der Untergrund nachgab. Hinzu kam eine Reihe weiterer Probleme, wie eine zu hohe Wassermenge im Becken, vereinzelte Anhebungen des Damms, Erosionen in den Wänden und fehlende Sensoren, die Prüfern entgangen sind oder schlicht nicht behoben wurden.9

Nicht einmal ein Jahr nach dem Unglück wurde Imperial Metals bereits eine eingeschränkte Wiederaufnahme der Mine erlaubt, seit Juni 2016 darf sie wieder vollständig operieren.10 Bisher im Zusammenhang mit dem Dammbruch angefallene Reinigungskosten in Höhe von mehr als 44 Mio. € wurden steuerlich günstig als Betriebskosten abgeschrieben, Geldstrafen oder andere strafrechtliche Konsequenzen seitens der Regierung wurden nicht erhoben.5811 Stattdessen hat die Staatsanwaltschaft eine Aussetzung des Verfahrens gegen die Mount Polley Mining Corporation, der Tochter von Imperial Metals, sowie gegen die Provinzregierung von British Columbia angekündigt.1211 Da Imperial Metals für die Umweltverschmutzung keinerlei Strafen zahlen muss und ein strafrechtliches Verfahren durch die kanadische Provinzregierung verhindert wurde, müssen kanadische Steuerzahler nun selbst mit knapp 27 Millionen € für einen Teil der Reinigungskosten einstehen.8

Neben Imperial Metals, dem Betreiber von Mount Polley, steht daher zunehmend auch die kanadische Regierung wegen schwerwiegender Versäumnisse in der Kritik. Zum einen wurden unter Premier Gordon Campbell Inspektionen zu Sicherheitsbestimmungen und Umweltauflagen massiv gestrichen. So fand zwar eine offizielle Kontrolle kurz vor dem Unglück statt, jedoch nicht in den beiden Jahren zuvor.43 Zum anderen versäumte es die Regierung eine Abwassergenehmigung bereitzustellen, obwohl Imperial Metals bereits im Jahr 2006 eine Genehmigung wegen der steigenden Füllmenge des Auffangbeckens beantragte. Es dauerte sechs Jahre, bis die kanadische Regierung diese ausstellte, während das toxische Abwasser im Becken kontinuierlich anstieg. Die schließlich im Jahr 2012 ausgestellte Genehmigung zur Ableitung des Abwassers in den Quesnel Lake galt – wie auch der Dammbruch deutlich beweist – als unzureichend. Deswegen beantragte Imperial Metals eine erneute Genehmigung, um ein höheres Volumen an behandeltem Abwasser in den Quesnel Lake zu leiten. Diese stand zur Zeit des Unglücks noch aus.513 Das Ausmaß der Katastrophe ist demnach auch auf Versäumnisse seitens der kanadischen Regierung zurückzuführen.

Facing Finance unterstützt die Petition Sum Of Us – Fighting for People over Profits an den Premier Justin Trudeau, Justizministerin Jody Wilson-Raybould und Minister für Fischerei und Ozeane Dominic Leblanc, um Imperial Metals für die Umweltschäden der Bergbaukatastrophe zu Wasser und zu Land zur Verantwortung zu ziehen.14 Diese wurde unter anderem von Mining Watch ins Leben gerufen und bisher von 34.264 Personen unterschrieben.11

 


  1. http://www.schattenblick.de/infopool/umwelt/internat/uika0124.html []
  2. http://www.schattenblick.de/infopool/umwelt/redakt/umre-160.html []
  3. http://www.bears-and-more.de/kurzmeldungen/2014-08-19.html [] []
  4. https://en.wikipedia.org/wiki/Mount_Polley_mine_disaster [] []
  5. http://www.mining.com/mount-polley-permitted-pipe-treated-wastewater-quesnel-lake/?utm_source=digest-en-mining-170423&utm_medium=email&utm_campaign=digest [] [] []
  6. https://www.desmog.ca/2017/04/17/b-c-quietly-grants-mount-polley-mine-permit-pipe-mine-waste-directly-quesnel-lake [] [] []
  7. http://miningwatch.ca/news/2017/4/19/approval-mount-polley-mine-waste-dumping-irks-critics [] []
  8. https://thetyee.ca/News/2017/03/31/Who-Pays-for-Mount-Polley-Spill/ [] [] []
  9. http://miningwatch.ca/sites/default/files/mount_polley_briefing_dangerous_dams-2015_04.pdf []
  10. http://www.myprincegeorgenow.com/32472/green-light-mount-polley-full-restart/ []
  11. https://www.desmog.ca/2017/03/28/british-columbians-saddled-40-million-clean-bill-imperial-metals-escapes-criminal-charges [] [] []
  12. http://www.mining.com/crown-attempts-to-stay-miningwatch-canadas-charges-against-mount-polley/ []
  13. http://www.mining.com/web/mount-polley-mine-disaster-followed-years-of-permit-delays-report/ []
  14. https://actions.sumofus.org/a/pm-trudeau-don-t-let-imperial-metals-off-the-hook-for-the-mt-polley-mining-disaster []