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Update: Shell wissentlicher Korruption in Nigeria überführt

Wie bereits im Februar dieses Jahres von Facing Finance berichtet, hat die nigerianische Anti-Korruptionsbehörde EFCC (Economic Financial Crimes Commission) den beiden Öl-Giganten Royal Dutch Shell und Eni die Lizenz OPL (Oil Prospecting License) 245 für ein Ölfeld mit einem geschätzten Vorkommen von mehr als 9 Milliarden Barrel Rohöl im Wert von mehr als einer Billion US Dollar entzogen.1

Shell und Eni hatten die Lizenz 2011 für 1,1 Milliarden US Dollar von der Firma „Malabu Oil and Gas“ erworben. Die Firma gehört dem ehemaligen Öl-Minister Dan Etete. Dieser übertrug die Rechte an dem Ölfeld 1998 seiner eigenen Firma Malabu. Shell und Eni geben an, sie seien davon ausgegangen nur mit der nigerianischen Regierung Geschäfte gemacht zu machen. Die NGO Global Witness konnte aber bereits Ende Januar dieses Jahres beweisen, dass Shell und Eni das Geld mit Hilfe der JP Morgan Chase Bank wissentlich an Malabu transferierten.2 Im April haben Global Witness und Finance Uncovered nun weitere Beweise vorgelegt. Demnach belegen interne Emails von Shell, dass leitende Angestellte des Konzerns wussten, dass der Betrag von 1,1 Milliarden US Dollar für die Lizenz nicht dem nigerianischen Staat zu Gute kam, sondern in die Taschen korrupter Politiker und Privatpersonen wie dem Ex-Ölminister Dan Etete in die Taschen floss.3 Der Fall könnte für Shell zudem noch zu weiteren Unannehmlichkeiten führen, da die Ölreserven aus Nigeria schon gegenüber Investoren als Vermögenswert angegeben wurden.

Im Rahmen der Finanzmarktreform in den USA (Dodd-Frank Financial Reform und Consumer Protection Act) wurde 2010 eine Regelung eingeführt, die Öl- und Bergbauunternehmen, die an US-amerikanischen Börsen gehandelt werden, verpflichtet ihre Zahlungen offenzulegen. Sie trat erst 2016 in Kraft. Diese Regelung hätte den Deal von Shell und Eni in Nigeria wohl verhindert. Allerdings soll dieser Tage unter dem neuen Präsidenten Trump diese fortschrittliche Regelung wieder aufgehoben werden, das Repräsentantenhaus hat dem schon zugestimmt.4 Der Senat wird in den kommenden Tagen entscheiden. Erinnert sei an dieser Stelle daran, dass der neue US-Außenminister Rex Tillerson der ehemalige CEO eines anderen Öl-Multis ist: ExxonMobil. Fast unnötig zu erwähnen, dass diese Entscheidung vom American Petroleum Institute (API) gewünscht ist, und dass ExxonMobil eines der wichtigsten Mitglieder dieser Lobby-Organisation ist.

Die Aufkündigung des Kapitals „CardinLugar“ im Dodd-Frank-Act ist besorgniserregend, da fehlende Transparenz die Kontrolle nachhaltigen und gesetzeskonformen Handelns von Unternehmen deutlich erschwert – und Korruption Tür und Tor öffnet. Deren Folge trägt ein Staat wie Nigeria längst nicht mehr allein: während dort ganze Landstriche von Hungersnot bedroht sind, entwickelt sich die Terrormiliz Boko Haram zu einer immer größer werdenden Gefahr, auch für andere Länder.

Banken und andere institutionelle Investoren, die es ernst meinen mit Klimaschutz und Anti-Korruptionsmaßnahmen, dürfen die von Trump aufgeweichten Standards nicht zum Anlass nehmen, Shell, Eni, ExxonMobil und Co. als sprudelnde Geldquelle anzusehen, sondern müssen eigene strenge Richtlinien für ihre Investitionen anwenden.


  1. Bloomberg: Nigeria Tells Shell, Eni to Temporarily Cede Oil Field Control, 27.01.2017 https://www.bloomberg.com/news/articles/2017-01-27/nigeria-tells-shell-eni-to-temporarily-cede-oil-field-control []
  2. Global Witness: Nigerian authorities seize billion dollar oil block from Shell and ENI following corruption probe, showing why US transparency law must be protected, 26.01.2017: https://www.globalwitness.org/en/press-releases/historic-nigerian-court-order-against-shell-and-eni-after-billion-dollar-corruption-probe-shows-exactly-why-us-transparency-law-must-be-protected/ []
  3. Global Witness: Shell knew, 13.04.2017: https://www.globalwitness.org/en/campaigns/oil-gas-and-mining/shell-knew/ []
  4. The Atlantic: The House Kills an Anti-Corruption Measure, 1 Februar 2017 https://www.theatlantic.com/international/archive/2017/02/exxon-mobil-tillerson-state-corruption-russia-sec/515244/ []