Hohe Gewinne trotz nachhaltiger Investmentregeln – Norwegischer Pensionsfonds erreicht für das Jahr 2016 eine Rendite von 6,9%

Der Norwegische Pensionsfond (NPF) verwaltet ein Vermögen von mehr als 840 Milliarden Euro und ist somit der größte staatliche Pensionsfond der Welt. Das Geld stammt größtenteils aus den Öleinnahmen Norwegens und hat das Ziel, Pensionen auch für zukünftige Generationen zu sichern und Ölpreis-Schwankungen auszugleichen.

Der NPF verfügt über eine Ethikkommision, die Investments des Fonds in Unternehmen nach internen Richtlinien und in Anlehnung an die OECD Principles of Corporate Governance, die UN Guiding Principles on Business and Human Rights sowie den UN Global Compact prüft und gegebenenfalls ausschließt. So hat der Fonds bereits Unternehmen aus dem eigenen Portfolio ausgeschlossen, die gegen Menschenrechte verstoßen, bestimmte völkerrechtswidrige Waffen herstellen oder Tabak produzieren. Seit 2016 werden auch Unternehmen, deren Unternehmenstätigkeit zu mehr als 30% auf der Kohleförderung basiert, vom Portfolio ausgeschlossen.

In 2016 waren 64 Unternehmen von einem Ausschluss durch die Ethikkomission des Fonds betroffen. Interne Untersuchungen haben ergeben, dass die Gesamtrendite höher ausgefallen wäre, wenn die Vermögenswerte weiterhin in Aktien von Waffen- und Tabakherstellern investiert worden wären. Der Ausschluss der Kohleförderer hatte jedoch einen gegensätzlichen Effekt und führte sogar zu einem Gewinnzuwachs.

Ist der Ausstieg aus Investments in die Kohleindustrie ein guter erster Schritt, so müsste sich ein Rückzug aus Öl- und Gasgeschäften anschließen, um ein konsequentes Zeichen für den Klimaschutz zu setzen. Unternehmen aus Öl- und Gasindustrie machen nur 6,4% des Marktwertes des NPF aus, verantworten aber fast die Hälfte der gesamten CO2-Emission des Fonds. Die norwegische NGO Future in our Hands hat kürzlich einen Bericht vorgelegt, der Empfehlungen für weitere Desinvestitionen sowie Ausschlüsse für den NPF beschreibt. Im Januar 2016 führte der NPF die neue Investmentrichtlinie ‘Climate Criterion’ ein. Future in our Hands empfiehlt, speziell Unternehmen mit sehr hoher CO2-Emission aus dem Fonds auszuschließen, um diesem neuen Kriterium gerecht zu werden. Dies betrifft hauptsächlich Unternehmen aus den Sektoren Öl und Gas, wie beispielsweise ExxonMobil, Eni Spa, BP, Petrobras and Total. Zudem werden Unternehmen für einen Ausschluss empfohlen, die intensive Lobbyarbeit gegen Regularien und Gesetze zum Umwelt- und Klimaschutz betreiben bzw. unterstützen.1

Für den Manager des Fonds, Yngve Slyngstad, spielen beim Entscheidungsprozess über das Fonds-Portfolio neben der reinen Finanzperformance auch Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Menschenrechte eine Rolle. Auch deshalb fördert der NPF wissenschaftliche Projekte, um neue Wege nachhaltigen Wirtschaftens aufzuzeigen und zu fördern. Außerdem wird das Stimmrecht auf Hauptversammlungen aktiv wahrgenommen, um die Themen Nachhaltigkeit und Ethik stärker in den Unternehmen zu verankern. Zudem erhielten alle Unternehmen, in die der Fonds 2016 investiert war, einen Forderungskatalog mit Richtlinien für eine Unternehmenstätigkeit in Einklang mit den universellen Menschenrechten.

Zusätzlich ermittelte der Fonds in 2016 zum dritten Mal seinen „ökologischen Fußabdruck“, gemessen als direkte und indirekte CO2-Emission aller Unternehmen und basierend auf dem Anteil des Fonds am jeweiligen Unternehmen. Demnach emittierten die 2016 im Fonds enthaltenen Unternehmen 96 Millionen Tonnen.2

Trotz der nachhaltigen Orientierung und des Ausschlusses bestimmter Unternehmen, verbleiben noch diverse kritische Unternehmen im Portfolio des Fonds (z.B. Nestlé, Blackrock, Royal Dutch Shell, HSBC). Ein elementarer Teil der Rendite von 6,9% resultiert zudem aus den Bereichen Raumfahrt und Rüstung, Öl- und Gasförderung sowie Rohstoff- und Mineralienförderung und -handel. Konsequente Ausschlusskriterien für Unternehmen, deren Aktivitäten gegen Menschenrechte verstoßen oder Umweltschutz missachten, sind deshalb unabdingbar für nachhaltig und ethisch orientierte Finanzgeschäfte. Es ist absolut überfällig, dass auch deutsche Finanzinstitute Ausschlusskriterien in einem transparenten Dialog mit ihren Kunden entwickeln. Auch von staatlicher Seite wären hier deutlichere Richtlinien zum Schutz von Mensch und Umwelt gerade bei internationalen Investments wünschenswert. Dies gilt auch und besonders für die private Altersvorsorge (z.B. Riesterrente), die immer noch staatlich bezuschusst wird, ohne dass dies an ethische bzw. ökologische Mindeststandards geknüpft wird. Auch VerbraucherInnen sind hier in der Pflicht, Transparenz und ethische Investments vehement bei ihren Banken und Versicherungen einzufordern.

Hier können Sie sich über die soziale und ökologische Ausrichtung der Richtlinien deutscher Banken informieren:

www.fairfinanceguide.de

Hier können Sie konkrete Rieste-Produkte auf Nachhaltigkeit und ethische Mindeststandards überprüfen:

www.faire-rente.de

Den gesamten Jahresbericht der NPF sowie die Anlagen Responsible Investment sowie Return and Risk finden Sie hier:

https://www.nbim.no/en/transparency/reports/2016/annual-report-2016/

https://www.nbim.no/en/transparency/reports/2016/responsible-investment-2016/

https://www.nbim.no/en/transparency/reports/2016/return-and-risk-2016/


  1. Future in our Hands – Climate Offenders in the Norwegian Government Pension Fund Global: https://www.framtiden.no/english/recommends-exclusion-of-exxonmobil.html []
  2. Norwegischer Pensionsfonds Jahresbericht 2016: https://www.nbim.no/en/transparency/reports/2016/annual-report-2016/

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