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Manipulieren Samsung, LG & Co. Stromverbrauchswerte von TV-Geräten?

Untersuchungen der US-amerikanischen Umweltschutzorganisation NRDC (Natural Resources Defense Council) haben ergeben, dass der im Rahmen offizieller Energietests gemessene Stromverbrauch von Fernsehgeräten der Hersteller Samsung, LG und Vizio deutlich geringer ausfällt als im Alltagsbetrieb. Grund dafür seien Defizite im zur Überprüfung des Energieverbrauchs neuer TV-Geräte angewendeten offiziellen Testverfahren, deren herstellerseitige Ausnutzung den Geräten im Testbetrieb einen höhere Energieeffizienz attestiert als im alltäglichen Praxisbetrieb.1

Bereits im Oktober 2015, knapp eine Woche nach dem Abgasskandal um den Automobilhersteller Volkswagen (VW), bei dem eine in VW-Diesel-Pkw eingebaute Software eine Senkung der Schadstoffemissionen in den offiziellen Labortest bewirkte, berichtete die britische Tageszeitung The Guardian über Samsung’s angebliche Manipulationen beim Stromverbrauch seiner TV-Geräte.2 Unveröffentlichte Tests einer von der Europäischen Union geförderten Forschungsgruppe, auf die sich die Zeitung berief, wiesen eine deutliche Diskrepanz zwischen dem Energieverbrauch der Geräte im Test- und im Normalbetrieb nach. Verantwortlich hierfür zeichnete die sogenannte „Motion Lighting“-Funktion, durch deren initiiertes Herabsenken der Bildschirmhelligkeit im Rahmen des offiziellen Testverfahrens der gemessene Energieverbrauch überdurchschnittlich niedriger ausfiel als im realen Alltagsbetrieb. Dies erweckte den Verdacht, bei der Software handele es sich um eine Abschalteinrichtung, die die Laborbedingungen erkennen und daraufhin in den Energiesparmodus wechseln würde, um entsprechend bessere Testergebnisse zu erzielen. Samsung jedoch wies die Vorwürfe zurück mit der Aussage, die Funktion sei standardmäßig und nicht nur während des Testdurchlaufes in jedem Gerät aktiviert.

Einen stichhaltigen Beleg für den Einsatz solcher „defeat devices“ kann auch die aktuelle NRDC-Studie nicht liefern.3 Die Tatsache hingegen, dass die Energieeinsparungen unter Laborbedingungen deutlich höher sind als im realen Alltagsbetrieb, legt die Vermutung nahe, dass sich einige Hersteller die für Alltagsprogramme untypischen häufigen und schnellen Szenenwechsel, die den 10-minütigen standardisierten Testfilm kennzeichnen, zunutze machen. Mithilfe von Energiesparfunktionen wie dem o. g. „Motion Lighting“-Modus von Samsung, die die Hintergrundbeleuchtung des Bildschirms bei schnellen Bildwechseln reduzieren, sind die TV-Hersteller in der Lage, eine bessere Energieeffizienzwertung zu erhalten, die es ihnen ermöglicht, Wettbewerbsvorteile zu erlangen.1

Darüber hinaus konnte von NRDC nachgewiesen werden, dass eine vonseiten des Nutzers bzw. der Nutzerin vorgenommene Deaktivierung der Werkseinstellungen der getesteten TV-Geräte in z. T. drastische Energieverbrauchssteigerungen resultiert – jedoch ohne dass der/die Nutzer/in durch entsprechende Warnmeldungen auf dem Bildschirm darauf hingewiesen wird. Würden nur ein Drittel aller US-amerikanischen Besitzer von im Jahr 2015 und 2016 erworbenen Fernsehgeräten der Marken Samsung, LG und Vizio Änderungen in den Standardeinstellungen dieser Geräte vornehmen, z. B. mehr Kontrast oder Helligkeit, bedeutete dies Strommehrkosten von mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar über die nächsten 10 Jahre.1


  1. Natural Resources Defense Council, abgerufen am 26.09.2016 [] [] []
  2. The Guardian, abgerufen am 26.09.2016 []
  3. Süddeutsche, abgerufen am 26.09.2016 []