Pressemitteilung – Alter Wein in neuen Schläuchen!? Auch John Cryan steht noch nicht für einen glaubwürdigen Kulturwandel bei der Deutschen Bank

[:de]Protestaktion im Vorfeld der Deutschen Bank HV 2014[:] Bild: © n.v.

Berlin/Frankfurt – 17.5.2016 – Anlässlich der Hauptversammlung der Deutschen Bank am 19. Mai in Frankfurt/Main kritisiert die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Facing Finance, dass auch der neue Vorstandschef John Cryan den dringend benötigten Kulturwandel der Bank nicht glaubwürdig vorantreibt. Ein solcher Wandel muss der offensichtlich kriminellen Energie einiger MitarbeiterInnen und der Ignoranz gegenüber relevanten Umwelt- und Sozialrisiken diametral entgegenwirken, sonst ist er von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Zins-Manipulationen, tausende (zum Teil milliardenschwere) Rechtsstreitigkeiten, mangelnde Vorkehrungen gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung, intensive Unterstützung der Steuerflucht, milliardenschwere Kredite für den mittlerweile als „xenophoben Faschisten“ bezeichneten Donald Trump oder mangelnde Selbstverpflichtungen im Umgang mit relevanten Umwelt- und Sozialrisiken belasten Deutschlands größtes Geldhaus nach wie vor, auch unter seinem neuen Vorstandschef John Cryan.

„Auch John Cryan hat den Kulturwandel der Deutschen Bank nicht geschafft, noch nicht einmal in Ansätzen“, sagt Thomas Küchenmeister von Facing Finance und verweist auf die ständig neuen Skandale der Bank und auf deren fehlende Selbstverpflichtungen im Umgang mit relevanten Umwelt- und Sozialrisiken. Das von Facing Finance koordinierte Portal „Fair Finance Guide Deutschland“ hatte zuletzt erhebliche Defizite in Bezug auf soziale und ökologische Selbstverpflichtungen der Bank aufgedeckt. Die Deutsche Bank hat zwar den Ausstieg aus dem kontroversen „Mountain-Top Removal Mining“ angekündigt, gehört aber immer noch zu den größten Finanziers von Klimasündern im fossilen Energiebereich und trägt damit zu einem beschleunigten Klimawandel bei.

Auch die Ende 2015 erstmalig veröffentlichte Erklärung der Deutschen Bank zu Menschenrechten steht im Widerspruch zu diversen Finanzbeziehungen der Bank zur Pharmaindustrie und deren teils menschenverachtenden Medikamententests in Entwicklungsländern oder auch zu Waffenherstellern. Kunden aus diesen auch stark korruptionsanfälligen Skandalbranchen sind z.B. der Pharmariese Sanofi oder die Atomwaffenproduzenten BAE Systems und Airbus Group sowie der Streumunitionsproduzent ATK, die zum Teil Militärgüter an Regierungen liefern, welche fundamentale Menschenrechte missachten.

“Ein glaubwürdiger Kulturwandel kann letztlich nur erfolgreich sein, wenn bei Vorstand und Aufsichtsrat ein wirklicher Neuanfang gelingt“, sagt Küchenmeister. Sowohl Cryan als auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner hatten in der Vergangenheit die Strategie von Ex-Vorstand Anshu Jain, das Investmentbanking unverändert weiter zu betreiben, mitgetragen. Wohlwissend das es das Investmentbanking war, welches der Bank heute hohe Verluste und Strafzahlungen beschert.

Facing Finance kritisiert, dass Cryan grundsätzlich an der noch von Jain und Fitschen vorgestellten “Strategie 2020” festhalten und sich im Investmentbanking künftig stärker auf das „besonders profitable Geschäft konzentrieren“ will. „Unsere Erfahrung lehrt, dass besondere Profite in der Regel dort zu erwarten sind, wo es eben keine bzw. zu wenige Regeln im sozialen und ökologischen Bereich zu beachten gibt“, warnt Küchenmeister und beklagt, dass angemessene ökologische und soziale Selbstverpflichtungen keinen ausreichenden Platz in der Strategie 2020 zu haben scheinen.

Ob das von der Bank angekündigte neue „Environmental and Social Policy Framework“ tatsächlich zukünftig für mehr Transparenz sorgt und im Rahmen der Geschäftsentscheidungen der Deutschen Bank umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.

„Banken spielen eine zentrale Rolle bei der Transformation hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft, weshalb umfassende soziale und ökologische Kriterien ein unverzichtbarer Bestandteil ihrer Geschäftsmodelle sein müssen. Dieser Tatsache muss sich auch ein John Cryan stellen, soll ein glaubwürdiger Kulturwandel bei der Deutschen Bank gelingen“, fordert Küchenmeister.

Facing Finance wird vor Beginn der Hauptversammlung der Deutschen Bank am 19.5. in Frankfurt (Festhalle Messe) den Kontakt zu Aktionärinnen und Aktionären suchen und diese informieren.

Ansprechpartner (vor Ort):

Thomas Küchenmeister, Geschäftsführender Vorstand Facing Finance e.V., +49 (0)175 4964 082

Mehr Informationen unter www.facing-finance.org

 

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