Kinderarbeit für die Hosentasche

Rund um die Uhr haben wir elektronische Geräte um uns herum, sie begleiten uns am Tag und in der Nacht. Nur die wenigsten von uns wissen, was für Materialien darin stecken. Noch weniger ist bekannt, unter welchen katastrophalen Umständen die notwendigen Rohstoffe gefördert werden. Jetzt hat ein Bericht von Amnesty International und Afrewatch aufgezeigt, wie verheerend die Produktionsbedingungen bei der Gewinnung von Kobalt in der Demokratischen Republik Kongo sind.1

Laut dem Amnesty Bericht „THIS IS WHAT WE DIE FOR” leiden die Arbeiter nicht nur unter fatalen Arbeitsbedingungen und mangelnden Sicher- und Gesundheitsvorkehrungen. Etwa 20 % der Gesamtproduktion in der Demokratischen Republik Kongo kommt aus Minen im Süden des Landes, in denen teilweise ohne technologische Instrumente Kobalt gefördert wird, sprich mit bloßer Hand.

Wie die Nachforschungen von Amnesty ergaben, kommt auch Kinderarbeit zum Einsatz, manche Kinder sind erst 7 Jahre alt. Diese schuften häufig für einen Hungerlohn von 2 US Dollar 12-14 Stunden am Tag – teilweise neben bzw. nach der Schule und an den Wochenenden. Der Abbau von Kobalt scheint dabei keine Ausnahme zu sein. Laut einer Schätzung von UNICEF arbeiten etwa 40.000 Kinder in Minen in der Demokratischen Republik Kongo.

Die Bedingungen sind dabei menschenunwürdig und verursachen häufig langfristige Schäden bei den Arbeitenden. Da ihnen keine Schutzkleidung wie Handschuhe oder Atemmasken geboten wird, leiden viele der von Amnesty direkt befragten Arbeiter unter Atemwegerkrankungen. Auch die körperlichen Belastungen haben langfristige negative Folgen für die Minenarbeiter.

Kobalt, das elementar für die Herstellung von Akkus und Batterien u. a. für die Produktion von tragbaren Unterhaltungsmedien ist, wird mit über 50 % aus der Demokratischen Republik Kongo, einem der ärmsten Länder der Welt, importiert.2

Die Lieferkette von Kobalt ist sehr undurchsichtig. Aus diesem Grund wollen die großen Elektronikhersteller wie Apple oder Samsung nicht ausschließen, dass in ihren Produkten von Kinderhand gefördertes Kobalt enthalten ist. Amnesty fordert die großen Produzenten auf, ihre Produktionskette zu überprüfen und somit auszuschließen, dass sie Kobalt aus jenen mit Kinderarbeit in Verbindung gebrachten Minen beziehen.3

Bislang gelangt Kobalt aus den Minen im Süden der Demokratischen Republik Kongo über Zwischenhändler zu den großen Elektronikherstellern, häufig über die Congo Dongfang Mining, einem Tochterunternehmen der chinesischen Huayou Cobalt.4

Amnesty fordert in dem Bericht alle Unternehmen in der Produktionskette von Waren, die Kobalt enthalten, dazu auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen und dafür zu sorgen, dass Kinderarbeit nicht mehr in der Gewinnung von Kobalt zum Einsatz kommt. Laut Amnesty International gilt die Arbeit von Kindern in Minen zu den schwerwiegendsten Formen von Kinderarbeit.

[Das Foto zeigt Arbeiter von einer der rund 130.000 kleinformatigen Minen in der DRK beim Trennen des Kobalts von Sand und Gestein in einem See; 31.Mai 2015]


  1. hier zum Amnesty Bericht: http://www.spiegel.de/media/media-38359.pdf, 2016, aufgerufen am 20.01.2016 []
  2. http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-01/amnesty-international-bericht-smartphones-kinderarbeit-kongo, 19.01.2016, aufgerufen am 20.01.2016 []
  3. http://www.mining.com/apple-sony-samsung-linked-to-child-labour-claims-in-cobalt-mines/?utm_source=digest-en-mining-160119&utm_medium=email&utm_campaign=digest, 19.01.2016, aufgerufen am 20.01.2016 []
  4. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/apple-samsung-und-co-kinderarbeit-in-kobaltminen-im-kongo-a-1072704.html, 19.01.2016, aufgerufen am 20.01.2016 []
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