Commerzbank und Deutsche Bank im Visier der US-Behörden

Erst Anfang Juli 2014 wurde eine Rekordstrafe von knapp neun Milliarden Dollar gegenüber der BNP Paribas wegen Verstößen gegen US-Sanktionen verhängt. Nun wurde bekannt, dass auch gegen zwei deutsche Finanzinstitute ermittelt wird.

Laut Frankfurter Rundschau steht die zweitgrößte Bank Deutschlands kurz vor einer Millionenstrafe.1 Die Commerzbank soll über ihre US-Tochtergesellschaft im Zeitraum von 2002 bis 2007 Gelder für Unternehmen in Nordkorea, Myanmar, Kuba, Iran und Sudan transferiert haben. Länder, die sich auf der Sanktionsliste der Amerikaner befinden.2 Dass US-Behörden Untersuchungen gegen die Commerzbank durchführen, gab die Bank bereits in ihrem Geschäftsbericht 2013 bekannt. Der „New York Times“ zufolge müsse sie nun mit einer Strafe von mindestens 500 Millionen Dollar (368 Millionen Euro) rechnen.3

Auch der Deutschen Bank drohen Strafen auf Grund von Geschäftsbeziehungen mit dem Iran, Sudan und Syrien. Die Bank bestätigte, Nachfragen der US-Behörden zu diesen Bankgeschäften erhalten zu haben. Dem Sprecher zufolge kooperiere die Bank mit den amerikanischen Behörden.4

Offensichtlich ermitteln US-Behörden seit 2009 gegen zahlreiche Finanzinstitute, die gegen US-Sanktionen verstoßen haben sollen. Neben der Rekordstrafzahlung der BNP Paribas wurden die niederländische ING (629 Millionen Dollar), die britische Lloyds Bank (350 Millionen Dollar) sowie die Tochtergesellschaft der Deutschen Bank Clearstream (152 Millionen Dollar) bereits zu Bußgeldern herangezogen.3 Auch gegen die zwei französischen Banken Crédit Agricole SA und Société Générale SA sowie die italienische Bank UniCredit SpA laufen derzeit Ermittlungen wegen Verstößen gegen US-Embargos. Ihnen drohen ebenfalls Strafzahlungen.4

Update vom 09. September 2014: Laut einer Meldung des Nachrichtendienstes Thomson Reuters steht die Commerzbank kurz vor einer kostspieligen Einigung mit den ermittelnden US-Behörden wegen Verstoßes gegen US Sanktionen.5 Eine Strafzahlung von 650 Millionen US Dollar (rund 500 Millionen Euro) soll die Bank vor weiteren Ermittlungen bewahren. Die Behörden beschuldigen die Bank, u.a. Geschäfte mit der staatlichen iranischen Reederei IRISL getätigt zu haben, obwohl diese mit US Sanktionen6 belegt war. Es handele sich um Geschäfte aus dem Zeitraum von 2002 bis 2007. Nach Meinung der US Behörden habe die Commerzbank durch ihre Geschäfte die „Verbreitung mutmaßlicher Massenvernichtungswaffen unterstützt“, schreibt das Handelsblatt am 4. September 2014.7 Die Einstellung der Ermittlungen käme die Commerzbank teuer zu stehen. Insider hatten zunächst über eine mögliche Strafzahlung von 600 bis 800 Millionen Dollar spekuliert.8 Eine Zahlung von 650 Millionen Dollar soll das Ermittlungsverfahren nun vorzeitig beenden. Hiervon seien allein 300 Millionen Dollar als Zahlung an die New Yorker Bankenaufsicht vorgesehen. Bislang wurde die Einigung weder durch die Commerzbank noch durch die US Behörden bestätigt. Insidern zufolge sei eine Bekanntgabe der Einigung im Laufe des Septembers wahrscheinlich.


  1. Frankfurter Rundschau: Commerzbank droht Millionenstrafe. Verfügbar unter: http://www.fr-online.de/commerzbank/commerzbank-commerzbank-droht-millionenstrafe,1473666,27753088.html Zuletzt überprüft am 10.07.2014. []
  2. Frankfurter Allgemeine: Commerzbank droht 500-Millionen-Dollar-Strafe. Verfügbar unter: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/commerzbank-droht-500-millionen-dollar-strafe-13033645.html Zuletzt überprüft am 10.07.2014. []
  3. Frankfurter Rundschau: Commerzbank droht Millionenstrafe. Verfügbar unter: http://www.fr-online.de/commerzbank/commerzbank-commerzbank-droht-millionenstrafe,1473666,27753088.html Zuletzt überprüft am 10.07.2014. [] []
  4. Die Welt: Nach BNP geraten nun Commerzbank, UniCredit ins Visier der USA. Verfügbar unter: http://www.welt.de/newsticker/bloomberg/article129663980/Nach-BNP-geraten-nun-Commerzbank-UniCredit-ins-Visier-der-USA.html Zuletzt überprüft am 10.07.2014. [] []
  5. http://www.reuters.com/article/2014/09/03/us-commerzbank-investigation-usa-exclusi-idUSKBN0GY2LR20140903, abgerufen am 9.9.2014 []
  6. http://www.iranwatch.org/sanctions/united-nations, abgerufen am 9.9.2014 []
  7. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/sanktionsverstoesse-commerzbank-vor-teurer-einigung-mit-us-behoerden/10651280.html, abgerufen am 9.9.2014 []
  8. http://www.manager-magazin.de/unternehmen/banken/commerzbank-muss-bis-zu-800-millionen-dollar-strafe-zahlen-a-980248.html, abgerufen am 9.9.2014 []
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