Landraub und seine Ausmaße für die Ernährungssicherheit in den Entwicklungsländern

550 Millionen Menschen könnten von den Erträgen der für Exportzwecke von Industriestaaten erworbenen Ländereien in den Entwicklungsländern ernährt werden. Das besagte jetzt eine von IOPscience veröffentlichte Studie.1 Aktuell leben jedoch rund 827 Millionen Menschen in den Entwicklungsländern täglich mit den Konsequenzen der dortigen Ernährungsunsicherheit. Als Ernährungsunsicherheit wird der Zustand bezeichnet, in dem für die Menschen der physische, soziale und wirtschaftliche Zugang zu quantitativ und qualitativ angemessenen und sicheren Nahrungsmitteln nicht gewährleistet ist, und sie somit kein gesundes und aktives Leben führen können.2

Länder wie Äthiopien waren im letzten Jahrzehnt eine der vielen Anlaufstellen für den Kauf von Territorien, die durch die Benutzung modernster Technologien für den kommerziellen Export in die Industriestaaten um- und ausgebaut wurden. Die durch diese Staaten geleistete Finanzierung und Monokultivierung hat die ehemals veraltete Agrarwirtschaft vieler Entwicklungsländer technisch revolutioniert. Jedoch bleibt durch den fast vollständigen Export der Erträge ein Großteil der dortigen Bevölkerung (in Äthiopien zum Beispiel rund 25,7%) weiterhin unterernährt.3 Die Hauptexportziele äthiopischer Erzeugnisse sind unter anderem Saudi Arabien, Indien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Deutschland, wo die Produkte entweder konsumiert, oder zu zum Beispiel Biokraftstoff weiterverarbeitet werden. Acazis AG, eine deutsche Firma, die schon mehrfach des Landraubs bezichtigt wurde, gehören rund 56.000 ha äthiopisches Ackerland, auf dem Getreide für den heimischen Biodieselmarkt angebaut wird. Auch DWS GALOF, ein Fond, angeboten von der Deutschen Bank, kaufte sich in den vergangenen Jahren mehr als 57.000 ha Land in Afrika.4

Den Einwohnern vieler Entwicklungsländer wurden Millionen von Hektar enteignet und unter anderem auch für die Biokraftstoffindustrie neu kultiviert. Die von IOPscience veröffentlichte Studie stellt die These auf, dass 550 Millionen Menschen von ebendiesen neu kultivierten Bodenerträgen ernährt werden könnten. Eine Neuorientierung dieser landwirtschaftlichen Erzeugnisse an die jeweilige Bevölkerung der Entwicklungsländer würde somit zu einer Verminderung der allgemeinen Hungersnot führen. 

Auf der Grundlage dieser Studie und der Entwicklungsrichtung, die zum Beispiel die Biokraftstoffindustrie in dem letzten Jahrzehnt eingeschlagen hat, kann man nur mutmaßen, welchen Umfang die Ausbeutung der agrarischen Produkte in den ärmsten Regionen der Welt durch die Industriestaaten hat und warum gerade diese Länder es nicht schaffen, das Hindernis auf dem Weg in die Ernährungssicherheit zu überwinden.

Lesen Sie hier mehr zum Thema Landraub


  1. IOPscience: Food appropriation through large scale land acquisition. Verfügbar unter: http://iopscience.iop.org/1748-9326/9/6/064030/pdf/1748-9326_9_6_064030/pdf Zuletzt überprüft am 09.07.2014. []
  2. Welthungerhilfe: Ernährungssicherung. Verfügbar unter:     http://www.welthungerhilfe.de/ueber-uns/mediathek/mediathek/fachkonzept-ernaehrungssicherung.html?type=6663&tx_rsmmediathek_fe 1%5Baction%5D=singleDownload&cHash=5244160f70944654a9486b7310f960fd  Zuletzt überprüft am 09.07.2014 []
  3. Welthungerhilfe: Welt Hunger Index 2013. Verfügbar unter: http://www.welthungerhilfe.de/ueber-uns/mediathek/whh-artikel/welthunger-index-2013.html Zuletzt überprüft am 09.07.2014 []
  4. Profundo: German investment funds involved in landgrabbing. Verfügbar unter: www.profundo.nl/files/download/FIAN1011.pdf Zuletzt überprüft am 09.07.2014 []