Kohle aus Kolumbien: Über Umweltverschmutzungen und paramilitärische Gewaltverbrechen

Die Rolle Kolumbiens als weltweiter Kohleexporteur ist in den vergangenen 15 Jahren deutlich gewachsen. Neben Russland und den USA ist Kolumbien – als drittwichtigster Kohlelieferant – auch für Deutschland von immenser Bedeutung. Der wachsende Kohleverbrauch und die schrumpfende Förderung in Deutschland führten im vergangenen Jahrzehnt dazu, dass der Kohleimport aus Kolumbien verdoppelt wurde (mehr als acht Millionen Tonnen).1

Der US-amerikanische Kohleförderer Drummond und der Schweizer Konzern Glencore – und seine Tochterfirma Prodeco – betreiben die größten kolumbianischen Kohleminen im Departement César. Sie fördern jährlich fast 40 Millionen Tonnen Steinkohle und profitieren von der immer stärker zunehmenden Kohlenachfrage.2 Die verheerenden Folgen für die kolumbianische Bevölkerung, die der steigende Kohleabbau mit sich bringt, werden dabei allerdings ignoriert.

Seit einigen Jahren klagen Bauern und Anwohner der Minen über die enormen Belastungen, die im Zuge des Kohleabbaus entstehen. Die gefährlichen Staubwolken, welche aus Sprengungen der Steinkohle aus dem Boden resultieren, beeinträchtigen die Gesundheit der Anwohner. Eine Untersuchung im Jahr 2011 ergab hierzu, dass 50% der kolumbianischen Bevölkerung aufgrund der starken Emissionen unter Erkrankungen der Atemwege leiden.3

Auf einer Strecke von etwa 300 Kilometern werden täglich bis zu 160.000 Tonnen Kohle zwischen den Minen und der Karibikküste transportiert. Da die Waggons während der Beförderung nicht abgedeckt sind, zieht der Kohlestaub durch die gesamte Region. Verschmutzungen anliegender Flüsse und Felder sind die Folge. Selbst das Regenwasser ist tiefschwarz und kann weder als Trinkwasser, noch zur Bewässerung des Landes genutzt werden. Medienberichten zufolge wurde erst im April 2014 der Fluss Paraluz durch die Entgleisung eines Kohlewaggons der Firma Prodeco verschmutzt.1

Die letztliche Kohlelagerung an den Häfen ist allerdings nicht minder gefährlich für die Anwohner. Von dort weht der Kohlestaub ebenfalls tief ins Land hinein und belastet Mensch, Tier und Landwirtschaft. Darüber hinaus kommt es bei der Verladung der Kohlemassen wiederholt zu folgeschweren Verschmutzungen des Meeres. Durch die Verladepraxis, die bis zum Beginn des Jahres 2014 genehmigt war, gelangten vielfach große Mengen Kohle ins Meer.1 Besondere Aufmerksamkeit erhielt diesbezüglich die Verurteilung einiger Unternehmen des Konzerns Drummond. Sie wurden Ende des Jahres 2013 zu einer Geldstrafe von 6,965 Millionen Pesos (3,58 Millionen US-Dollar) wegen Verschmutzungen der Bucht von Santa Marta verurteilt. Dort gelangten im Januar 2012 Unmengen an Kohle von einem sinkenden Frachtschiff in die Bucht.4 Diese fortschreitende Zerstörung und Gefährdung des Meeresökosystems führt zu einem deutlichen Rückgang des Fischbestands, wodurch die Lebensrundlage vieler Fischer der Region zerstört wird.

Neben gesundheitlichen Belastungen und Umweltverschmutzungen ist nun ein neues Geheimnis der Kohleförderung in Kolumbien ans Licht gekommen. Mit dem Titel „The dark side of Coal“ – zu deutsch „Die dunkle Seite der Kohle“ – wurde am 25. Juni 2014 der Recherchebericht von Marianne Moor, Mitarbeiterin der niederländischen Organisation PAX, veröffentlicht. Gemeinsam mit den Nichtregierungsorganisationen urgewald und PowerShift sowie Rubén Morrón, einem kolumbianischen Gewerkschafter, präsentierte Marianne Moor die erstaunlichen Ergebnisse ihrer dreijährigen Recherche in Kolumbien. Der Bericht untersucht die Verstrickung der Rohstoffkonzerne Drummond und Glencore mit den paramilitärischen Gewaltverbrechen der Autodefensas Unidas de Colombia (AUC: United Self-Defence Forces of Colombia) in den Jahren 1996 bis 2006 in der kolumbianischen Bergbauregion César.5

Heffa Schücking zufolge soll der Bericht auf die prekäre Situation in der Region aufmerksam machen und verdeutliche zudem, wie viel „Bloody Coal“ in unseren (den europäischen) Kraftwerken landet.5 Denn etwa 70 Prozent der produzierten Kohle werde an europäische Energieversorger wie E.On, GDF Suez, Enel, RWE, Iberdrola und Vattenfall verkauft.6 Trotz der offenkundigen Missstände seien die deutschen Energiekonzerne RWE, E.On und Vattenfall nicht bereit, sich von den belasteten Kohlelieferanten zu trennen.5 Die Konzerne verweisen lediglich auf ihre Initiative „Better Coal“, die jedoch in den Augen von Kritikern als bloßes Greenwashing zu verstehen ist.7 „Was wir wirklich brauchen, ist ein Fahrplan für den Kohle-Ausstieg statt simples Greenwashing der Kohle“, fordert Sebastian Rötters, Kohleexperte von Powershift.5 Und dies nicht nur wegen der Gewaltverbrechen in Kolumbien, sondern aufgrund der Tatsache, dass RWE sowie E.On weltweit zu den 50 größten CO2-Emittenten zählen, wie eine Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC) im vergangenen Jahr ergab.8 Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft kritisiert zudem die massive Subventionierung des Abbaus und der Nutzung von Stein- sowie Braunkohle in Deutschland, obgleich der deutlichen Klimaschädlichkeit.9

Im Verlauf der vergangenen drei Jahre hat PAX eine Vielzahl an Zeugenaussagen von ehemaligen Kommandeuren der Paramilitärs, Opfern von Menschenrechtsverletzungen, Beschäftigten der Bergbauunternehmen und ihren Zulieferern aufgenommen und ausgewertet. Viele der Quellen konstatieren, dass Drummond sowie Prodeco, Tochterunternehmen von Glencore, jahrelang mit Paramilitärs kooperiert haben sollen.2 “Wir haben Aussagen von ehemaligen paramilitärischen Kommandanten der AUC, dass die Minenbetreiber Glencore und Drummond seit 1996 halfen, eine militärische Einheit aufzubauen. Sie begannen 1996 mit 40 bis 60 Männern. 2006 war diese Gruppe auf eine kleine Privatarmee mit 600 Soldaten angewachsen”, teilte Marianne Moor der Süddeutschen Zeitung mit.10

Neun verschiedenen Quellen zufolge soll Drummond der AUC gegenüber im Zeitraum von 1996 bis 2006 maßgebliche finanzielle Unterstützung geleistet haben. Dabei wechselten die Zahlungsmethoden im Verlauf der Zeit von direkten Barzahlungen über verdeckte Überweisungen via Dienstleistern bis hin zum Transfer festgesetzter prozentualer Erträge der Minenbetreiber. Insgesamt soll die Juan Andrés Alvares Front für mehr als 3.000 Morde, über 59.000 Zwangsumsiedlungen sowie für das Verschwinden von mindestens 240 Menschen verantwortlich sein. Erschreckend ist, dass einige Quellen unter Eid ausgesagt haben, Drummond hätte mittels seiner privaten Bewachungsfirma die AUC beauftragt, verdächtige Personen auf ihrem Gelände zu entfernen. Diese telefonischen Aufträge mündeten meist in der Tötung der jeweiligen Personen.6

Der Schweizer Konzern Glencore wies auf Anfragen der Süddeutschen Zeitung jegliche Vorwürfe zurück. Einem Sprecher des Konzerns zufolge gebe es keine Beweise für die Verstrickung von Glencore und Prodeco mit paramilitärischen Gruppen, Zahlungen an solche Gruppen oder die Verbindung der Unternehmen zu Zwangsumsiedlungen.11 Drummond hingegen nahm keine Stellung zu den Vorwürfen ein.

Erfahren Sie mehr über die Unternehmen Drummond und Glencore in unserer Datenbank.


  1. Deutsche Welle: Gefährlicher Kohlestaub in Kolumbien. Verfügbar unter: http://www.dw.de/gef%C3%A4hrlicher-kohlestaub-in-kolumbien/a-17558162 Zuletzt überprüft am 02.07.2014. [] [] []
  2. taz.de: Blut in deutschen Kraftwerken. Verfügbar unter: http://www.taz.de/Kohle-aus-Kolumbien/!141232/ Zuletzt überprüft am 02.07.2014. [] []
  3. Deutschlandfunk: Umweltverschmutzung und ein blutiges Geheimnis. Verfügbar unter: http://www.deutschlandfunk.de/billige-kohle-aus-kolumbien-umweltverschmutzung-und-ein.697.de.html?dram:article_id=283052 Zuletzt überprüft am 02.07.2014. []
  4. Hispanically Speaking News: Drummond Boat Shipwrecked Near Coast of Colombia. Verfügbar unter: http://www.hispanicallyspeakingnews.com/latino-daily-news/details/drummond-boat-shipwrecked-near-coast-of-colombia/29653/ Zuletzt überprüft am 02.07.2014. []
  5. Urgewald: Die dunkle Seite der Importkohle. Verfügbar unter: http://urgewald.org/presse/dunkle-seite-importkohle Zuletzt überprüft am 02.07.2014. [] [] [] []
  6. PAX for peace: The dark side of Coal. Verfügbar unter: http://www.paxforpeace.nl/media/files/pax-dark-side-of-coal-final-version-web.pdf Zuletzt überprüft am 02.07.2014. [] []
  7. Klimaretter.Info: Kohle per Waffengewalt. Verfügbar unter: http://www.klimaretter.info/protest/nachricht/16693-kohleimporte-menschenrechte Zuletzt überprüft am 03.07.2014. []
  8. PwC: Global 500 Climate Change Report 2013. Verfügbar unter: http://www.pwc.de/de_DE/de/nachhaltigkeit/assets/g500_2013_report_final.pdf Zuletzt überprüft am 03.07.2014. []
  9. FOES: Stein- und Braunkohle. Verfügbar unter: http://www.foes.de/themen/stein-und-braunkohle/ Zuletzt überprüft am 03.07.2014. []
  10. Süddeutsche Zeitung: Blutige Kohle für deutsche Konzerne. Verfügbar unter: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kolumbien-blutige-kohle-fuer-deutsche-konzerne-1.2018064 Zuletzt überprüft am 02.07.2014. []
  11. Süddeutsche Zeitung: Blutige Kohle für deutsche Konzerne. Verfügbar unter: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kolumbien-blutige-kohle-fuer-deutsche-konzerne-1.2018064 Zuletzt überprüft am 02.07.2014. []
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