Deutsche Bank: Das Spiel mit dem Hunger

Laut der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) sind Lebensmittelpreise im vergangenen Jahr auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Internationale Organisationen, wie Foodwatch, Oxfam und die Weltbank, beschuldigen dahingehend Banken, durch den Handel mit Warentermingeschäften (Handel mit Getreide, Öl und anderen Rohstoffen) die Preise in die Höhe getrieben zu haben. Auch wenn die Auswirkungen von Finanzspekulationen langfristig keinen Einfluss auf die Preisentwicklung von Lebensmitteln haben sollen, wie die Weltbank im Juli 2013 selbst bekannt gab, so steht außer Frage, dass die zweifelhaften Geschäfte enormen Einfluss auf die kurzfristige Preisentwicklung haben. Foodwatch kritisiert vor allem, dass durch die gezielte Spekulation mit den überlebenswichtigen Rohstoffen, das Menschenrecht auf Nahrung verletzt wird. Die Folgen, die aus dem Spiel mit Rohstoffen entstehen, sind insbesondere für Menschen in den Entwicklungsländern verheerend. Westliche Industrienationen, die nur 20% ihrer Einkünfte für Lebensmittel aufbringen müssen, können die Preissteigerungen verhältnismäßig leicht ausgleichen. Für Menschen in ärmeren Ländern, wo 80% des Einkommens benötigt werden, sind jene Steigerungen der Nahrungsmittel jedoch fatal. Aus diesem Grund ist und bleibt es moralisch untragbar, dass Finanzinstitute in Deutschland und der Welt aus schnellem Profitinteresse Wetten auf diese wichtigen Güter abschließen.

Das Ergebnis einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2011, wonach 84% der Deutschen die Spekulation bzw. den Handel mit Nahrungsmitteln ablehnen, sollte den Rückzug von Geldinstituten aus diesem Geschäftsbereich vorantreiben. Einige deutsche Geldhäuser, wie die Commerzbank, die LBBW, die Landesbank Berlin, die DekaBank, die DZ Bank und die Bayern LB, haben dies bereits getan. Nun wurde auch die Deutsche Bank zur Rede gestellt. Am Mittwoch, 16. April 2014, trafen sich Kritiker mit führenden Vertretern, um die Rolle der Deutschen Bank auf den Nahrungsmittelmärkten zu diskutieren. Doch wie Thilo Bode, Geschäftsführer der Organisation Foodwatch, mitteilte, seien sie mit leeren Händen gekommen. Die Deutsche Bank konnte weder entkräften, dass ihre Finanzprodukte zu Preissteigerungen von Lebensmitteln führen, noch hat sie den künftigen Ausstieg aus diesen Geschäften bekannt gegeben. „Ein konstruktiver Dialog sei unmöglich, solange die Deutsche Bank nicht offen über den Umfang ihrer Spekulationsgeschäfte informiere“, stellte Thilo Bode klar.

Kritiker hoffen nun, dass sich das Finanzinstitut an eine Aussage ihres Ex-Chef Josef Ackermann besinnt: “Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen.” Sollte die eigene Erkenntnis aber nicht eintreffen, so lässt hoffen, dass die angestrebte Neufassung der europäischen Finanzmarktrichtlinien des EU-Parlaments den derivativen Handel mit Lebensmittel eindämmt. Es soll eine Obergrenze für Spekulationen eingeführt werden, die sowohl für den börslichen, als auch für den außerbörslichen (OTC: Over-The-Counter) Handel gelten wird. Wie David Hachfeld von der Organisation Oxfam anmerkte, wird der Erfolg der Richtlinie durch die Festsetzung der Obergrenze zur Eindämmung des derivativen Handels auf nationaler anstatt europäischer Ebene aber deutlich gemindert werden.

Lesen Sie hier mehr zur Deutschen Bank.

Weitere Berichte finden Sie unter den nachfolgenden Links:

Greenpeace Magazin („Wie viel ist Nahrung wert?“, 17.04.2014)

n-tv („‘Mit leeren Händen‘ Deutsche Bank enttäuscht Agrar-Experten“, 16.04.2014)

Spiegel („Agrarspekulationen: Die Deutsche Bank kam mit leeren Händen“, 16.04.2014)

Deutsche Welle („Deutsche Bank: Geschäfte mit dem Hunger?“, 16.04.2014)

Handelsblatt („Deutsche Bank enttäuscht ihre Kritiker“, 16.04.2014)

Hannover Zeitung („Nahrungsmittelspekulationen: Deutsche Bank spekuliert weiter mit dem Hunger“)

Recent Related Posts

Kommentare sind geschlossen.