Weltweite Manipulationen beim Devisenhandel

Seit inzwischen einem Jahr ermitteln Finanzbehörden, ob es erneut zu Manipulationen auf den Märkten und zu Absprachen zwischen den Händlern (Banken) kam. Dieses Mal handelt es sich jedoch nicht um den Referenzzinssatz Libor, sondern um Wechselkurse. Der Devisenmarkt gilt mit seinem täglichen Handelsvolumen von etwa fünf Billionen Dollar (3,6 Billionen Euro) als größter Finanzmarkt weltweit. Auch wenn Aufseher der Märkte bereits im Juli 2006 Anzeichen für eine Manipulation bemerkten, wurden die Hinweise nicht weiter verfolgt, da die Händler, die nun unter Verdacht des Betruges stehen, selbst in dem Komitee zur Überwachung des Devisenhandels sitzen.

Die Möglichkeiten der versteckten Manipulation sind auf dem Devisenmarkt auffallend günstig. Devisengeschäfte werden weder über eine Börse abgewickelt, noch gibt es eine unabhängige Aufsichtsbehörde, die die Geschäfte überprüft. Darüber hinaus werden 85% des Marktes von nur zwölf Banken kontrolliert. Da liegt die Vermutung nahe, dass sich diese Banken einen Vorteil aus der Situation geschaffen haben.

Unter Verdacht steht vor allem die Deutsche Bank, die als dominierendes Geldhaus im Devisengeschäft tätig ist. Neben der Deutschen Bank wird aber auch gegen die französische BNP Paribas, gegen die schweizerischen Banken UBS und Credit Suisse, sowie gegen die amerikanische Goldman Sachs und Bank of America ermittelt. Es galt die Devise: Unter Absprache der Banken, Währungen so günstig wie möglich vom Kunden abzukaufen und so teuer wie möglich wieder zu verkaufen. Diese Form des Betruges war offenbar über Jahre möglich, da die Aufsicht im Bankensektor wieder einmal versagte. Aber nicht nur Kreditaufnahmen sind von den Devisenmanipulationen betroffen, sondern auch jeder Kauf und Verkauf im Ausland, bei dem Geld getauscht wird.

Nun drohen den Banken also weitere Milliardenstrafen, die die Strafzahlungen im Zusammenhang mit der Liborzinsmanipulation noch übersteigen sollen. Wie der Nachrichtensender n-tv ferner berichtet, soll sich die UBS erneut aus der Affäre ziehen wollen. Denn bereits während der Ermittlungen zum Liborskandal im vergangenen Jahr, bat sich die UBS als Kronzeuge an und konnte auf diesem Wege einer Milliardenstrafe entgehen.

Lesen Sie zu diesem Thema zwei Beiträge von n-tv hier und auch hier.

Für Informationen in englischer Sprache lesen Sie den Beitrag von Reuters.

Lesen Sie weiteres zu den Geldinstitutionen Deutsche Bank, UBS, Credit Suisse und BNP Paribas.

Update: Laut dem Schweizer Nachrichtenportal blick.ch drohen den Banken in Kürze Klagewellen in Milliardenhöhe. Das britische Analysehaus Autonomous Research rechne mit Straf- und Vergleichszahlungen von rund 35 Milliarden Dollar. Einer Studie der Credit Suisse zufolge müssen europäische Banken sogar mit Bußgeldern von mehr als 100 Milliarden rechnen.

Recent Related Posts

Kommentare sind geschlossen.