Die Welt wehrt sich gegen Monsanto

Im März 2013 winkten sowohl der Senat als auch der Kongress in den USA ein unter dem Namen „Monsanto Protection Act“ bekannt gewordenes Gesetz durch, das angeblich zur Lebensmittelsicherheit dienen sollte. Wir berichteten bereits vor einigen Monaten darüber.1

Schon sehr schnell aber wurden kritische Stimmen laut. Das Gesetz verstieß offensichtlich gegen die Rechtstaatlichkeit, doch das hinderte Präsident Obama nicht daran, seine Unterschrift darunter zu setzen. Es hatte eine Geltungsdauer von sechs Monaten, gegen eine weitere Verlängerung sperrte sich nun allerdings der Senat. Am 24. September wurde der „Monsanto Protection Act“ schließlich aus der Gesetzesvorlage gestrichen.2

Die Gesetzesvorlage verbot gerichtliches Vorgehen gegen die Verbreitung und den Konsum von gentechnisch veränderten Produkten, selbst wenn sich herausstellen sollte, dass diese schädlich für die Gesundheit sind.

Dass der Senat nun einlenkte, und nicht der Verlängerung zustimmte – wie es einige Tage zuvor der Kongress getan hatte – ist wohl dem wachsenden Druck der Öffentlichkeit zu verdanken. Die Organisation Food Democracy Now hatte beispielsweise in einer Petition ans Weiße Haus innerhalb nur einer Stunde mehr als 100 000 Unterschriften gesammelt. Und das war nur eine von unzähligen Petitionslisten und Protesten gegen den umstrittenen Saatgutherstelle.2

Die Aktion, die aber wohl am meisten Aufsehen erregte, war der „March Against Monsanto“, der ein erstes Mal im Mai dieses Jahres, und ein weiteres Mal am 12. Oktober in über 400 Städten über den ganzen Erdball verteilt stattfand. Schätzungen zufolge nahmen bis zu 2 Millionen Demonstranten daran teil.3

Die Gegner des Monsanto Protection Acts befürchteten eine Verseuchung der landwirtschaftlichen Nutzflächen durch genmanipulierte Pflanzen, Monokulturen, Einsatz von chemischen Düngemitteln und Pestiziden, aber auch ernsthafte Folgen für die Gesundheit der Menschen, die diese Lebensmittel konsumieren, wie etwa Krebs.

Kurioserweise verlieh nun die World Food Price-Stiftung anlässlich des Welternährungstages am 16. Oktober den sogenannten Welternährungspreis an drei Mitarbeiter von Monsanto und Syngenta (neben Monsanto einer der größten Konzerne im Agrargeschäft). Die Wissenschaftler hätten „einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Qualität, Quantität oder Verfügbarkeit von Lebensmitteln“ geleistet, indem sie „maßgeblich zu der Entdeckung beigetragen hätten, wie artfremde Gene mittels Bakterien in Pflanzenzellen eingeschleust werden können.“ Dies ermöglicht die Entwicklung von gentechnisch veränderten Pflanzen.4

Monsanto brüstet sich damit, zu einer nachhaltigen Entwicklung der Landwirtschaft beizutragen und damit die Versorgung der gesamten Erdbevölkerung mit Nahrungsmitteln möglich zu machen.5 Hunger in der Welt ist allerdings kein Problem von geringer Produktivität der Pflanzen. Mit wirklich nachhaltiger, ökologischer Landwirtschaft ist es möglich, alle Menschen zu ernähren, auch bei weiterem Bevölkerungswachstum. Es handelt sich um ein Problem der Verteilung und Zugänglichkeit. Und genau dieses verschärfen die Aktivitäten von Monsanto nur noch mehr.

Die Bauern werden abhängig von Monsanto und anderen großen Saatherstellern. Um die genetisch veränderten Samen benutzen zu können, zahlen sie hohe Gebühren, in der Hoffnung, am Ende des Jahres mehr Geld auf dem Konto zu haben und großen Gewinn zu machen. Und einigen gelingt dies auch.6 Einigen aber auch nicht. Diese sind gefangen in einem Teufelskreis von hohen Ausgaben für die Samen und die notwendigen Pestizide, von denen sie immer mehr brauchen, um das Unkraut und die Schädlinge abzutöten, die zunehmend Resistenzen, selbst gegen die angebliche Wunderwaffe Roundup Ready, bilden.7 Beunruhigend ist auch die Tatsache, dass die Bauern die traditionellen Anbaumethoden aufgeben und altes Wissen über nachhaltigen und respektvollen Umgang mit dem Land, das sie bestellen, verloren geht.8 Aber es ist leichter, einfach nur Monsantos Saatgut, Dünger und Unkrautvernichtungsmittel zu kaufen und dies auf den Feldern auszubringen und damit schnelles Geld zu machen.

Abhängigkeit der Bauern, ungleiche Verteilung und Umweltschäden sind die gefährlichen Folgen der Genmanipulation und exzessiven Patentierung von Pflanzen.

Erst vor wenigen Monaten ging die Geschichte vom „geköpften Brokkoli“9 durch die Presse, als Monsanto in der EU sogar eine herkömmliche Brokkoli-Züchtung patentieren lies, die aufgrund ihres hoch herauswachsenden Kopfes besonders leicht zu ernten ist.

Monsantos Einfluss auf die Politik ist unumstritten. Gut funktionierende Lobbyarbeit ermöglichte es in den USA so etwas wie den Monsanto Protection Act durchzubringen. In Deutschland hingegen stößt Monsanto auf mehr Widerstand. Nach dem Verbot der gentechnisch veränderten Maissorte MON810 durch Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner im Jahr 2009 holte der Handelsvertreter der Vereinigten Staaten den deutschen Botschafter zu sich, um diesem mitzuteilen, dass der US-amerikanischen Regierung dieses Vorgehen missfalle. Und auch US-Diplomaten handelen offensichtlich im Dienste Monsantos und versuchen immer wieder, sich für eine weniger restriktive Gen-Politik einzusetzen.8

Die aktuellen Entwicklungen jedoch machen Mut. Sie zeigen, dass die Bevölkerung beginnt, sich ihre Freiheit zurückzuerobern.

„Wer das Saatgut kontrolliert, beherrscht die Welt“ (Ex-US-Außenminister Henry Kissinger )10


  1. Facing Finance: Immunität für Monsanto dank US-Gesetz []
  2. Radio Utopie: Monsanto Protection Act: U.S.-Senat beerdigt Selbstermächtigungsgesetz für Agrarchemie-Giganten [] []
  3. Wikipedia: March Against Monsanto []
  4. Naturschutz.ch: Monsanto gewinnt Welternährungspreis []
  5. Monsanto: Nachhaltige Entwicklung []
  6. FAZ: Genveränderte Pflanzen: Und dann schuf Gott Monsanto []
  7. Wikipedia: Glyphosate []
  8. Wikipedia: Monsanto [] []
  9. Greenpeace: Geköpfter Brokkoli: Patent für Monsanto []
  10. Berliner Zeitung: Gentechnik: Monsantos Helfer []