Deutsche Kupferimporte verletzen Menschenrechte in Peru

Investoren müssen Druck auf führenden Hamburger Kupferkonzern Aurubis ausüben

„Schreib’ deiner Bank!“

Der Rohstoff Kupfer ist für unser Leben essentiell – ob im Alltag oder in der Energiewende. Doch der Abbau ist für Mensch und Umwelt vor Ort in den Produktionsländern wie Chile und Peru oft hochproblematisch: statt der versprochenen Verbesserungen der Lebensbedingungen stehen soziale und ökologische Konflikte. In Zeiten des Klimawandels, der Energiewende und des Lieferkettengesetzes stehen Branchenriesen wie Europas größter Kupferkonzern Aurubis besonders in der Pflicht. Seit Jahren verweigert Aurubis jedoch auffallend hartnäckig die konkrete Benennung der Minen, aus denen es sein Kupfer bezieht. Begründung: wettbewerbsrechtlicher Schutz der Lieferanten und Vertragsrecht. Doch diese Begründung bröckelt.

Viele Organisationen, zum Beispiel Bankwatch, Dachverband Kritische Aktionäre, Christliche Initiative Romero, Gesellschaft für bedrohte Völker, Kampagne Bergbau Peru, Germanwatch, FDCL, Goliathwatch, CooperAcción, Equidad und Misereor setzen sich bereits seit Jahren für die Offenlegung ein. Jetzt wollen wir – eine Gruppe zivilgesellschaftlicher Organisationen, unter anderem aus Deutschland (wo Aurubis seinen Sitz hat) und Peru (wo Aurubis Kupfer bezieht) – den Druck nochmal erhöhen und appellieren an Investoren und Geldgeber, auf die Aurubis AG einzuwirken, damit sie ihre Lieferanten benennt.

Auch du kannst das unterstützen, indem du über den Button deine Bank als Investor/Geldgeber von Aurubis aufforderst, sich für mehr Transparenz einzusetzen. Nur wenn wir die konkreten Minen kennen, können wir Aurubis’ Angaben zu Menschenrechten und Umwelt überprüfen und verhindern, dass der Rohstoffabbau zur Energiewende auf dem Leid anderer basiert.

 

Kupfer – im Alltag und bei der Energiewende unverzichtbar

Ob in der Kaffeemaschine oder dem Fön, Akkubohrer, Rasenroboter oder Klimaanlage, bei der Bordelektronik von Autos, als Oberleitung im Schienenverkehr oder einfach, wenn wir eine Steckdose nutzen  – mit seiner herausragenden elektrischen Leitfähigkeit ist Kupfer fester Bestandteil unseres Alltags. Als maßgeblicher Bestandteil der Erzeugung, des Transports und der Speicherung von Strom ist er auch zum unverzichtbaren Rohstoff in der Energiewende geworden. Der Preis für Kupfer steigt seit Jahren und Produzenten machen weltweit Milliardengewinne. Benötigt wird der Rohstoff für die E-Mobilität, Windkraftanlagen und Wärmepumpen. Eine große Windturbine beispielsweise braucht 20-30 Tonnen Kupfer für Motor, Gehäuse und Kabel; ein einziges E-Auto 50-90 Kilogramm, etwa viermal mehr als ein klassisches Verbrennerauto. Bis 2027 soll der Kupferbedarf allein für die E-Mobilität global um 800 Prozent im Vergleich zu 2017 steigen.

Im letzten Jahr wurden weltweit bereits 22 Millionen Tonnen Kupfer abgebaut. Das entspricht circa 80 Millionen Tonnen Kupferkonzentrat, von denen allein Aurubis etwa 2,4 Millionen Tonnen verwendet.[1] Trotz dieser gewichtigen Stellung im Kupfermarkt heißt es: Aurubis „nimmt nur einen geringen Anteil des weltweit gehandelten Kupferkonzentratvolumens ab. Durch die verhältnismäßig geringen Abnahmemengen können wir eingeschränkt Einfluss auf die ESG-Leistung [Nachhaltigkeitskriterien] unserer Lieferanten nehmen.“ Das wirkt angesichts Aurubis’ Position im Weltmarkt als Europas größter Kupferkonzern und führender Kupferrecycler recht unambitioniert.

Bergbau gehört zu Hochrisikobereich – Kupfer insbesondere

Bergbau wird weltweit und grundsätzlich als Hochrisikosektor betrachtet durch das große Ausmaß an Umweltzerstörung, die Vergiftung von Böden und Gewässern und den oft schlechten Arbeitsbedingungen.[2]

Kupfer gilt darüber hinaus in seinem Abbau als besonders problematisch und wird auch vom Bundesumweltamt mit einem großen Umweltgefährdungspotential in Verbindung gebracht: „Die Kupfergewinnung ist verbunden […] mit der Freisetzung von Schwermetallen, mit großen Abfallmengen.“ Die riesigen Mengen an belasteten Reststoffen – 570 Tonnen pro einer Tonne Kupfer – gelangen gewöhnlich in die Gewässer und Böden, führen zu hohen Arsen- und Schwermetallwerten in Urin und Blut und in der Folge u.a. zu erhöhten Krebsraten und Missbildungen bei Neugeborenen. Neben der Kontaminierung des Wassers führt der Kupferabbau auch zu Wasserverknappung: Für die Gewinnung einer Tonne Kupfer braucht man circa 74 Kubikmeter Wasser – das entspricht dem Jahresverbrauch eines deutschen Vierpersonen-Haushalts.

Das Bergbauland Peru und der deutsche Kupferkonzern Aurubis

Die beiden Länder in Lateinamerika, in denen am meisten Kupfer abgebaut wird, sind Chile und dahinter mit Abstand Peru. In Peru treibt die aktuelle, rechtsgerichtete Regierung unter Dina Boluarte die Vergabe von Bergbaukonzessionen voran, unter anderem forciert durch den großen Rohstoffbedarf im Rahmen der Energiewende und die aktuelle Zurückhaltung Chiles. Größte Verbraucher an Raffinadekupfer sind China, die USA und an dritter Stelle Deutschland, als größter Abnehmer Europas. In Deutschland wiederum hat die Aurubis AG eine dominante Stellung als Kupferraffinerie.

Nach Angaben der deutschen Bundesregierung kamen 2019 circa 29% der deutschen Gesamtimporte an Kupferkonzentrat aus Peru, jetzt noch 17%. Diese Zahlen stimmen überein mit denen, die Aurubis über seine Importe veröffentlicht. Auch die gesunkenen Zahlen passen zu der Entwicklung bei Aurubis, die Importe auf mehr Länder (z.B. Türkei, Georgien, Panama) zu verteilen, um die Abhängigkeit von Chile und Peru zu verringern. Peru als bedeutendes Abbau- und Exportland und die Aurubis AG als größter europäischer Importeur von Kupfererzen haben also eine enge Beziehung.

Intransparenz als Antwort auf Vorwürfe zu Menschenrechts- und Umweltverstößen

Aurubis übernimmt keine Verantwortung für Menschenrechte in der Lieferkette“ (2017), „Kupfer-Produzent übernimmt in der Lieferkette keine Verantwortung“ (2018), „Aurubis verhindert keine Umwelt- und Menschenrechtsverstöße von Lieferanten“ (2019), „Aurubis: Mängel bei Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards in der Lieferkette„ (2020), „Bündnis fordert von Aurubis mehr Transparenz in der Lieferkette“ (2021), „Über Gutes berichten, über Schlechtes schweigen“ (2022), „Ignoriert Aurubis Umweltzerstörung durch Kupferminen in Südamerika?“ (2023) – Jahr für Jahr konfrontiert der Bundesverband der Kritischen Aktionäre gemeinsam mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen Aurubis mit den schwerwiegenden Auswirkungen des Abbaus von Kupferkonzentraten auf Umwelt und Bevölkerung. In Peru sind etliche Vorfälle, darunter Menschenrechtsverletzungen, Umsiedlungskonflikte und Verseuchung durch Schwermetalle, rund um die Mine Antapaccay des Schweizer Glencore-Konzerns, die Mine Las Bambas des chinesischen MMG-Konzerns oder die Constancia-Mine des kanadischen Hudbay-Konzerns dokumentiert. Gemeinsam fordern NGOs immer wieder, dass Aurubis sich seiner Verantwortung stellt und konkret Firmen und Minen offenlegt, von denen Kupfer bezogen wird. Nur so können mögliche Menschenrechtsverletzungen und Umweltverstöße erkannt und dagegen angegangen werden.[3] Genauso lange beharrt Aurubis allerdings auch lapidar auf Wettbewerbs- und Vertragsgründen[4], um die Intransparenz zu rechtfertigen: „Da der Markt für Konzentrate von wenigen großen Minengesellschaften und integrierten Metallunternehmen bedient wird, wäre eine Offenlegung unserer Lieferantenbasis mit der Offenbarung von Geschäftsgeheimnissen und Wettbewerbsnachteilen verbunden.”

Aufgrund offizieller Exportdaten wird vermutet, dass folgende peruanische Kupferproduzenten zu Aurubis aktuellen Lieferanten gehören könnten: Antamina[5], Gold Fields Perú[6], Southern Peru Copper Corporation[7], Marcobre[8], Sociedad Minera Cerro Verde[9], Hudbay Perú[10], Antapaccay[11] und Minsur[12]. Doch lediglich für die Unternehmen Gold Fields Perú, Antapaccay, Antamina, Toromocho[13] und Marcobre ist belegt, dass sie in der jüngeren Vergangenheit unter den peruanischen Kupferlieferanten von Aurubis waren. Besondere Relevanz hat der Fall Marcobre: 2018 hat die Bundesregierung im Zusammenhang mit dem Kupfertagebau Marcobre der Mina Justa ungebundene Finanzkredite (UFK) in Höhe von 459 Millionen Euro gewährt, um Aurubis als Großabnehmer von Marcobre zu unterstützen.

Zur Intransparenz besteht kein Anlass – zumindest nicht aus Produzentensicht

Die Aurubis AG ist in einer komfortablen Situation: Als Kupfergigant kauft sie weltweit Kupferkonzentrat ein und kann wählen, mit welchen Firmen aus welchen Ländern sie zusammenarbeiten will. Die harte Konkurrenz findet meist zwischen den kupferproduzierenden Ländern statt.

In Peru sind deutsche Industrieunternehmen hochangesehene Geschäftspartner. Es wäre also für die peruanischen Kupferproduzenten kein Wettbewerbsnachteil, wenn Aurubis offenlegen würde, aus welchen Minen es sein Kupfer bezieht. Genauso liegt kein Anlass vor, zu verschweigen, Aurubis als Großkunden gewonnen zu haben.[14] So hat auch das Bergbauunternehmen Gold Fields Perú zwischen 2017 und 2020 in seinen Geschäftsberichten stets Aurubis als seinen Hauptabnehmer von Kupfer (etwa 40 Prozent) benannt. 2021 stoppte Gold Fields Perú plötzlich die Nennung seiner Abnehmer, zeitgleich mit Aurubis’ weiterem Rückschritt in Sachen Transparenz in der Lieferkette. In Peru gibt es die Mutmaßung, dass es sich dabei möglicherweise nicht um einen Zufall handelt.[15] Es hat den Anschein, dass eher Aurubis – und nicht die Lieferanten – Wert auf die Nichtbenennung legt. Die bisherige Argumentationsschiene hätte damit keinen Bestand mehr und die Entscheidung, Produzenten und Minen zu benennen, unterläge keinen Beschränkungen. Der Konzern selbst bestätigt auf Nachfrage, dass seine Lieferanten keinen Druck machen gegen die Veröffentlichung von Aurubis’ Lieferantenbasis.[16]

Es bleibt die offene Frage, warum Aurubis sich so hartnäckig gegen Transparenz wehrt. Die Begründung, wonach Lieferanten durch Offenbarung von Geschäftsgeheimnissen und Wettbewerbsnachteilen geschädigt würden, wirkt zumindest absolut unglaubwürdig. Will der Konzern Probleme in der Lieferkette verstecken, die nicht zu seinem Selbstbild der Nachhaltigkeit und Verantwortung[17] passen? Doch Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung in der Lieferkette sind generell bei Rohstoffimporteuren keine Seltenheit. Wenn es in Aurubis’ Lieferkette also nicht mehr Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen gibt als bei anderen großen Kupferimporteuren (und es liegen dafür keine Anhaltspunkte vor), warum wehrt sich Aurubis dann gegen die Offenlegung seiner Lieferanten? Liegt es mittlerweile am neuen Lieferkettengesetz[18], gegen das Aurubis lobbyiert hatte? Zumindest der zeitliche Zusammenhang zwischen Transparenzrückschritten und Ankündigung des Lieferkettengesetzes spricht dafür. Fürchtet Aurubis in diesem Zusammenhang, dass die Offenlegung der Kupferminen es der Zivilgesellschaft ermöglicht, potenzielle Verstöße gegen das Lieferkettengesetz zu recherchieren, was empfindliche Geldstrafen zur Folge haben könnte sowie den zeitweiligen Ausschluss von öffentlichen Aufträgen?

Verantwortungsbewusstsein der Führungsebene stark ausbaufähig

Die häufig wechselnde Führung des Unternehmens ist von Intransparenz und mangelnder Sensibilität und Verantwortung gegenüber ihrem kritischen Kerngeschäft gekennzeichnet – sowohl in ihren eigenen Betrieben in Deutschland und Bulgarien, als auch entlang der globalen Lieferkette. In Bulgarien sind Arbeiter Schwefel, Kohlendioxid, Arsen und anderen Schwermetallen ausgesetzt. Kupferlieferanten aus Mexiko, Chile und Peru, beispielsweise die Mine Antamina, sind für schwere Umweltprobleme verantwortlich. Den Strom für seine Hamburger Kupferraffinerie bezieht Aurubis aus Steinkohle, der dreckigsten Art der Stromerzeugung, und hat dafür einen langfristigen Vertrag abgeschlossen. Zudem wehrten sich die Verantwortlichen bei Aurubis jahrelang gegen die Einführung des nationalen Lieferkettengesetzes, das gerade Umwelt- und Menschenrechte entlang der Lieferkette schützen soll. Tatsächlich ist in dem aktuellen deutschen Lieferkettengesetz – „verwässert durch Politik und Lobby“ –, für den Bergbau als kritischem Geschäftsbereich die Sorgfaltspflicht für den Anfang der Lieferkette abgeschwächt worden, obwohl „die meisten […] Menschenrechtsverstöße, in die deutsche Unternehmen verwickelt sind, […] in den Lieferketten des Rohstoffimports und dort vor allem im Abbau dokumentiert“ sind.

Noch auf der Hauptversammlung 2023 kommentierte der Vorstandsvorsitzende Roland Harings die Einführung des Lieferkettengesetzes mit „Wir brauchen dieses Gesetz nicht“, was angesichts der kritischen Bergbau-Lieferketten als „skandalös“ bezeichnet werden kann.

Der Fall Aurubis und sein wiederholt widersprüchliches wie intransparentes Agieren verdeutlicht, wie notwendig die Offenlegung der Kupferbezugsquellen ist sowie ein wirksames Lieferkettengesetz wenigstens auf europäischer Ebene.

Investoren und Geldgeber müssen jetzt Druck aufbauen

Wer könnte Aurubis dazu bringen, seine Intransparenz aufzugeben und endlich offenzulegen, aus welchen peruanischen Minen es sein Kupfer bezieht? Seine Geldgeber und Investoren.

Größter Anteilseigner von Aurubis ist der deutsche Stahlkonzern Salzgitter AG mit 30 Prozent. Da die Firma GP Günter Papenburg[19] und das Land Niedersachsen Großaktionäre der Salzgitter AG sind und über eine Sperrminorität[20] verfügen, könnten auch sie Einfluss auf Aurubis Geschäftsgebaren ausüben. Weitere wichtige Investoren und Anteilseigner von Aurubis sind die Rossmann Beteiligungs GmbH (die Familie des Drogeriemarktgründers Rossmann), Blackrock (der weltweit größte Vermögensverwalter), die norwegische Zentralbank (vor allem über den staatlichen Pensionsfonds), Vanguard (der weltweit zweitgrößte Vermögensverwalter), Crédit Agricole (vor allem über seine Tochterfirma Amundi, Europas größter Fondsanbieter) sowie die deutschen Finanzinstitute Allianz (der weltgrößte Versicherungskonzern), Deutsche Bank (Deutschlands größte Privatbank), Ökoworld (nachhaltiger Fondsanbieter), LBBW (die Baden-Württemberger Landesbank), Deka (das Fondshaus der Sparkassen) und DZ Bank (das Zentralinstitut der Volks- und Raiffeisenbanken).[21]

Geldgeber von Aurubis sind unter anderem Deutsche Bank, Landesbank Baden-Württemberg, UniCredit (italienische Mutter der Hypovereinsbank), BNP Paribas (größte französische Bank), Commerzbank, DZ Bank, ING, Landesbank Hessen-Thüringen und Norddeutsche Landesbank. Von ihnen erhielt Aurubis 2022 einen so genannten nachhaltigen Konsortialkredit in Höhe von 350 Millionen Euro. Nachhaltig bedeutet hier nicht, dass das Geld nur für besonders nachhaltige Geschäfte verwendet werden darf, sondern dass die Zinszahlungen an Aurubis’ ESG-Rating beim Nachhaltigkeitsratinganbieter EcoVadis[22] gekoppelt sind. Das Geld hingegen „dient der allgemeinen Unternehmensfinanzierung, insbesondere als Reserve für mögliche Liquiditätsschwankungen.“[23]

Geldgeber und Investoren stehen gleichermaßen in der Verantwortung, verschließen bislang aber die Augen. Als die Kritischen Aktionäre und Ethius Invest Anträge für mehr Transparenz auf Aurubis’ letzter Hauptversammlung einbrachten, stimmten Aurubis’ Großinvestoren dagegen. Auch Anbieter als nachhaltig gelabelter Investmentfonds wie Allianz, Deka, DWS (Fondshaus der Deutschen Bank) oder Union Investment (Fondshaus der DZ Bank) lassen Aurubis frei gewähren, statt für Nachhaltigkeit und Transparenz zu stimmen. Es ist allerhöchste Zeit, die Geldgeber und Investoren zu überzeugen, sich bei Aurubis für eine transparente Lieferkette einzusetzen.

Unterschreibe hier den schon vorformulierten Bankenbrief. Dann schicken wir ihn direkt an deine Bank, um Druck für eine transparente Kupferlieferkette zu machen.

Aurubis Umsatz ist in den letzten Jahren stark gestiegen von 12,4 Milliarden Euro in 2020 auf 18,5 Milliarden Euro in 2022. Als größtem europäischen Kupferkonzern kommt Aurubis sowohl in der Kupferversorgung Deutschlands und Europas als auch bei der Energiewende[24] eine besondere Bedeutung und Verantwortung zu. Eine gelungene Energiewende kann nur im globalen Schutz der Umwelt erfolgen und muss einhergehen mit sozialer Gerechtigkeit. Dieser Verantwortung wird Aurubis derzeit nicht gerecht. Da es auch die Politik[25] nicht vermag, bei deutschen Unternehmen nachhaltige Lieferketten sicherzustellen, sind die Investoren und Geldgeber gefragt. Dafür ist Druck von Kundenseite dringend nötig! Damit Deutschland und Europa, die auf Kupferimporte aus Südamerika angewiesen bleiben werden, in dieser gegenseitigen Abhängigkeit zu nachhaltigen und respektvollen Handelspartnern werden, statt Bergbaugebiete auszubeuten und sich hinter Unwissenheit[26] und Intransparenz zu verstecken.

“Schreib’ deiner Bank!”

 

Autoren: Antje Kalbe und Luca Schiewe

 

[1] Mail von Aurubis an Facing Finance am 03.07.2023.

[2] Der Bergbau in Lateinamerika ist seit seiner kolonialen Begründung aufs engste verknüpft mit großer Armut sowie der Ausbeutung von Mensch und Land. Der Autor Eduardo Galeano beschrieb es als „die offenen Adern Lateinamerikas.“ Besonders betroffen ist die lokale, meist indigene und von der Landwirtschaft abhängige Bevölkerung. Missachtung von Mitbestimmungsrechten, Landenteignung, Vergiftung von Flüssen und Böden, soziale Konflikte und die Ermordung von Umweltschützern ist in Bergbaugebieten an der Tagesordnung. Zudem führt der Bergbau, entgegen des gerne angebrachten Arguments, dass er zur Entwicklung einer Region beitrage und Arbeitsplätze schaffe, oftmals gerade in diesen Gebieten durch die Zerstörung der Lebensgrundlagen zu großer Armut und gesundheitlichen Belastungen. Auch in Peru geht der Abbau von Kupfer immer noch mit gravierenden Menschenrechtsverletzungen und Umweltverstößen einher: Dazu gehören die „Kontaminierung des Trinkwassers“, „ein System der Landenteignung“, bei dem Bergbaukonzerne unter unfairen Bedingungen Eigentum auf meist indigenem Gebiet erwerben sowie die „illegitime Anwendung von Polizeigewalt bei der Unterdrückung sozialer Proteste“.

[3] Die peruanische NGO Equidad kritisiert, dass Aurubis’ Intransparenz es unmöglich macht, die Verantwortung und Nachhaltigkeit seiner Lieferkette zu überprüfen, um eventuelle Fälle von Nichteinhaltung der Due Diligence [Sorgfaltspflichten] zu Menschenrechten zu untersuchen. Das ist besonders relevant für die peruanischen Lieferanten, da der peruanische Bergbausektor als Hochrisikosektor gilt und von sozial-ökologischen Konflikten geprägt ist.

[4] Fragen zu Lieferanten beantwortete Aurubis uns gegenüber stets mit „Aus wettbewerbsrechtlichen und vertraglichen Gründen veröffentlicht Aurubis keine Informationen zu seinen Lieferanten, konkreten Minen und entsprechenden Bezugsmengen.“ Außerdem fügte Aurubis hinzu: „Aktuelle Reporting-Pflichten sehen keine Veröffentlichungsverpflichtungen von konkreten Minen vor. Dies wurde von allen Stakeholdern akzeptiert.“ (Mail von Aurubis an Facing Finance am 03.07.2023) Angesichts der wiederholten Forderungen verschiedener NGOs, Aurubis solle seine konkreten Lieferanten benennen, überrascht Aurubis’ Wahrnehmung, dass alle Stakeholder die Nichtbenennung akzeptieren würden. Auch der Aktionär Ethius Invest widerspricht Aurubis Darstellung und setzt sich dafür ein, dass zumindest bestimmte Stakeholder (z.B. ESG-Ratingagenturen und interessierte Aktionäre) die konkreten Minen erfahren. Ethius Invest´s Anfrage zur Einsicht in Lieferantenbeziehungen wurde von Aurubis jedoch abgelehnt.

[5] Compañia Minera Antamina baut Kupferkonzentrat in Yanacancha in der Andenregion Áncash ab und ist ein Joint Venture vier großer internationaler Konzerne: BHP Billiton (börsengelisteter, australischer Bergbaukonzern), Glencore (börsengelisteter Schweizer Bergbaukonzern), Teck Resources (börsengelisteter, kanadischer Bergbaukonzern) und Mitsubishi Corporation (japanischer Mischkonzern).

[6] Gold Fields Perú baut Kupfer in der Mine Cerro Corona bei Cajamarca im peruanischen Hochland ab und gehört zum südafrikanischen börsennotierten Konzern Gold Fields, einem der weltweit größten Goldproduzenten.

[7] Southern Peru Copper Corporation betreibt die Kupferprojekte Los Chancas (in Apurimac), Michiquillay (in Cajamarca), Tía María (in Arequipa), Cuajone (in Moquegua) und Toquepala (in Tacna). Es ist eine Tochterfirma der Americas Mining Corporation, die zum mexikanischen Mischkonzern Grupo México gehört.

[8] Marcobre S.A.C. baut Kupfer in der Mina Justa (in Ica) ab und ist Teil von Andinas SAC, einem Joint Venture zwischen dem peruanischen Bergbauunternehmen Minsur SA und Alxar Internacional SpA, einer Tochterfirma des chilenischen Mischkonzerns Empresas Copec.

[9] Die Mehrheit der Aktien der Sociedad Minera Cerro Verde gehört über viele Tochterfirmen hinweg letztlich dem börsengelisteten US-amerikanischen Bergbaukonzern Freeport-McMoRan. Weitere Großaktionäre der Sociedad Minera Cerro Verde mit Sperrminorität sind das holländische Bergbauunternehmen SMM Cerro Verde Netherlands BV (Tochterfirma des börsengelisteten japanischen Bergbaukonzerns Sumitomo Metal Mining Company) sowie Compañia de Minas Buenaventura, ein berühmt-berüchtigtes börsengelistetes, peruanisches Bergbauunternehmen.

[10] Hudbay Perú baut Kupfer ab in den Minen Constancia und Pampacancha (in Cusco) sowie Llaguen (in La Libertad) und ist Teil des börsennotierten kanadischen Bergbaukonzerns Hudbay Minerals.

[11] Antapaccay baut Kupfer in Espinar (bei Cusco) ab und ist eine Tochterfirma des Schweizer Bergbauriesen Glencore.

[12] Neben seiner Mehrheitsbeteiligung an Marcobre besitzt Minsur SA weitere kleinere Kupferprojekte und ist Teil des Konglomerats Grupo Breca, das der reichsten peruanischen Familie, Brescia-Cafferata, gehört.

[13] Toromocho ist eine Kupfermine in Junín, die Minera Chinalco Perú SA, einer Tochterfirma des chinesischen Staatskonzerns Chinalco, gehört und mit fehlenden Umweltprüfungen und Zwangsumsiedlungen in Verbindung steht.

[14] Hintergrundgespräch mit jahrzehntelangem Manager einer der größten peruanischen Kupferminen.

[15] Hintergrundgespräche mit peruanischen NGOs.

[16] Die Frage „Haben Aurubis Lieferanten in den letzten Jahren von Aurubis gefordert, dass Aurubis seine Lieferantenbasis nicht veröffentlicht? Gibt es Druck von Seiten der Lieferanten, dass Aurubis nicht offenbart, aus welchen Minen Aurubis sein Kupfer bezieht?“ beantwortet Aurubis mit „Nein.“ (Mail von Aurubis an Facing Finance am 03.07.2023)

[17] Aurubis verweist häufig auf seine Richtlinien für eine nachhaltige Lieferkette: „Von unseren Geschäftspartnern verlangen wir, dass sie lokale Gesetze, durch die UN auferlegte Sanktionen oder Handelsrestriktionen und die UN-Konventionen in Bezug auf Menschenrechte, Umweltschutz und Sicherheit einhalten. Wir haben uns mit den Due-Diligence-Leitsätzen zur Erfüllung der Sorgfaltspflicht der OECD zu einer wichtigen Leitlinie zur Förderung verantwortungsvoller Lieferketten für Mineralien aus Konflikt- und Hochrisikogebieten verpflichtet. […] Zur Wahrnehmung der Sorgfaltspflicht hinsichtlich all unserer wesentlichen Themen im Bereich Lieferkette ist ein Business-Partner-Screening-System implementiert worden, das auf den Leitsätzen der OECD basiert.“ (Mail von Aurubis an Facing Finance am 03.07.2023)

Allerdings geht Aurubis’ Verweis auf seine Richtlinien für eine nachhaltige Lieferkette, ohne die Bezugsminen zu nennen, vollkommen an der Kritik vorbei. NGOs kritisieren kontinuierlich Aurubis’ mangelnde Transparenz, die verhindert, dass außenstehende Organisationen überprüfen können, wie es um Aurubis’ Lieferketten tatsächlich steht.

[18] Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) gilt seit Januar 2023 in Deutschland und verpflichtet Konzerne, Risiken wie Kinderarbeit, Ausbeutung, Sklaverei und Umweltverschmutzung in ihrer globalen Lieferkette abzustellen.

[19] Die Firma des Hannoveraner Bauunternehmers Günter Papenburg ist in der Vergangenheit wiederholt durch Korruption und Politiknähe aufgefallen.

[20] Sperrminorität ist ein spezielles Minderheitenrecht, mit dem ein Anteilseigner Beschlüsse verhindern kann, auch wenn er keine absolute Mehrheit hat. Bei Aktiengesellschaft liegt sie bei 25% der Unternehmensanteile.

[21] Datenbanken Bloomberg und Refinitiv, abgerufen im Juni 2023.

[22] Generell schneidet Aurubis bei fast allen ESG-Ratings (Nachhaltigkeitsbewertung von Unternehmen nach den Kriterien Umwelt, Soziales, Governance) besser ab als die meisten Rohstoffunternehmen (siehe Sustainalytics, Bloomberg, S&P, ISS). Dabei muss man wissen, dass die meisten ESG-Ratings sich auf die Messung finanzieller Nachhaltigkeitsrisiken fokussieren, (also inwieweit soziale, ökologische und Governance-Faktoren zu finanziellen Verlusten des Unternehmens führen können) und nicht auf die soziale und ökologische Nachhaltigkeit eines Unternehmens sowie seiner Produkte und Geschäftspraktiken.

[23] Mail von Aurubis an Facing Finance am 03.07.2023.

[24] Angesichts der Tatsache, dass Aurubis stets betont, wie wichtig seine Kupferproduktion für die Energiewende und die ökologische Transformation der Wirtschaft ist, scheint die Wahl von Fritz Vahrenholt zum Aufsichtsratsvorsitzenden fragwürdig. Vahrenholt leugnet den menschengemachten Klimawandel und hält bei der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung entsprechende Vorträge. Vahrenholt verbreitet systematisch Fake News zum Klimawandel, z.B. dass der Sonnenzyklus für die Erderwärmung verantwortlich sei und nicht der menschliche Treibhausgasausstoß. Tatsächlich stimmten einige – jedoch nicht genügend – Aktionäre auf der letzten Hauptversammlung gegen Vahrenholt, unter anderem Union Investment, die Allianz und die DWS, die ihr Abstimmungsverhalten mit Governance-Bedenken begründet (Mail der DWS Investment GmbH an Facing Finance am 16.08.2023).

[25] Schon 2014 wurde die deutsch-peruanische Rohstoffpartnerschaft abgeschlossen, die zwar Empfehlungen für menschen- und umweltwürdiges Verhalten enthält, sogar einen Hinweis auf den Schutz indigener Gemeinschaften sowie die Unterstützung der globalen „Initiative für Transparenz in der Rohstoffwirtschaft“ (EITI), jedoch keine konkreten Handlungs- oder Sanktionsmöglichkeiten bei Verstößen.

[26] Die Bundesregierung behauptete kürzlich über peruanische Kupferimporte, dass ihr „Menschenrechtsverletzungen oder Umweltschutzprobleme im Umfeld der nach Deutschland exportierenden Minen nicht bekannt“ seien. Offenbar informiert sich die deutsche Regierung nicht, welche Minen die Aurubis AG beliefern, und ob die seit Jahren vorgebrachten Vorwürfe von Menschenrechts- und Umweltverstößen zutreffen. Im Rahmen der Klimakrise und der ILO-Konvention 169, die unter anderem den Schutz indigener Land- und Mitbestimmungsrechte sichert, wirft dieses Agieren Fragen nach der Glaubwürdigkeit solcher Beschlüsse und Aussagen auf.