Royal Dutch Shell in Nigeria

Beinahe 14 Prozent des geförderten Rohöls von Shell und damit der größte Anteil außerhalb der USA kommt aus Nigeria. Seit Beginn der Ölbohrungen im Jahre 1958 brachte die Erdölförderung in der Ogoni Region, einem Gebiet im Niger-Delta, Einnahmen von 30 Mrd. US-Dollar ein. Die dort lebende Bevölkerung profitiert allerdings nur sehr wenig von diesem Geld. Mit 31 Mio. Einwohnern ist das Nigerdelta eines der weltweit bevölkerungsreichsten Feuchtgebiete und ein bedeutendes litorales maritimes Ökosystem. Es ist ein wichtiges Anbaugebiet für die ländliche Bevölkerung. Laut einer Studie, die 2011 von einer nigerianischen Universität durchgeführt wurde, sind insgesamt 2,4 Millionen Barrel Öl in das Delta gesickert.1 Luftverschmutzung durch das Abfackeln von Gas führt zu saurem Regen und Atemschwierigkeiten in den benachbarten Städten und Dörfern. Einige Bewohner wurden von ihrem Land vertrieben und Shells Pipelines führen mitten durch Dörfer und über Gebiete, die früher landwirtschaftlich genutzt wurden.2 „In mindestens 10 Ogoni-Gemeinden ist das öffentliche Gesundheitswesen aufgrund von Hydrocarbonaten im Grundwasser stark gefährdet,“ fasste das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) zusammen. Weiter heißt es, dass einige Gebiete, die bisher nicht beeinträchtigt erschienen, nun von stark verunreinigtem Untergrund betroffen sind.3

Zahlreichen friedlichen Demonstrationen und Blockaden für ökologische und ökonomische Gerechtigkeit wurde mit Gewalt begegnet.4 Militante Gruppen haben in diesem Gebiet, mit dem Ziel Shell wirtschaftlichen Schaden zufügen zu können und letztendlich die Macht über ihren Lebensraum zurück zu erhalten, Anlagen und Pipelines des Unternehmens wiederholt sabotiert. Sowohl die Regierung als auch Shell geben zu, dass Shell an der Finanzierung des Militärs in der Delta Region beteiligt ist. Unter dem Vorwand Shell vor friedlichen Demonstranten zu ‚schützen’, zerstörten Sonderkommandos der Polizei Häuser und Kulturpflanzen, wobei mehr als 2.000 Menschen getötet wurden. Im Herbst 2012 klagten nigerianische Farmer in der Hoffnung Shell müsste seine Arbeitsmethoden ändern, Kompensationszahlungen leisten und das Gebiet von ausgetretenen Öl reinigen, das Unternehmen vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag an. Laut der National Oil Spill Detection and Response Agency (NOSDRA) erhielt Shell Nigeria im Juli 2012 eine Strafe von über 5 Mrd. US-Dollar aufgrund des unkontrollierten Austritts einer großen Menge Öl, der sich am 20 Dezember 2011 im Bereich des Bonga Ölfelds ereignet hat.5

Update April 2014:

Im April veröffentlichte Amnesty International UK die Ergebnisse einer Befragung der britischen Regierung im Rahmen des Freedom of Information Act von 2012. Demach habe die britische Regierung bei dem US Supreme Court ein Gutachten zum Vorteil von Shell eingereicht, nachdem der Konzern aktiv bei Regierungsbeamten dafür geworben habe. In den Stellungnahmen der britischen Behörden heißt es, dass die verantwortlichen Stellen den finanziellen Schaden für britische Unternehmen zum einen und zum anderen den wirtschaftlichen und kommerziellen Ruf für mindestens ebenso gewichtig hielten wie die Einwände wegen der begangenen Menschenrechtsverletzungen und deswegen ein Eingreifen in den laufenden Prozess des US Supreme Courts für gerechtgertigt hielten (S. 52).

In dem Fall Kiobel vs. Shell behandelte der Supreme Court die Frage, ob ausländische Unternehmen in den Vereinigten Staaten für Menschenrechtsverletzungen unter dem Alien Tort Claims Act (ATCA) zur Verantwortung gezogen werden könnten. Im April 2013 schließlich wies der Supreme Court die Klage der Witwe von Dr. Barinem Kiobel ab, der mit Ken Saro Wiwa in den 90er Jahren ermordet wurde, und anerkannte die Argumente von Shell und der britischen Regierung. Mit dieser Abweisung schuf der Supreme Court einen Präzedenzfall und erschwerte es außerordentlich, Konzerne in Zukunft unter dem ATCA für Menschenrechtsverletzungen zur Verantwortung zu ziehen.

[1] Ekubo and Abowei, Aspects of Aquatic Pollution in Nigeria, Research Journal of Environmental and Earth Sciences 3(6): 673-693, 2011.

[2] Amnesty International; The true tragedy; delays and failures in tackling oil spills in the Niger delta, 2011.

[3] http://www.unep.org/newscentre/Default.aspx?DocumentID=2649&ArticleID=8827&l=en

[4] http://archive.greenpeace.org/comms/ken/, on 17.07.12.

[5] http://www.vanguardngr.com/2012/07/bonga-oil-field-spill-fg-fines-shell-5bn/

Case location
Ogale Road, Port Harcourt, Nigeria
Nigeria


Affected topics
  • Umwelt-, Arten- und Klimaschutz
  • Menschen- und Arbeitsrechte
Affected norms and standards Directly and indirectly (through shareholding) involved companies Indirect investors through shareholding

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