Bolloré: Landnahme und Menschenrechtsverletzungen auf Palmölplantagen in Afrika

Bolloré ist eine französische Investment- und Industrie-Holding mit Sitz in Puteaux/Paris. Bollorés Subunternehmen verwalten große industrialisierte Palmölplantagen in mehreren afrikanischen Ländern, z.B. in Cȏte d´Ivoire (21.900 Hektar), Nigeria (15.600 Hektar) und der Demokratischen Republik Kongo (5.000 Hektar).[1] Die Plantagen, die für Bolloré eine Anlagemöglichkeit darstellen, werden allerdings wegen Abholzung von Regenwald, Landnahme, chemischer Verseuchung, schlechten Arbeitsbedingungen, schlechter werdende soziale und ökonomische Lebensbedingungen der lokalen und der indigenen Bevölkerung, Monopolisierung und der Einschüchterung von Medien kritisiert. [2][3][4]

In Liberia unternahm die UN Mission (UNMIL) 2006 eine Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen in Kautschukplantagen. Darunter war auch die Liberian Agriculture Company (LAC, 13.600 Hektar), die zu SOCFIN Agricultural Company gehört, ihrerseits 40% Bolloré.[5] Bei der Untersuchung wurden Fälle von Kinderarbeit, Vertreibung von Kleinbauern, Unterdrückung von Gewerkschaften, willkürliche Entlassungen, mangelnder Schutz vor krebserregenden Substanzen und der Einsatz von paramilitärischen Truppen als Sicherheitspersonal festgestellt.[6] LAC hielt die Vorwürfe für übertrieben und wies sie von sich.[7]

Im Dezember 2008 begann SOCFIN-KCD in Kambodscha mit der Abholzung und dem Pflügen von 12.000 Hektar Land. Hunderte von Kleinbauern der indigenen Gruppe der Bunong protestierten gegen SOCIFN und die fehlende Kompensation für ihr Land.[8]

Im Jahr 2000 wurden in Kamerun auf Geheiß der Weltbank viele der staatlichen Unternehmen privatisiert. Im Zuge dessen übernahm Bolloré mehrere Kautschuk- und Palmölplantagen (z.B. SOCAPALM und SAFACAM). Auch hier hat die Übernahme zu Vertreibungen der indigenen Gruppen der Bagyeli geführt. Die alltäglichen Arbeiten der Bagyeli sind durch die jährliche Ausweitung der Plantagen um 1.000 Hektar erheblich erschwert.[9] Das angestammte Land und lebenswichtige Ressourcen sind den Bagyeli verloren gegangen. SOCAPALM bietet nur sehr begrenzte Beschäftigungsmöglichkeiten mit schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen.[10] Die meisten Angestellten von SOCAPLAM in Kamerun haben keine soziale Absicherung und arbeiten für weniger als 2 Euro pro Tag. Sie nennen sich selbst „SOCAPALM Sklaven“.[11] Dialogangebote des Unternehmens sollen angeblich nur Proteste verhindern oder die Ruhe im Ort erhalten- aber keine Lösungen suchen.[12]

Mehrere NGOs (Sherpa, CED, FOCARFE und MISEREOR) reichten im Dezember 2010 eine gemeinsame Klage gegen SOCAPALM und die Muttergesellschaften bei der OECD ein. Die Klage richtete sich gegen die Schädigung der Lebensgrundlagen der Bevölkerung und der Plantagenarbeiter in Kamerun. Der Nationale Kontaktpunt der OECD in Frankreich bestätigte im Juni 2013, dass „alle vier Unternehmen OECD Richtlinien verletzt“ hätten und empfahl, dass SOCAPALM und die Muttergesellschaften diese Verletzungen beheben sollten.[13]

SOCFIN wird in Sierra Leone ebenfalls für die Übernahme von Land im großen Stil (12.000 Hektar) kritisiert.[14] Es wird berichtet, dass die Landbesitzer genötigt wurden, dem Unternehmen ihr Land ohne angemessene Kompensation zu überlassen. Industrielle Plantagen nehmen inzwischen 17% des fruchtbaren Lands in Sierra Leone ein.[15]

Die Bevölkerung und die Arbeiter in Kamerun, Cȏte d´Ivoire und Liberia werden von ReAct, einem NGO Dachverband, dabei unterstützt, direkte Verhandlungen mit den europäischen Geschäftsführern von SOCFIN und Bolloré zu erreichen. [16] In diesem Zusammenhang haben Vertreter der betroffenen Dörfer bei der Jahreshauptversammlung einen öffentlichen Beschwerdebrief an Vincent Bolloré überreicht, in dem sie auf die Probleme hinwiesen, die von den Bolloré-Töchtern verursacht werden.[17]

[1] Frederic Mousseau (2012): Understanding land investment deals in Africa. Socfin land investment in Sierra Leone, Land Deal Brief, Oakland: The Oakland Institute, S. 7, abgerufen am 02.09.2013

[2] Global Research News (2013): Africa Land Grabs. Farmers in several African countries stand up against Bolloré, 5. Juni, abgerufen am 02.09.2013

[3] Gontralpacific (2012): Conflit. Bolloré conteste une décision du gouvernement et refuse de payer une amende de 25 millions de FCFA, 21. September, abgerufen am 02.09.2013

[4] Rue 89 (2013): Rue89 et Bastamag mis en examen sur plainte du groupe Bolloré, 1. August, abgerufen am 02.09.2013;

World Rainforest Movement: Le groupe français Bolloré tente d’intimider les médias qui s’intéressent aux pratiques abusives dans ses plantations camerounaises, abgerufen am 02.09.2013

[5] UN Mission in Liberia (2006): Human Rights in Liberia’s Rubber Plantations: Tapping into the Future, abgerufen am 02.09.2013

[6] Vergleiche Fußnote 1, S. 9.

[7] Socfin (2006): UNMIL’s Report on Human Rights at Liberia Agricultural Company “LAC”. LAC’s Version, abgerufen am 02.09.2013

[8] International Federation for Human Rights (2011): Cambodia Land Cleared for Rubber Rights Bulldozed. The impact of rubber plantations by Socfin-KCD on indigenous communities in Bousra, Mondulkiri, FIDH Report, 574a, S.7,  abgerufen am 02.09.2013;

Woxx (2011): Menschenrechtsverletzung via Luxemburg, 11. März, abgerufen am 02.09.2013

[9] Marc Debels (2001): Le march des corps gras alimentaires,  abgerufen am 02.09.2013

[10] World Rainforest Movement (2010): “French economic group Bolloré attempts to intimidate journalists who expose abusive practices on its plantations in Cameroon”, WRM Bulletin, 155, abgerufen am 02.09.2013

[11] Oakland Institute (2012): Press Release. A New Report Exposes French Tycoon’s Land Grab in Sierra Leone, 2. April, abgerufen am 02.09.2013

[12] ReAct (2010): Case Study. Conflict between Socapalm and the residents of oil-palm plantations in Cameroon, S. 2f., abgerufen am 02.09.2013

[13] OECD Watch (2013): Issue. Environmental and labour violations at SOCAPALM in Cameroon, abgerufen am 02.09.2013

[14] Green Scenery (2011): The Socfin Land Deal Missing Out On Best Practices. Report on Fact finding Mission to Malen Chiefdom, Pujehun District, Sierra Leone, 13. Mai, abgerufen am 02.09.2013;

Frederic Mousseau (2012): Vergl. Fußnote 1

[15] Vergl. Fußnote 11. 

[16] ReAct (2013): Alliance of Bolloré agribusiness residents and workers in Africa, abgerufen am 02.09.2013;

Farmlandgrab.org (2013): West African farmers stand up against Bolloré, 5. Juni, abgerufen am 02.09.2013

[17] Synaparcam, SoGB residents committee, Concern Union Citizen, and MALOA (2013): Letter to Vincent Bolloré, abgerufen am 02.09.2013;

ReAct (2013): Lettre des riverains des plantations contrôlées par la Socfin, elle-même détenue majoritairement par le groupe Bolloré au président de ce dernier, abgerufen am 02.09.2013

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