Erneut Kinderarbeit bei Amazon’s Zulieferer Foxconn festgestellt

Amazons Zulieferer unter der Lupe (2018) Bild: © Tim Reckmann [CC BY 2.0] - flickr

Anfang August berichtete die britische Tageszeitung The Guardian von fragwürdigen Praktiken des chinesischen Amazon-Zulieferers Foxconn. Aus Interviews mit Arbeitern*innen und geleakten, internen Dokumenten ging hervor, dass der Konzern hunderte chinesische Schüler*innen beschäftigte, die zu Überstunden und Nachtschichten genötigt wurden – Arbeitspraktiken, die laut chinesischem Arbeitszeitgesetz für Beschäftigte zwischen 16 und 18 Jahren verboten sind. Das offiziell als Praktikum definierte Verhältnis brachte den Schulen als Vermittlerrolle etwa 500 Yang (circa 63 Euro) pro Schüler ein. Die Involvierung der Schulen führte unter anderem zu dem Umstand, dass Lehrende ihren Schüler*innen, die keine Überstunden leisten wollten, mit schlechter Benotung drohten und somit großen Druck ausüben konnten. Zu dieser Art von Einwirkung wurden die Lehrer*innen von Foxconn angehalten, um Produktionsspitzen abzudecken, welche die illegale Arbeit der Schüler*innen erforderte.[1]

Foxconn hat die illegalen Beschäftigungspraktiken eingeräumt und erklärt, Maßnahmen zu ergreifen, damit diese sich nicht wiederholen. Die Aufsicht über die Praktikumsprogramme mit den Partnerschulen soll in Zukunft strenger sein. Trotzdem, so der Konzern, seien diese Programme als praktische Erfahrung sinnvoll, um die Jobsuche nach dem Schulabschluss zu erleichtern.[2]

Auch Amazon reagierte auf die Anschuldigungen und erklärte, solche Verstöße gegen den Lieferantenverhaltenskodex (Supplier Code of Conduct) nicht zu tolerieren und folglich Gespräche mit Foxconn einzuleiten. Li Qiang, Gründer von China Labor Watch, betonte jedoch, der einzig verlässliche Weg solche Verstöße zu verhindern, sei ein unabhängiges Monitoring, welchem sowohl Foxconn wie auch Amazon zustimmen sollten.[3]

Zudem ist der Vorfall leider kein Einzelfall bei Foxconn. Der Auftragsfertiger sah sich seit 2006 mehrmals schweren Vorwürfen ausgesetzt. Fast jährlich stand das Unternehmen aufgrund von unmenschlichen Arbeitsbedingungen, geringer Entlohnung und hohen Suizidraten der Mitarbeiter*innen in der Kritik.[4] Insbesondere der Vorwurf im Hinblick auf Arbeitsrechtsverletzungen von minderjährigen Beschäftigteten ist für Foxconn kein Präzedenzfall: bereits 2017 wurde über Praktikumsprogramme berichtet, die Schüler*innen zwangen, für die Montage von Apple’s iPhone X illegal Überstunden zu leisten.[5]

Aufgrund der problematischen Zustände werden Finanzinstitute, die Aktien und Anleihen an Foxconn oder Amazon halten oder an Kreditvergaben beteiligt sind, von Facing Finance angehalten, auf die jeweiligen Unternehmen einzuwirken bzw. bei fehlender Beseitigung der Missstände Finanzbeziehungen zu beenden. Laut der Wirtschaftsdatenbank Thomson Reuters war beispielsweise die Deutsche Bank im Zeitraum der letzten 5 Jahre an 2 Kreditvergaben an Amazon i.H.v. 5,7 bzw. 1,5 Mrd. Euro (7 bzw. 2 Mrd. USD) sowie mit knapp 1 Mrd. Euro (1,2 Mrd. USD) an der Platzierung einer Amazon-Anleihe im Wert von insgesamt 4,8 Milliarden Euro (6 Mrd. USD) beteiligt.[6] Finanzbeziehungen zwischen Foxconn und deutschen Banken wurden nicht gefunden werden.

 

[1] Chamberlain, Gethin (2019): “Schoolchildren in China work overnight to produce Amazon Alexa devices.” The Guardian.
[2] Pakalski, Ingo (2019): „Schüler fertigten Echo-Lautsprecher für Amazon in Nachtarbeit.“ Golem.
[3] VOA News (2019): “Amazon Pledges to probe Claims of Worker Abuse at China Factory.” Abgerufen über Business and Human Rights Resource Centre.
[4] Condliffe, Jamie (2018) : “Foxconn is under Scrutiny for Worker Condition. It’s not the first time.“ The New York Times.
[5] Yang, Yuan (2017): “Apple’s iPhone X assembled by illegal student labour.” Financial Times.
[6] Datenbank Thomson Reuters Eikon, zum Stand: 21.08.2019

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