Die neue Digitalwährung Libra

Libra Coin Bild: © Alpari Org [CC BY 2.0] - Flickr

Das Unternehmen Facebook hat am 18. Juni 2019 sein neustes Projekt Libra angekündigt. Bei Libra handelt es sich um eine sogenannte Digitalwährung[i], die im ersten Halbjahr 2020 starten soll. Sie soll eine simple, globale Währung sein und eine finanzielle Infrastruktur für Milliarden von Menschen zur Verfügung stellen. Zudem will sie Menschen, die keinen Zugang zu einer herkömmlichen Bank haben, ermöglichen am Finanzsystem teilzuhaben und dies zu geringeren Gebühren als derzeit marktüblich sind.[ii]

Libra lediglich als „Facebook-Währung“ zu bezeichnen, ist allerdings nicht ganz korrekt. Facebook ist zwar der Initiator dieses Projektes, jedoch nicht der alleinige Verantwortliche. Gesteuert wird die Digitalwährung durch die Libra Association. Diese setzt sich derzeit aus verschiedenen Unternehmen, multilateralen und gemeinnützigen Organisationen sowie akademischen Instituten aus aller Welt zusammen. Die wohl bekanntesten Unternehmen sind hierbei Mastercard, Visa, Paypal, Vodafone und Uber. Insgesamt besteht die Libra Association derzeit aus 28 Mitgliedern, bis zum geplanten Start in 2020 sollen es sogar 100 werden.[iii]

Ein Vorteil von Libra gegenüber anderen digitalen Währungen soll ihre Wertbeständigkeit sein. Nutzer*innen soll ermöglicht werden Libra zu tauschen, genauso wie sie dies mit anderen Währungen auf Exchange-Plattformen tun würden. Der Libra-Wert wird durch einen Währungskorb bestimmt, welcher anteilig aus lokalen Währungen wie dem Euro, Dollar oder Yen besteht, allerdings auch deren Schwankungen unterliegt. Die von den Nutzer*innen getauschten lokalen Zahlungsmittel werden dann in der Libra Reserve investiert. Folglich wird somit jeder Libra in Finanzanlagen investiert, hauptsächlich in Bankeinlagen und kurzfristigen Staatsanleihen in Währungen von stabilen und angesehenen Zentralbanken. Resultieren soll dies in einer geringen Volatilität der digitalen Währung.[iv]

Allerdings mahnen Experten wie beispielsweise der renommierte Ökonom Peter Bofinger davor, Libra als genauso sicher wie etablierte Währungen anzusehen. Lokale Währungen werden durch Zentralbanken gestützt, Libra dagegen lediglich durch die Libra Association. Diese verspricht zwar Wertstabilität, ist hierzu allerdings nicht verpflichtet. Spekulativ ist Libra laut Bofinger, weil das Geld nun nicht mehr bspw. in Euro gehalten wird, sondern in Libra, welches zu circa zwei Dritteln aus fremden Währungen besteht. Das Versprechen einer stabilen Währung ist seiner Meinung nach deswegen nicht gegeben, da die stabile nationale Währung nun gegen einen Währungskorb getauscht wurde, in dem fremde Währungen enthalten sind, die gegenüber dem Euro deutlich schwanken können. Es besteht also ein Wechselkursrisiko und somit keine stabile Währung. Ein weiterer Kritikpunkt Bofingers stellt das Rückzahlungsrisiko dar. Es wird bislang nicht garantiert, dass bei einem Tausch von 100 Euro gegen Libra diese 100 Euro zu einem späteren Zeitpunkt wieder in voller Höhe zurückgezahlt werden müssen.[v][vi]

Ein weiterer bedeutender Kritikpunkt an Libra dürfte der Datenschutz sein. Bereits jetzt besitzt Facebook eine enorme Menge persönlicher Nutzerdaten, die zu Werbezwecken weiterverkauft werden. Durch Libra würde Facebook zusätzliche sensible Informationen über finanzielle Sachverhalte der Nutzer*innen erlangen. Zur Trennung beider Bereiche wurde aus diesem Grund die Tochtergesellschaft Calibra gegründet, welche sich nur um den Bereich Financial Services kümmern wird. Resultierend aus Facebooks vergangenen Datenskandalen[vii] ist hierbei eine skeptische Grundhaltung bezüglich dieser klaren Trennung durchaus angebracht.[viii]

Schlussendlich sind Facebook und viele der Libra-Partner Privatunternehmen, deren Hauptziel darin besteht Geld zu verdienen. Im Gegensatz zu Zentralbanken und Regierungen unterliegen sie keiner öffentlichen Kontrolle und Rechenschaftspflicht. Aus diesem Grund könnte sich Libra zu einem mächtigen, privaten und völlig unkontrollierbaren Geldmonopol entwickeln. Die enorme Marktmacht von Facebook und den Libra-Partnern könnte zur Entstehung eines privaten Akteurs im Finanzsystem führen der „too-big-to-fail“ ist. Als Lehre aus der Finanzkrise 2008 sollte eigentlich eine Verhinderung solcher Akteure hervorgehen.[ix]

 

[i] Nach Definition der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde handelt es sich bei digitalen Währungen um eine digitale Abbildung eines Wertes, welcher nicht von einer Zentralbank oder Behörde geschaffen wurde und bei denen zudem keinerlei Zusammenhang zu gesetzlichen Zahlungsmitteln bestehen muss. Diese können dann von juristischen und natürlichen Personen als Tauschmittel verwendet werden und können elektronisch verwahrt, übertragen und gehandelt werden. (siehe: https://eba.europa.eu/documents/10180/657547/EBA-Op-2014-08+Opinion+on+Virtual+Currencies.pdf S. 11)

[ii] Libra Association (2019): “Libra Whitepaper – Abschnitt 01 Einführung in die Libra”, siehe: https://libra.org/de-DE/white-paper/#the-libra-blockchain

[iii] Libra Association (2019): “Libra Whitepaper – Abschnitt 05 Die Libra Association”, siehe: https://libra.org/de-DE/white-paper/#the-libra-blockchain

[iv] Libra Association (2019): “Libra Whitepaper – Abschnitt 04 Die Libra-Währung und die Reserve“, siehe: https://libra.org/de-DE/white-paper/#the-libra-blockchain

[v] Bofinger P., Zurheide J. (2019): „Ökonom Bofinger zu Facebook-Währung Libra“ – Deutschlandfunk, siehe: https://www.deutschlandfunk.de/oekonom-bofinger-zu-facebook-waehrung-libra-ich-wuerde-mein.694.de.html?dram:article_id=454324

[vi] Bofinger P. (2019): „Damit macht Facebook sich keine Freunde“ – IPG, siehe: https://www.ipg-journal.de/regionen/global/artikel/detail/damit-macht-facebook-sich-keine-freunde-3616/

[vii] Briegleb V. (2019): „Datenschutz-Skandal: Facebook muss 5 Milliarden Dollar Strafe zahlen“ – Heise Online, siehe: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Datenschutz-Skandal-Facebook-muss-5-Milliarden-Dollar-Strafe-zahlen-4478581.html

[viii] Finance Watch (2019): “No Libra – Stop Facebook money!”, siehe: https://www.finance-watch.org/campaign/libra/

[ix] Finance Watch (2019): “No Libra – Stop Facebook money!”, siehe: https://www.finance-watch.org/campaign/libra/

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