Cargill: Nachhaltigkeitsvorreiter oder schlimmstes Unternehmen der Welt?

Open burning in a newly cleared rainforest in West Kalimantan, Indonesia, where Cargill is operating two undisclosed palm oil plantations. Bild: © David Gilbert/RAN 2009 (CC BY-NC 2.0)

Cargill ist einer der weltweit größten Händler und Verarbeiter von Agrarrohstoffen und das größte private Unternehmen der USA mit einem Umsatz von über $ 114 Milliarden im Jahr 2018. Der riesige Konzern dominiert das globale industrielle Agrarsystem, ein System, das darauf abzielt, große Landflächen unter Einsatz von Pestiziden in industrialisierte Monokulturen zu verwandeln, um günstiges Fleisch, Palmöl und Schokolade herzustellen.[1]

Obwohl der Agrarriese vielen unbekannt ist, da der Name Cargill nicht auf den Verpackungen erscheint, ist es schwer, seinen Produkten zu entkommen. Sie finden sich fast überall: das Unternehmen liefert weltweit Lebensmittel, Landwirtschafts-, Finanz- und Industrieprodukte. Cargill steckt hinter Kleidung, Kosmetik, Fleisch, Süßigkeiten, Getreide und beliefert Supermärkte und Schnellrestaurants, wie Aldi, Edeka, Nestlé, Kellogg’s, McDonald’s und Burger King.[2]

Cargill präsentiert das Selbstbild des Vorreiters, ein Vorbild für nachhaltiges Wirtschaften. Ein Bericht der Umweltschutzorganisation Mighty Earth mit dem Titel „Cargill: das schlimmste Unternehmen der Welt“ zeigt jedoch, dass die Nachhaltigkeitsversprechen von Cargill nur Gerede sind. Dieser Artikel bietet vier Beispiele dafür.

Im Jahr 2014 machte Cargill Schlagzeilen, als es die UN New York Declaration on Forests unterstützte, die das Ziel festlegte, den Waldverlust zu stoppen und umzukehren. David MacLennan, CEO des Unternehmens, erklärte, dass Cargill seinen Einfluss nutzen werde, um die Entwaldung in allen seinen landwirtschaftlichen Lieferketten bis 2020 zu beenden.[3]  Da das Unternehmen jegliche landwirtschaftlichen Lieferketten berührt, wurde sein Engagement für das Potenzial, die globale Entwaldung zu reduzieren, den Klimawandel zu mildern und die lokalen Gemeinschaften zu schützen stark gelobt. Umgesetzt wurde das Versprechen allerdings nicht. Im Gegenteil, der Bericht von Mighty Earth zeigt, dass Cargill für die Rodung wichtiger Regenwaldflächen für den Sojaanbau in Brasilien und Bolivien verantwortlich ist, und zwar durch die Finanzierung der Rodung selbst, den Bau von Straßen und Silos und den Transport des Sojas ins Ausland.[4] In Ghana und der Elfenbeinküste wird Cargill beschuldigt, Kakaobohnen gekauft zu haben, die nur durch die illegale Rodung von Schutzwäldern und Nationalparks angebaut werden konnten.[5]

In den letzten zwei Jahrzehnten hat Cargill wiederholt die Fristen nicht eingehalten, die es sich gesetzt hatte, um freiwillig auf Kinderarbeit zu verzichten. Weit davon entfernt „eine Welt ohne Kinderarbeit“ zu schaffen, wie Cargill es proklamiert,[6] wurde dem Unternehmen vorgeworfen, Palmöl und Kakao aus Sklavenhandel und Kinderarbeit zu kaufen. Das Unternehmen wird zurzeit dafür angeklagt, wissentlich den Kinderhandel in die Sklaverei an der Elfenbeinküste gefördert und davon profitiert zu haben.[7] Auch im Jahr 2014 setzte sein Zulieferer Kuala Lumpur Kepong in Indonesien auf zwei Plantagen Kinderarbeit und Zwangsarbeit ein.[8]

In Bezug auf Landrechte behauptet Cargill, dass es durch die Sicherung der Landrechte der Bauern die ländlichen Gemeinschaften stärken und die Lebensgrundlagen der Bauern überall, wo es tätig sei, verbessern würde.[9] In Kolumbien wird der Konzern jedoch der illegalen Landnahme beschuldigt. Durch Gründung von 36 Tochterunternehmen konnte Cargill die nationalen Gesetze umgehen, die den Anteil an Land, welches eine Person oder ein Unternehmen besitzt, begrenzen. Die 52.000 Hektar unkultiviertes Ackerland, die Cargill kaufte, hätten armen Bauern zur Verfügung gestellt werden sollen, damit sie überleben konnten.[10]

Darüber hinaus bezeichnet sich Cargill als „Vorreiter in der Lebensmittelsicherheit“.[11] Die langjährige Bilanz bei der Lieferung von kontaminiertem Fleisch an Supermärkte zeigt jedoch, dass Kostensenkungen für das Unternehmen wichtiger sind als die Einhaltung der eigenen Sicherheitsverfahren. Ein mit Listerien verunreinigter, geschnittener Truthahn hatte 2000 einen Ausbruch von Listeriose ausgelöst, der sieben Todesfälle, drei Fehlgeburten und 29 Erkrankungen verursachte. Zudem haben Fahrlässigkeit und Widerspenstigkeit des Unternehmens zu zahlreichen E.Coli- (2000, 2001, 2007, 2010, 2018) und Salmonellen-Ausbrüchen (2002, 2009, 2011, 2012) geführt.[12]

Die langen Verpflichtungen von Cargill scheinen nur leere Versprechen zu sein, mit denen sich das Unternehmen ein gutes Erscheinungsbild zu verschaffen sucht, während gleichzeitig Milliardenprofite aus Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen geschlagen werden. Die freiwilligen Maßnahmen von Cargill werden zukünftige Missbräuche nicht verhindern. Nach Jahrzehnten erfolgloser Selbstregulierung durch Unternehmen ist es an der Zeit, verbindliche Maßnahmen zur wirksamen Bekämpfung von Fehlverhalten zu ergreifen. Die NGO Mighty Earth setzt sich dafür ein, dass Cargills Geschäftspartner und Kunden zu nachhaltigeren Unternehmen wechseln und fordert Bürger auf, Cargill und seine Geschäftskunden öffentlich zur Verantwortung zu ziehen, um sie zu zwingen, ihre Praktiken zu ändern.[13]

 

[1] Mighty Earth (2019): “The Worst Company in the World”, siehe http://www.mightyearth.org/wp-content/uploads/Mighty-Earth-Report-Cargill-The-Worst-Company-in-the-World-July-2019.pdf, Seite 4
[2] Spiegel Online (2019) : « Das schlimmste Unternehmen der Welt“, siehe https://www.spiegel.de/wirtschaft/agrarkonzern-cargill-das-schlimmste-unternehmen-der-welt-a-1276654.html
[3] Cargill: “Cargill pledges to protect forests in all agricultural supply chains”, siehe https://www.cargill.com/news/releases/2014/NA31693655.jsp
[4] Mighty Earth (2019): “The Worst Company in the World”, Seite 24
[5] Ibid, Seite 30
[6] Cargill (2018): “Breaking the cycle of child labor in cocoa production”, siehe https://www.cargill.com/story/breaking-the-cycle-of-child-labor-in-cocoa-production
[7] Mighty Earth (2019): “The Worst Company in the World”, Seite 31
[8] Ibid, Seiten 14, 32
[9] Cargill: “Land Rights”, siehe https://www.cargill.com/news/land-rights
[10] Facing Finance: “Cargill: Landgrabbing in Colombia”, siehe http://www.facing-finance.org/en/database/cases/cargill-landgrabbing-in-colombia/
[11] Cargill: “Sustainable Beef: Health and Welfare”, siehe https://www.cargill.com/sustainability/beef/beef-health-welfare
[12] Mighty Earth (2019): “The Worst Company in the World”, Seiten 8-15
[13] Ibid, Seite 2

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