Dammbruch in Brasilien: Bergbaukonzern Vale SA wird zu Schadenersatz verurteilt

Ein halbes Jahr nach der Katastrophe an der Mine Córrego de Feijaoim brasilianischen Brumadinho verurteilte ein Gericht den Bergbaukonzern Vale SA vergangene Woche zu vollem Schadenersatz.[1]

 

Brumadinho, Minas Gerais. © BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=76936072

Am 25. Januar war der Damm eines Rückhaltebeckens der Eisenerzmine gebrochen und setzte eine Schlammlawine frei, die in die Umgebung des Bergbaus stürzte und über 246 Menschen in den Tod riss. Der mit Schwermetallen durchsetzte Schlamm verursachte immense Umwelt- und Sachschäden, er begrub ganze Siedlungen und kontaminierte einen angrenzenden Fluss. Da das Ausmaß dieser Schäden noch nicht zu beziffern seien, wurde vorerst noch keine Schadenhöhe festgelegt. Eine Summe von ca. 2,6 Milliarden Euro wurden allerdings bereits für etwaige Zahlungen blockiert.

Wegen dem Versagen jeglicher Alarmsysteme und versäumten Stabilisierungsmaßnahmen trotz bekannter Risiken steht Vale SA in der Kritik. Der Bergbaukonzern wurde bereits 3 Jahre zuvor durch einen weiteren Dammbruch im 100 Kilometer entfernten Mariana auffällig, welcher 19 Menschenleben forderte, und noch immer gesundheitliche und ökologische Schäden nach sich zieht. [2]

Auch die deutsche Prüfgesellschaft TÜV Süd, die im September 2018 noch eine Sicherheitsbescheinigung für den Damm ausgestellt hatte, sah sich Anschuldigungen ausgesetzt. Laut einem Artikel der BBC deuteten neue Erkenntnisse aus dem Juli darauf hin, dass die TÜV Süd die Sicherheit der Anlagen bestätigt habe, obwohl das Risiko eines Dammbruchs bekannt gewesen sei. Diese Informationen seien aus internen Emails und Dokumenten ersichtlich, welche teilweise veröffentlicht wurden. Weiterhin warf die Staatsanwaltschaft dem Unternehmen mangelnde Zusammenarbeit vor, was die Ermittlungen behindern würde.[3]TÜV Süd bezog daraufhin am 1. August Stellung und betonte die Kooperation mit den zuständigen Behörden, sowie das Interesse, die Aufklärung der Umstände der Katastrophe voran zu treiben.[4]

Bereits 2018 kritisierten Facing Finance und Partner den Konzern aufgrund mangelnder Sicherheitsmaßnahmen und forderten deutsche Banken dazu auf, Vale SA zu Verbesserung anzuregen oder alle Finanzbeziehungen zu beenden.[5]Allerdings sind auch nach dem diesjährigen Unglück und der Verurteilung weiterhin viele Asset Manager an der Finanzierung des Konzerns beteiligt, darunter die Deutsche Bank, Union Investment, Deka Investment und die Allianz SE.[6]

[1]https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/brasilien-vale-konzern-nach-dammbruch-zu-wiedergutmachung-verurteilt-a-1276606.html

[2]https://www.tagesschau.de/ausland/dammbruch-brasilien-103.html

[3]https://www.bbc.com/news/world-europe-48948775

[4]https://www.business-humanrights.org/de/tüv-süd-reagiert-auf-vorwürfe-die-firma-erschwere-ermittlungen-zu-den-umständen-des-vale-dammbruchs

[5]http://www.facing-finance.org/de/2019/01/vale-implicated-in-another-dam-collapse-in-brazil-with-more-than-300-casualties-feared/

[6]Datenbank Thomson Reuters, Stand: 15.07.2019

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