Pressemitteilung – Nachhaltige Altersvorsorge in Deutschland auf verlorenem Posten!?

  • Investments fondsbasierter Vorsorgeprodukte und Versicherungen (z.B. Riester) profitieren häufig von den Hauptfluchtursachen Klimazerstörung und Kriegen als Folge von Waffenexporten und stehen damit häufig im Widerspruch zu völkerrechtlichen Verpflichtungen und int. Abkommen
  • Deutsche Altersvorsorge-Anbieter ignorieren Umwelt- und Sozialrisiken wie Zerstörung von Lebensräumen und Menschenrechtsverstöße und setzen sich Wertverlusten und Reputationsrisiken aus
  • Nachhaltige Altersvorsorgekonzepte und Regulierungen kein Thema im Deutschen Bundestag

(Berlin, 18.10.18) Die Investitionen der gängigen fondsgebundenen Altersvorsorge-produkten in kontroverse Unternehmen sind nach wie vor hoch, nehmen sogar zu. Wirklich unbelastete, nachhaltige Altersvorsorgeprodukte (z.B. bei der Riesterrente) sind eher die Ausnahme, so das Fazit zum Abschluss des Projektes FaireRente von Facing Finance. Das Projekt, co-finanziert von der Stiftung Umwelt & Entwicklung Nordrhein-Westfalen, untersuchte in den zurückliegenden 3 Jahren ca. 40 fondsgebundene Riesterprodukte (inkl. 838 in Deutschland zugelassenen Fonds) von 27 Anbietern in Bezug auf die Beachtung sozialer und ökologischer Kriterien. Diese Fonds kommen auch im Rahmen weiterer Altersvorsorgestrategien und -programme zur Anwendung (z.B. bei vermögenswirksamen Leistungen, privaten Fondssparplänen etc.).

Geprüft wurden Beteiligungen (Aktien und Anleihen) an 320 Unternehmen, die im Konflikt mit sozialen und ökologischen Kriterien stehen (Methodik). „Besonders die Investitionen in Unternehmen, die extrem zur Klimaerwärmung beitragen oder in Kriegsgebiete Waffen liefern, profitieren damit von Geschäftsmodellen, die laut UN derzeitig Hauptfluchtursachen sind und häufig im Widerspruch zu völkerrechtlichen Verpflichtungen und int. Abkommen stehen“, kritisiert Thomas Küchenmeister, geschäftsführender Vorstand von Facing Finance.

„Deutschland verpflichtet sich völkerrechtlich Streubomben und Kinderarbeit zu verbieten, das Klima zu retten oder Waffenexporte in Kriegsgebiete zu untersagen, erlaubt aber nach wie vor steuerbegünstigte Investitionen in Unternehmen, die genau davon profitieren, was ein Skandal ist“, sagt Thomas Küchenmeister.

Die Anbieter ignorieren nicht nur soziale und ökologische Risiken, sondern auch durch Regulierung verursachte Wertverluste in Form sog. „Stranded Assets“ (z.B. Investitionen in fossile Energien), so Julia Dubslaff, Leiterin des Projektes FaireRente von Facing Finance. Damit entzieht sich die Finanzbranche jeglicher Verantwortung für den Schutz der Umwelt, des Klimas und der Menschenrechte.

Selbst explizit als „nachhaltig“ bezeichneten Fonds investieren in kontroverse Unternehmen, so ein Ergebnis der Untersuchungen des Projektes FaireRente von Facing Finance.

Im Rahmen einer heutigen Informationsveranstaltung des Projektes FaireRente im Deutschen Bundestag zum Thema nachhaltige Altersvorsorge wurde zudem sehr deutlich, dass es nach wie vor keine parlamentarischen Mehrheiten für z.B. nachhaltige Mindeststandards für Altersvorsorgenprodukte und deren staatliche Förderung gibt.

Dementsprechend ignoriert der aktuelle Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD auch die Forderung von NGOs und Verbraucherzentralen die staatliche Förderung von Altersvorsorgeprodukten an soziale und ökologische Mindeststandards zu koppeln. Auch eine vom Gesetzgeber reduzierte Informationspflicht für Riester-Produkte seitens der Anbieter führt dazu, dass VerbraucherInnen jetzt erst nach Vertragsabschluss erfahren, ob ihr Anbieter soziale und ökologische Kriterien bei der Geldanlage beachtet.

Das Projekt FaireRente wird von der Stiftung Umwelt & Entwicklung Nordrhein-Westfalen und Brot für die Welt gefördert.

Mehr Informationen unter: www.faire-rente.de & www.facing-finance.org

Bei Rückfragen und Interviewwünschen wenden Sie sich bitte an:
Thomas Küchenmeister I FACING FINANCE
Tel: +49 0175-49 64 082 I kuechenmeister@facing-finance.org

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