Einladung zu Podiumsdiskussion und Pressegespräch am 17.05.2018 – Schmutzige Profite – Deutsche Banken und ihre menschenrechtliche Verantwortung

Timika, in the eastern province of Papua, Indonesia September 19, 2015. Bild: © REUTERS/Muhammad Adimaja/Antara Foto

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 5. November 2015 brach der Damm eines Rückhaltebeckens für giftige Minenschlämme im Bergwerk des Unternehmens Samarco, in der Nähe der Kleinstadt Mariana in Minas Gerais, Brasilien. Eine Flutwelle aus Millionen Kubikmetern schwermetallhaltigen Schlamms ergoss sich ins Tal und begrub nur elf Minuten später den kleinen Ort Bento Rodrigues unter sich. In den darauf folgenden zwei Wochen wälzte sich die Schlammwelle weiter durch das 580 km lange Flusstal des Rio Doce, bis die Schlammlawine schließlich die Atlantikküste im Bundesstaat Espírito Santo erreichte. Bis heute gelangt giftiger Schlamm aus dem Bergwerk ins Meer.

19 Menschen wurden durch diese Katastrophe getötet, Hunderte Familien wurden obdachlos und Tausende Fischer entlang des Flusses und an der Küste verloren ihr Einkommen. 3,5 Millionen Menschen waren infolge des Dammbruchs von Wassermangel betroffen und noch heute müssen etliche Gemeinden mit Trinkwasser per Lastwagenlieferungen versorgt werden. Laut der amerikanischen Consulting „Bowker Associates“ stellt die Katastrophe von Mariana damit den schlimmsten Unfall in der Geschichte des Bergbaus dar.

Die verantwortliche Firma Samarco gehört zu gleichen Teilen dem brasilianischen Bergbaukonzern Vale und dem anglo-australischen Konzern BHP Billiton. Bis heute wurde keiner der Verantwortlichen juristisch zur Verantwortung gezogen. Die Entschädigungszahlungen an die Betroffenen erfolgen schleppend und sind zu gering, um sich eine neue Existenz aufbauen zu können. Außerdem werden längst nicht alle Betroffenen für die erlittenen Schäden entschädigt. Der Dammbruch kam nicht überraschend – schon 6 Monate vor der Katastrophe informierte Samarco in einer Risikoanalyse über die katastrophalen Folgen eines möglichen Dammbruchs, tat aber nichts, um diesen zu verhindern. Stattdessen hat das Unternehmen die Produktion erhöht und die Profite maximiert.

Zudem hatte die Firma Samarco eine Versicherung gegen Dammbruch abgeschlossen. Die Versicherung und die daran gekoppelte Rückversicherung wurden unter anderem auch durch deutsche Versicherer wie Allianz, Münchner Rück und Hannover Rück gedeckt. Doch die Versicherung deckte nicht – wie zu erwarten wäre – die Schäden bei Dritten oder die immensen Umweltschäden: Wie die Kritischen Aktionäre herausfanden, gingen 90% der ausgezahlten Beträge an die Firma Samarco selbst, da sich die Versicherungspolice vor allem auf die Schadensersetzung der durch den Dammbruch der Firma entstandenen sog. „entgangenen Gewinne“ bezog.

Der Fall Samarco ist nur die Spitze des Eisbergs. Der neue Dirty Profits 6 MINING Bericht von Facing Finance dokumentiert zahlreiche Fälle von gravierenden Arbeits-, Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen, die auf das Konto der globalen Rohstoffindustrie gehen.

Dessen ungeachtet investieren deutsche und europäische Banken weiter in großem Umfang in den Rohstoffsektor: Zwischen 2010 und 2017 stellten die Deutschen Bank und die DZ Bank den für den Dammbruch in Brasilien verantwortlichen Unternehmen Vale und BHP Billiton insgesamt fast 1,4 Mrd. Euro zur Verfügung.         Insgesamt belief sich die finanzielle Unterstützung durch 10 europäische TOP-Banken an internationale Rohstoffunternehmen im Zeitraum von 2010 bis 2017 auf 100 Mrd. Euro.

  • Welche Verantwortung tragen Banken und Versicherungen für Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung im Bergbausektor?
  • Reichen die bestehenden Richtlinien der Banken aus, um Menschenrechtsverletzungen auszuschließen?
  • Was können KonsumentInnen, AnlegerInnen und InvestorInnen tun, um sicherzustellen, dass ihre Geldanlagen nicht zu Menschenrechtsverletzungen beitragen?

Diese und andere Fragen diskutieren am 17. Mai 2018, 18:00-20:00 Uhr:

Lesley Burdock, Autorin von „Dirty Profits 6 Mining“, Facing Finance,

María José Horta Carneiro Silva, Opfer der Umweltkatastrophe von Mariana, Brasilien

Joceli Andrioli von der brasilianischen Bewegung der Staudammbetroffenen (MAB)

Christian Russau vom Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika

Susanne Friess, Beraterin für Bergbau und Entwicklung in Lateinamerika, Misereor

Moderation: Maike Drebes, Friedrich-Ebert-Stiftung

Ort der Veranstaltung: Friedrich-Ebert-Stiftung e.V., Hiroshimastraße 28, 10785 Berlin, Haus 2, Raum 6.01 (6. Etage)

Wir möchten Sie hiermit herzlich einladen, an der Veranstaltung teilzunehmen.

Vorab, von 16:00-17:00 Uhr, besteht ebenfalls bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, Haus 2, Raum 4.09 (4. Etage) die Möglichkeit für ein Gespräch und Interviews mit den Podiumsgästen und Thomas Küchenmeister von Facing Finance.
Wir bitten hierfür um Ihre formlose Anmeldung!

Kontakt:

Lena Schill, Tel. +49 (0)30-26935-7498 Email: lena.schill@fes.de

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