Plötzliches Umdenken bei der Investition in Waffenhersteller?

Halbautomatische Pistole produziert von Sturm Ruger Bild: © Sturm, Ruger & Co. Firearms [CC BY-SA 3.0] - Wikimedia

Nach dem jüngsten Amoklauf von Parkland vor einem Monat kommt es nun auch in der Finanzwelt langsam zu einem Umdenken. So kündigte BlackRock an, Gespräche mit den Herstellern von Handfeuerwaffen zu führen, um höhere Transparenz und Sicherheit zu schaffen. BlackRock ist der größte Finanzdienstleister der Welt und verwaltet ein Vermögen von ungefähr sechs Billionen US-Dollar. Zusätzlich hat das Unternehmen seine Kunden über ihre Investments in Waffenunternehmen aufgeklärt und ihnen Alternativen angeboten, sowie die Einrichtung von Fonds ohne Waffenbeteiligung angekündigt1.Damit steht BlackRock nicht alleine da: Auch State Street Global Advisers (SSGA) möchte seinen Einfluss nutzen, um einen verantwortungsvolleren Umgang mit zivilen Feuerwaffen voranzubringen2. Zusammen mit den Dienstleistern The Vanguard Group, Voya Investment Management, Dimensional Fund Advisors und Invesco Advisers halten BlackRock und SSGA zwischen 30 und 40 Prozent der Aktien3 von mindestens drei der Top 10 Handfeuerwaffenhersteller in den USA4: Vista Outdoor und die beiden Marktführer Sturm Ruger und American Outdoor.

Gemeinsam haben diese sechs Investoren damit weitreichende Möglichkeiten, sich für eine sicherere Waffenpolitik einzusetzen, die über bloße Gespräche über Transparenz und Sicherheit hinausgehen. Larry Fink, CEO von BlackRock, hatte bereits Anfang diesen Jahres in einem offenen Brief die soziale Verantwortung von Unternehmen betont und anklingen lassen, Investitionen von Unternehmen ohne „positiven Beitrag zur Gesellschaft“ abzuziehen5.

Doch der positive Beitrag von Waffenproduzenten zur Gesellschaft ist nur schwer zu erkennen, warum also beendet BlackRock nicht seine Investitionen in Höhe von knapp 850 Millionen US-Dollar6? Denn wenn auch weitere Investoren wie Vanguard und State Street mitziehen würden, könnte das ein Umdenken in der Industrie bewirken.

Die Antwort darauf gibt Larry Fink, CEO von BlackRock, selbst in seinem Brief5:  Bei einer großen Zahl angebotener Fonds handelt es sich um sogenannte Index-Fonds. Das sind Fonds, die sich an einem Index orientieren, indem sie beispielsweise Aktien der darin gelisteten Unternehmen im gleichen Größenverhältnis kaufen. Indizes bestehen in der Regel aus den finanzstärksten Unternehmen verschiedener Branchen, um so den Markt möglichst deckend abzubilden. Dementsprechend sind auch Waffenhersteller dort gelistet und landen so auch in den Fonds von BlackRock und Drittanbietern. Um eine Verzerrung des Fonds und des darin abgebildeten Indizes zu vermeiden, sträuben sich Finanzdienstleister jedoch diese Aktien abzustoßen.

Für Jonas Kron, zuständig für die Interessensvertretung der Aktionäre bei Trillium Asset Management, ist das kein Grund: „Menschen machen den Algorithmus [für den Index]. Wenn man ein Unternehmen nicht im Index haben will, kann man es ausschließen.“ Im letzten Jahr sei dasselbe mit Snap Inc. geschehen, da das Unternehmen gegen den Willen von Investoren Aktien ohne Stimmrechte verkauft hatte7.

Möglichkeiten gibt es also, allein der Wille scheint zu fehlen. Die Vorhaben von BlackRock und SSGA in Gespräche mit den Produzenten einzutreten sind auf jeden Fall zu begrüßen, doch wird das am Ende wirklich etwas verändern? BlackRock, SSGA, Voya, Vanguard, Invesco und Dimensional haben gemeinsam nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Pflicht und Verantwortung sich für mehr Sicherheit bei Handfeuerwaffen einzusetzen, vor allem in einem Land unter Donald Trump. Nachdem der US-amerikanische Präsident zunächst eine Verschärfung des Waffenrechts nach dem Amoklauf angekündigt hatte, rückte er nun wieder von diesem Vorstoß ab8. „Wir sehen, dass Regierungen daran scheitern sich für die Zukunft vorzubereiten […]. Als Ergebnis wendet sich die Gesellschaft zunehmend dem privaten Sektor zu und erwartet von Unternehmen Antworten auf gesellschaftliche Probleme.“, beobachtet auch Larry Fink.

Wohin das Engagement von Aktionären führen kann, konnte man zuletzt bei dem Bergbauunternehmen BHP Billiton sehen. Vielleicht springt der Funke ja auch zur Waffenindustrie über.


  1. https://www.blackrock.com/corporate/newsroom/press-releases/article/corporate-one/press-releases/blackrock-approach-to-companies-manufacturing-distributing-firearms []
  2. http://www.pionline.com/article/20180226/ONLINE/180229872/state-street-discloses-it-will-engage-with-weapons-manufacturers-distributors []
  3. Thomson Eikon []
  4. https://de.statista.com/infografik/11348/die-groessten-hersteller-von-handfeuerwaffen-in-amerika/ []
  5. https://www.blackrock.com/corporate/investor-relations/larry-fink-ceo-letter [] []
  6. https://www.bloomberg.com/news/articles/2018-03-02/blackrock-exploring-index-funds-that-omit-gun-makers-retailers []
  7. https://www.sfchronicle.com/opinion/openforum/article/Make-a-difference-disinvest-from-guns-12724426.php?platform=hootsuite []
  8. https://www.mdr.de/nachrichten/politik/ausland/trump-rudert-bei-waffengesetzen-zurueck-100.html []
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