Deutsche Versicherer und ihr Geschäft mit der Kohle

Polnisches Kohlekraftwerk Opole, das nur 100 km von Kattowitz, wo die 24. Klimakonferenz stattfinden wird, entfernt ist Bild: © Catz [CC BY-SA 4.0] - Wikimedia

Laut einem im Februar erschienenem Bericht der Initiative Unfriend Coal finanzieren und ermöglichen europäische Versicherer, insbesondere auch die deutsche Allianz Gruppe, massiv polnische Kohlekraftwerke sowie deren Expansion1. Tatsächlich hatte die Allianz bereits Ende 2015 bekannt gegeben, Investitionen in Kohleunternehmen teilweise zu stoppen2. Dabei war von Unternehmen die Rede, die mehr als 30 Prozent ihrer Energie aus Kohle erzeugen oder 30 Prozent ihrer Gewinne durch den Kohleabbau generieren.

Dass die Allianz dennoch munter weiter Kohlekonzerne versichert hat zwei Gründe: Zum einen gilt die Richtlinie nicht für die Tochterunternehmen der Allianz. So kann beispielsweise die der Allianz gehörende Investmentgesellschaft PIMCO weiterhin durch verschiedene Fonds in Umweltsünder investieren1. Zum anderen ist auch die Versicherungssparte der Allianz nicht vom Kohleausschluss betroffen3. Das bedeutet, dass die Allianz direkt zwar keine Aktien mehr an Kohleunternehmen wie PGE, Enea oder ZE Pak hält, aber dennoch ihre Kraftwerke, Tagebauten und weitere Aktivitäten versichern und somit erst ermöglichen kann. Denn ohne Versicherung könnte es weder Kraftwerke noch Förderstätten geben. Begründen tut dies das Unternehmen mit der Notwendigkeit von Kohleenergie für viele Regionen und dem kompetitiven Wettbewerb, da die durch den Rückzug der Allianz entstehende Lücke sofort von einem Konkurrenten gefüllt werden würde3.

Die Allianz und auch der deutsche Rückversicherer Münchener Rück waren in den letzten Jahren an verschiedenen Kohleprojekten in Polen beteiligt. Dazu gehört auch die Versicherung des Kohlekraftwerks Opole. Opole wird derzeit zum größten Kohlekraftwerk Europas erweitert und ist nur 100 Kilometer von Kattowitz entfernt, wo im Dezember diesen Jahres die 24. UN-Klimakonferenz zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommen stattfinden wird. Auch Kozienice, das zweitgrößte Kohlekraftwerk Europas betrieben von Enea, ist Kunde bei den beiden deutschen Versicherern. Vor seiner kürzlichen Erweiterung emittierte es 11 Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr und führte so zu geschätzt 650 vorzeitigen Toden und 14.140 Asthmaanfällen bei Kindern. Auch das halbstaatliche polnische Unternehmen ZE PAK wird von der Allianz und der Münchener Rück versichert. Neben dem Betrieb von Kohlekraftwerken  fördert das Unternehmen in seinen Tagebauten über 12,5 Millionen Tonnen Braunkohle jährlich und möchte weiter expandieren. Im Jahr 2016 wurde der Versicherungsvertrag durch die Allianz und andere Versicherer bis 2019 verlängert und ermöglicht ZE PAK nun die Umsetzung seiner Pläne1.

Dabei hat die Kohleindustrie verheerende Auswirkungen auf die Umwelt und begünstigt den Klimawandel maßgeblich. Angefangen bei der Kohleförderung, wo ganze Ökosysteme vernichtet werden, ist die Energiegewinnung aus Kohle die größte Emissionsquelle von Kohlenstoffdioxid überhaupt1. Die UN empfiehlt in ihrem Emission Gap Report von 2017 den langsamen Kohleausstieg und fordert keine neuen Kraftwerke mehr zu bauen4. Abgesehen davon ist die Kohleindustrie laut Experten auch aus wirtschaftlicher Perspektive kritisch zu betrachten. Bereits 2015 machten polnische Kohlekonzerne insgesamt ein Minus von 1,05 Milliarden Euro5. Dass sich die Lage ins Positive wenden wird, ist unwahrscheinlich, da Kohle beim Verbraucher unbeliebter wird und immer mehr Länder den Kohleausstieg vorbereiten. Dazu kommen Gesundheitsprobleme durch den Betrieb der Kraftwerke und Schäden durch Extremwetterereignisse, die durch Klimawandel immer wahrscheinlicher werden. Unternehmen wie die Allianz bieten auch Kranken- und Unfallversicherungen an – ob die hohen Versicherungsbeiträge der Kohlekonzerne die entstehenden und im Zweifel sogar von der Allianz zu deckenden Kosten tragen, ist zumindest in Frage zu stellen1.

Der Bericht von Unfriend Coal zeigt deutlich den scheinheiligen Umgang der Allianz und anderer Versicherer mit ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und der Umwelt. Sollte sich die Allianz dazu durchringen ihren Kohlenausschluss auch auf ihre Tochterfirmen sowie die Versicherungen zu erweitern, wäre das ein wichtiger Schritt mit Signalwirkung und würde den Weiterbetrieb und den Neubau von Kohlekraftwerken erheblich erschweren.


  1. https://unfriendcoal.com/wp-content/uploads/2018/02/Dirty-Business_Unfriend-Coal.pdf?utm_medium=email&utm_source=sactionlive&utm_content=15+-+here&utm_campaign=ERIN&source=ERIN [] [] [] [] []
  2. http://www.facing-finance.org/de/2015/11/deutsch-allianz-steigt-aus-dem-kohlegeschaeft-aus/ []
  3. https://www.allianz.com/en/sustainability/low-carbon-economy/climate-change/coal-and-insurance/ [] []
  4. https://wedocs.unep.org/bitstream/handle/20.500.11822/22101/EGR_2017_ES.pdf?sequence=1&isAllowed=y []
  5. https://unearthed.greenpeace.org/2015/12/07/revealed-poland-coal-bailout/ []
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