Panzer-Deal für Yücels Freilassung?

Leopard 2 A7 in the training centre of the german army Bild: © Boevaya mashina [CC BY-SA 4.0] - Wikimedia

Nur wenige Tage nach der überraschenden Haftentlassung von Deniz Yücel scheint es, als ob die Türkei eine Gegenleistung erwarte. Ministerpräsident Yildrim ließ im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz gegenüber der dpa den Wunsch nach einer deutschen Beteiligung beim geplanten Bau türkischer Kampfpanzer verlauten. Geplant seien laut der SZ über 1000 Panzer des Typs Atalay, wofür bereits 2016 das Joint-Venture RBSS zwischen dem türkischen Lastwagenproduzenten BMC und Rheinmetall gegründet wurde. Für einen tatsächlichen Start der Produktion braucht es allerdings noch die Genehmigung der deutschen Regierung – und die war spätestens seit Beginn der türkischen Offensive gegen die kurdische Miliz immer unwahrscheinlicher geworden1.

Rheinmetall stellt zusammen mit dem Münchner Unternehmen Krauss-Maffei Wegmann den Leopard-2-Panzer her, welcher als deutscher Export-Schlager der meistverkaufte Panzer der Welt ist2. Auch an die Türkei wurden zwischen 2006 und 2011 über 350 Stück ohne Auflagen zum Einsatz verkauft, welche jetzt bei der türkischen Offensive in Syrien eingesetzt werden. Zusätzlich zur Produktion neuer Panzer, möchte die Türkei bereits vorhandene Exemplare unter anderem mit zusätzlichem Minenschutz aufrüsten lassen. Auch diesen Auftrag soll Rheinmetall ausführen3.

Im Vorfeld hatte Bundesaußenminister Gabriel betont, dass es „keinen politischen Handel“ für Yücels Freilassung gegeben habe und auch der Betroffene selber lehnt „schmutzige Deals“ kategorisch ab. Im Juli 2017 wurden alle deutschen Rüstungsexporte in die Türkei wegen den politischen Spannungen vorläufig auf Eis gelegt. Dies könnte jetzt ein Ende haben1.

 

Finanzierungen – Rheinmetall (Quelle: Thomson Reuters)

Rheinmetall hat 2015 einen Kredit über knapp 500 Millionen Euro aufgenommen. Zu den Kreditgebern gehörten die Deutsche Bank, die Commerzbank, UniCredit sowie die Stadtsparkasse Düsseldorf, aber auch die öffentlich-rechtliche Landesbank Bayern und die Norddeutsche Landesbank.

Die Commerzbank hat 2015 zusätzlich eine Aktienausgabe in Höhe von 227 Millionen Euro begleitet.


  1. http://www.sueddeutsche.de/politik/deutsch-tuerkische-beziehungen-wie-ankara-yuecels-freilassung-nutzen-will-1.3873035 [] []
  2. http://www.facing-finance.org/files/2017/02/waffenmeinerbank.pdf []
  3. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/syrien-offensive-bundesregierung-zieht-zusage-zur-panzer-aufruestung-zurueck-a-1189780.html []
Recent Related Posts

Kommentare sind geschlossen.