Neue Studie: Rauchfrei investieren – Warum Banken das tödliche Geschäft mit Tabak beenden sollten

Laut WHO sterben weltweit mehr als 7 Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums – Jahr für Jahr. Doch nicht nur die enorme Gesundheitsgefährdung zählt zu diesen Folgen, sondern es sind auch negative Auswirkungen auf Umwelt- und Menschenrechte zu beklagen. Während die Kosten der negativen Folgen des Konsums und des Anbaus von den Gesellschaften getragen werden müssen, erzielen die int. Tabakkonzerne enormen Profite – genau wie ihre Geldgeber, die Banken. Sie investieren in die Konzerne bzw. finanzieren diese in großem Stil und profitieren somit vom schädlichen Geschäftsmodell der Tabakindustrien.

Allein in Deutschland belaufen sich Folgekosten des Tabakkonsums jährlich auf mehrere Milliarden Euro. Weitaus umfangreicher sind die Finanzbeziehungen der deutschen Banken zur Tabakindustrie.

Für diesen Bericht wurden 24 europäische Finanzinstitutionen und ihre Finanzbeziehungen zu den fünf größten, börsennotierten Tabakunternehmen analysiert.

Das Ergebnis: Insgesamt haben die 24 untersuchten europäischen Finanzinstitutionen seit 2013 an die Tabakunternehmen Philip Morris International, British American Tobacco, Altria, Japan Tobacco, und Imperial Brands Kredite in Höhe von rund 50 Mrd. € vergeben, Aktien und Anleihen in Höhe von ca. 45 Mrd. € ausgegeben und halten zudem Aktien-Bestände in Höhe von ca. 14 Mrd. €. Die Versorgung mit Kapital (Kredite, Ausgabe von Aktien und Anleihen) macht somit über 86% der Finanzbeziehungen zu den Tabakunternehmen aus. Ein Wert, der den enormen, unterstützenden Einfluss aber auch die Verantwortung der Finanzdienstleister in Bezug auf die schädlichen Geschäftsmodelle der Tabakindustrie deutlich macht. Allein die sechs in diesem Bericht untersuchten deutschen Finanzinstitutionen haben an diese 5 Unternehmen Kredite in Höhe von 8 Mrd. € vergeben, gaben  Anleihen sowie Aktien in Höhe von ca. 7 Mrd. € aus und halten Aktienanteile in Höhe von rund 6Mrd. €.

Die Finanzinstitutionen unterstützen damit ein Geschäftsmodell, das keinerlei gesellschaftlichen Mehrwert erzeugt, sondern im Gegenteil hohe Profite auf Kosten der Gesellschaft generiert. Investoren, die über sozial-ökologische (ESG-) Richtlinien verfügen oder sich internationalen Vereinbarungen oder auch den nachhaltigen Entwicklungszielen verpflichtet fühlen, sollten im Rahmen ihres Risikomanagements ihre Finanzbeziehungen zu Tabakfirmen einer kritischen und ernsthaften Kontrolle unterziehen und diese beenden.

Denn: Die Tabakindustrie mit ihrem rein profitorientierten Geschäftsmodell missachtet massiv international anerkannte soziale und ökologische Normen und ist mitverantwortlich für Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung. Sie spielt zudem bei der Umsetzung der WHO-Tabakrahmenkonvention eine unrühmliche Rolle: Durch massive Lobbyarbeit versucht sie deren Umsetzung zu behindern, teilweise mit Erfolg. Tabakproduzenten sind in erster Linie immer noch mehr an ihrem Profit interessiert, als das sie sich um die Folgen des Konsums ihrer Produkte kümmern.

Auch die Rodung von Wäldern sowie der Einsatz von Kinderarbeit spielen bei Anbau, Ernte und der Verarbeitung von Tabakpflanzen eine gewichtige Rolle. Vor allem in den Ländern des globalen Südens jedoch wirken sich die Probleme des Tabakanbaus und des Konsums von Tabakwaren besonders negativ aus und tragen dazu bei, dass in den Anbaugebieten die Umsetzung internationaler Entwicklungsziele in ernsthafter Gefahr ist.

Bislang haben 181 Staaten das Rahmenübereinkommen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Eindämmung des Tabakgebrauchs unterzeichnet und ratifiziert. Damit soll der Konsum von Tabak und dessen lebensbedrohliche Folgen eingeschränkt und zugleich die Anzahl der RaucherInnen reduziert werden. Das Übereinkommen ist als Erfolg zu werten, da in vielen Staaten zumindest der Länder des Globalen Nordens zunehmend auf das Rauchen verzichtet wird. Trotzdem wendet Deutschland die WHO-Richtlinien zur Umsetzung der  Konvention nicht an, da diese dazu verpflichten, dass Finanzinstitute in staatlicher Hand keinerlei finanziellen Beziehungen zur Tabakindustrie unterhalten dürfen, was sie aber nach wie vor tun.

Solange aber Banken und andere Geldgeber das Geschäftsmodell Tabak weiter fördern und davon profitieren, solange werden die enormen Belastungen für Mensch und Umwelt anhalten.

Die vollständige Studie zum download

 

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