Glencore wegen Polizeigewalt gegen Umweltaktivisten angeklagt

Die Tintaya-Mine bei Cuzco, Peru. Bild: © Grullab [CC BY-SA 4.0] - Wikimedia

 

Glencore steht mal wieder vor Gericht1. In London geht es dieses Mal um die gewaltsame Unterdrückung des Protestes gegen die Tintaya-Mine in Peru.

Der Betreiber Xstrata, seinerzeit noch ein selbständiges Unternehmen, aber 2013 im Zuge einer Fusion von Glencore übernommen, habe im Jahr 2012 Sicherheitskräfte angewiesen, die Proteste gegen die massive Umweltverschmutzung durch die Mine mit möglichst großer Brutalität niederzuschlagen, so die Vorwürfe. Während der Proteste wurden zwei Demonstrierende getötet und zahlreiche weitere zum Teil schwer verletzt. Dafür muss sich Glencore als Rechtsnachfolger von Xstrata nun vor Gericht verantworten.

Im Einzelnen soll Xstrata demnach 1.300 peruanische Nationalpolizisten für 700.000 Pfund angefordert und diese mit Nahrungsmitteln und Unterkunft versorgt sowie mit  Gummigeschossen und Tränengas ausgerüstet haben1. Die Gewalt gegen die Demonstrierenden ist in zahlreichen Medienberichten und Videos dokumentiert23.

Glencores Anwälte argumentieren zum einen, dass der Fall bereits nach 2 Jahren verjährt sei. Zum anderen bezeichnen sie das Verhalten der Nationalpolizei als unabhängig, bestreiten jedoch nicht, diese zum „Schutz der Minenanlage“ angefordert zu haben1.

Die Anwälte der 22 klagenden Peruaner haben dagegen durchgesetzt, dass der Sachverhalt nicht als verjährt betrachtet wird. Die Menschen protestierten damals gegen die Kontamination der umliegenden Bäche und Flüsse mit Schwermetallen wie Kadmium oder Arsen durch die Kupfermine. Laut Sergio Huamani, einem 42-jährigen betroffenen Farmer, hat die Mine expandiert und wird weiterhin ohne jegliches soziales und ökologisches Verantwortungsbewusstsein betrieben. Glencore hingegen behauptet, dass die Mine keine Umweltverschmutzung verursacht und alle Umweltstandards eingehalten werden.

In E-Mails, die bereits zu einer Anhörung im Juli 2016 veröffentlicht wurden, einigten sich der damalige Geschäftsführer von Xstrata und der Manager für Geschäftsaktivitäten in Südamerika auf ein „direktes, proaktives und starkes Handeln“ gegenüber den Gemeindevertretern. Im gleichen Zuge wurden diese Gemeindevertreter als „Hurensöhne“ bezeichnet1.

Das Gericht muss einerseits festlegen, dass die Opfer der Proteste angemessen entschädigt werden.  Andererseits muss die Verantwortbarkeit von Xstrata für die Kontamination des Wassers festgestellt werden, um zukünftig die Einhaltung von Umweltstandards zu gewährleisten. Es bleibt abzuwarten, wie das Urteil in London aussehen wird.


  1. https://www.theguardian.com/business/2017/oct/31/uk-mining-firm-in-court-over-claims-it-mistreated-environmental-activists [] [] [] []
  2. z.B. https://www.youtube.com/watch?time_continue=2&v=G2TsuIWrijI []
  3. z.B. http://www.aljazeera.com/news/2017/10/indigenous-peruvians-uks-glencore-court-police-abuse-171031105804223.html []
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