Kinderarbeit auf Tabakplantagen in Indonesien

Am 24.05.2016 veröffentlichte die international tätige Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch (HRW) einen Bericht über Kinderarbeit auf Tabakplantagen in  Indonesien. Dafür wurden über 130  betroffene Kinder befragt.  Es wird deutlich, dass über tausend Kinder von Kinderarbeit betroffen sind und unter gesundheitsschädlichen Bedingungen arbeiten, um vor allem ihre Familie finanziell zu unterstützen. Viele von ihnen sind bereits erkrankt und leiden unter den Schäden von Nikotinvergiftungen oder Pestiziden.

Indonesien zählt mit über 500.000 Tabakplantagen zu den größten Tabakherstellern der Welt, dabei liefern die drei Regionen East Java, Central Java und West Nusa Tenggara 90% der Tabakproduktion des ganzen Landes.

Laut der Studie von HRW arbeiten die Kinder überwiegend ohne Schutzkleidung und bei sehr hohen Temperaturen. Sie nehmen das Nikotin über die Blätter der Tabakpflanzen direkt über ihre Haut auf. Diese Vergiftungen verursachen Übelkeit, Erbrechen, Schwindelgefühle oder Kopfschmerzen. Da sich die Kinder noch in ihrer körperlichen Entwicklung befinden, sind sie besonders anfällig und Folgeschäden können entstehen. So kann es im zunehmenden Alter zu psychischen Erkrankungen, Gedächtnislücken oder Wahrnehmungsstörungen kommen. Teilweise arbeiten die Kinder mit gefährlichen Pestiziden, was  zu Krebs, chronischen Erkrankungen und Depressionen führen kann und die Entwicklung der Kinder erheblich beeinträchtigt.

Auch wenn in Indonesien bis 15 Jahre eine Schulpflicht besteht, unterstützen viele Kinder in jüngeren Jahren ihre Eltern auf den Plantagen und verpassen so den Unterricht. Viele Familien können sich zudem die Schulbildung für ihre Kinder nicht leisten. Auch wenn es öffentliche gebührenfreie Schulen gibt, so kosten die Unterrichtsmaterialien oder die Schuluniformen zu viel Geld.

Indonesien zählt zu den Ländern, die gesundheitsschädliche Arbeit für Kinder verbieten. Aber die Definitionen sind  zum Teil sehr ungenau und schützen die Kinder kaum vor der Ausbeutung. Auch wenn multinationale Unternehmen wie PT Bentoel Internasional Investama (Bentoel, Tochterunternehmen von British American Tobacco BAT), und PT Hanjaya Mandala Sampoerna (Tochterunternehmen von Philip Morris International) angeben, nur Tabak von Zulieferern zu beziehen, die die ILO Konventionen einhalten, so können die Unternehmen nicht sicherstellen, dass Kinder gesundheitsschädliche Arbeiten ausführen. Die Unternehmen erwerben den Tabak  teilweise auf dem öffentlichen Markt und können die genaue Lieferkette nicht nachvollziehen.

Laut Human Rights Watch stellt der zweit größte Tabakproduzent der Welt  Brasilien ein gutes Beispiel dar, welches durch klare und strikte Verbote und verbesserte Sicherheitsvorkehrungen für die Arbeit auf Tabakplantagen Kinder gezielt schützt. Bei Verstößen drohen hier harte Strafen.

HRW fordert, dass die Regierung Indonesiens die Arbeiten auf den Tabakplantagen besser und gezielter überwacht um so gegen Kinderarbeit bewusst vorzugehen. Außerdem sollte bessere Aufklärung über die Schäden durch Chemikalien betrieben werden. Aber auch Tabakunternehmen tragen eine große Mitverantwortung und müssen ihre Lieferungen sorgfältiger prüfen.

Der französiche Versicherer Axa SA hat angekündigt seine finanziellen Beziehungen zur Tabakindustrie aufzulösen, weil die  Situation vieler an der Tabakproduktion beteiligten Menschen “tragisch” und nicht vertretbar sei. Dafür stößt die größte Versicherungsgesellschaft des Landes zwei Milliarden USD Kapital ab, unter anderem Aktien von Philip Morris International Inc. und British American Tobacco Plc.

Immer mehr InvestorInnen haben angekündigt, sich wegen ethischer Bedenken aus dem Tabakgeschäft zurückzuziehen1.

Die Studie von Human Rights Watch „The Harvest is in My Blood“ finden Sie in voller Länge hier.

 


  1. http://www.bloomberg.com/news/articles/2016-05-23/axa-to-sell-2-billion-of-tobacco-assets-as-it-divests-industry, 23.05.2016, aufgerufen am 25.05.2016 []
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