Taylor Energy: Leck an Plattform im Golf von Mexiko auch nach 10 Jahren noch nicht beseitigt

Mehr als 10 Jahre ist es her, dass der Hurrikan Ivan über die Karibik und die Südküste der USA hereinbrach.1 Mit einer Geschwindigkeit von 260 Stundenkilometern traf der Sturm im September 2004 auf Inseln wie Grenada. Damals starben knapp 100 Menschen, die Hälfte der Bevölkerung wurde obdachlos.2 Die Schäden gingen in die Milliardenhöhe.3

Doch erst jetzt rückt eine weitere Folge des Hurrikans in den Fokus. Einer Recherche der US-amerikanischen Nachrichten- und Presseagentur Associated Press zufolge brachte eine Schlammlawine im Wasser eine Ölplattform von Taylor Energy zum Kippen und ließ diese fast 300 Meter von ihrer Ursprungsposition, nur knapp 20 Kilometer vor der Küste von Louisiana, auf Grund gehen.4 Laut dem Bureau of Safety and Environmental Enforcement ​(BSEE) wurden 25 mit der Plattform verbundene Bohrlöcher beschädigt. Die Ölplattform wurde mittlerweile entfernt, auch die Pipeline wurde still gelegt. Taylor Energy hat jedoch bislang nur für 9 der 25 betroffenen Bohrlöcher Maßnahmen zur Abdichtung getroffen.5

In den Jahren nach dem Hurrikan gab es weder Informationen zu noch ein öffentliches Interesse an dem Schaden an der Plattform. Erst durch die Katastrophe von BPs Deepwater Horizon im Jahr 2010 wurde die Öffentlichkeit wieder auf das Plattform-Unglück von Taylor Energy aus dem Jahr 2004 aufmerksam. Aufnahmen von SkyTruth zeigen, dass immer noch Öl aus den beschädigten Bohrlöchern in den Ozean fließt. Laut Schätzungen von SkyTruth laufen täglich 37 bis 900 Gallonen Öl ins Meer, das macht zwischen 300.000 und 1,4 Millionen Gallonen im Jahr – zwischen 1,1 und 5,3 Millionen Liter.

Doch auch seit 2010 wurde wenig getan, um die Verschmutzung des Ozeans durch die leckgeschlagenen Bohrlöcher zu beenden. Stattdessen hat Taylor Energy große Anstrengungen unternommen, um die Ausmaße der Katastrophe gegenüber Behörden und Öffentlichkeit kleinzuhalten. Die Berichte des Unternehmens über die Größe von Ölteppichen an der Stelle der ehemaligen Ölplattform decken sich zumeist nicht mit den Beobachtungen von SkyTruth, deren Satellitenbilder deutlich größere mit Öl verseuchte Stellen zeigen. Am 7. Mai 2015 stellte SkyTruth einen doppelten so großen Ölteppich fest, als Taylor Energy an diesem Tag berichtete.6

Zudem agiert das Unternehmen sehr intransparent und wurde deswegen schon von Umweltgruppen verklagt. Taylor Energy selbst, dessen einziger verbliebener Angestellter der Präsident William Pecue ist, sieht sich rechtlich nicht verantwortlich für die Folgen der Ölkatastrophe, da eine Naturerscheinung ursächlich für das Leck war.4 Die BSEE fordert dagegen Zahlungen für die Wiederherstellung der Umwelt von Taylor Energy.5 Taylor Energy gibt an, dass jegliche Versuche, die Lecks zu verschließen, für die Umwelt schädlichere Konsequenzen habe als den derzeitigen Status beizubehalten.7

Von Seiten mehrerer Politiker aus Louisiana bekommt die Witwe des Gründers und jetzige Eigentümerin Unterstützung. Das Unternehmen gibt an, etwa 480 Millionen US-Dollar für die Eindämmung der Schäden ausgegeben zu haben. Mindestens vier Politiker aus Louisiana haben sich in Washington für die Rückzahlung dieser Gelder an das Unternehmen eingesetzt.8 Zudem verklagt Taylor Energy die US-Regierung über die Erstattung von 432 Millionen US-Dollar, die in einer Treuhand-Gesellschaft eingefroren sind, um mögliche zukünftige Kosten der Ölkatastrophe zu decken.7

Taylor Energy hat im Jahr 2008 alle Geschäfte im Bereich Offshore-Förderung von Öl und Gas verkauft. Die Reste des Unternehmens existieren hauptsächlich für Arbeiten am Ölleck.9 Trotzdem hat das Unternehmen im Jahr im Jahr 2014 mehr als 200.000 US-Dollar für Lobbyarbeit in Washington ausgegeben.8

Die Förderung von Öl und Gas im Meer ist umstritten. Unfälle und Lecks wie bei der Plattform von Taylor Energy oder der Deepwater Horizon haben katastrophale Auswirkungen auf die Umwelt und sind im Meer nur sehr schwierig einzudämmen, geschweige denn zu beseitigen. Problematisch ist dabei, dass solche Lecks an der Tagesordnung sind. Zwischen Juli 2010 und April 2015wurden beinahe 10.000 Ölaustritte unterschiedlichen Ausmaßes im Golf von Mexiko an das National Response Center (NRC) gemeldet, viele davon aufgrund von Öl- und Gasbohrungen.10

Taylor Energy ist ein privates Unternehmen. Weitere Informationen finden Sie unter folgendem Link.


  1. http://www.spiegel.de/panorama/hurrikan-ivan-neuer-wirbelsturm-verwuestet-die-karibik-a-317278.html, 09.09.2004, aufgerufen am 31.03.2016 []
  2. http://www.rp-online.de/panorama/ausland/mobilmachung-kuba-flieht-vor-ivan-aid-1.1618866, 12.09.2004, aufgerufen am 31.032016 []
  3. http://www.spiegel.de/panorama/wirbelsturm-ivan-fast-100-tote-schaeden-in-milliardenhoehe-a-318640.html, 17.09.2004, aufgerufen am 31.03.2016 []
  4. http://www.greenpeace.org/usa/oil-leak-last-100-years-company-refuses-fix/?utm_source=facebook&utm_medium=post&utm_term=oil%20spill,Gulf%20of%20Mexico,drilling&utm_campaign=Climate&__surl__=IgNwt&__ots__=1456177737663&__step__=1, 19.02.2016, aufgerufen am 31.03.2016 [] []
  5. http://www.bsee.gov/Inspection-and-Enforcement/Accidents-and-Incidents/Taylor-Energy/Taylor-Energy/Mississippi-Canyon-20-%28MC20%29-Oil-Discharge/, aufgerufen am 31.03.2016 [] []
  6. http://blog.skytruth.org/2015/05/another-head-scratching-nrc-report-from.html, 12.05.2015, aufgerufen am 31.03.2016 []
  7. http://fuelfix.com/blog/2016/01/20/taylor-energy-executive-blames-decade-old-oil-leak-on-act-of-god/#32194101=5, 20.01.2016, aufgerufen am 31.03.2016 [] []
  8. http://bigstory.ap.org/article/ebb9e7742552457dbe5d6ed55630c702/lawmakers-back-company-responsible-decade-old-gulf-leak, 16.07.2015, aufgerufen am 31.03.2016 [] []
  9. http://bigstory.ap.org/article/92ba4691efb04c26ac47d5661e453cd1/company-hold-meeting-decade-old-oil-leak-gulf, 28.12.2015, aufgerufen am 31.03.2016 []
  10. http://blog.skytruth.org/2015/04/the-other-gulf-oil-disaster.html, 17.04.2016, aufgerufen am 31.03.2016 []
Recent Related Posts

Kommentare sind geschlossen.