Nestlé: Kaffee kann Spuren von Zwangsarbeit enthalten

Brasilianische Kaffeebohnen, Chess REO/ Flickr Bild: © Albert Cesario [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Erneut muss sich Nestlé dem Vorwurf stellen, die Verletzung von grundlegenden Arbeits- und Menschenrechten entlang seiner Lieferkette nicht ausschließen zu können. Nach Vorwürfen der Kinderarbeit in der Côte d’Ivoire auf an Nestlé liefernden Kakaoplantagen und sklavenartigen Zuständen bei der Herstellung von Nestlés Katzenfutter in Thailand, stehen nun brasilianische Zulieferer für Nestlés Kaffeesparte wegen Zwangsarbeit in der Kritik – und somit auch diesmal wieder Nestlé selbst.1

 

Die dänische Organisation DanWatch hat in der brasilianischen Provinz Minas Gerais, aus der die Hälfte des Brasilianischen Kaffees stammt, Arbeiter, Kaffeebauern, Handelsunternehmen, Experten und lokale Behörden befragt und ist dem Kaffee entlang der gesamten Lieferkette gefolgt – von der Plantage bis zum Weltmarkt. Dadurch sind sie auf Plantagen gestoßen, in denen die Arbeiter unter katastrophalen Bedingungen leiden. Auch Fälle von Kinderarbeit wurden durch DanWatch aufgedeckt. An den Nachforschungen war die brasilianische NGO Repórter Brasil beteiligt, die auch zum Dirty Profits 4 von Facing Finance beigetragen hat.

DanWatch hat Nestlé und Jacobs Douwe Egberts mit den Ergebnissen konfrontiert. Die beiden Produzenten, die zusammen 39 % des weltweiten Kaffeemarktes ausmachen, geben an, dass sie nicht alle Zulieferer kennen würden. Somit sind die Unternehmen nicht in der Lage, Fälle von Zwangsarbeit in ihrer Lieferkette auszuschließen. Verbraucher können daher nicht sicher sein, dass sie durch den Kauf von Marken wie Nescafé, Nespresso, Dolce Gusto, Coffee-mate und Senseo nicht auch von Zwangsarbeit profitieren.2

Laut DanWatch sind Zustände nahe der Sklaverei in der brasilianischen Kaffeeindustrie an der Tagesordnung. Menschen würden gezwungen für geringe oder überhaupt keine Bezahlung zu arbeiten. Ihre Lebensbedingungen seien auch außerhalb der Plantagen menschenunwürdig. Lokale Behörden und Organisationen würden immer wieder Arbeiter aus den Zwangsverhältnissen befreien. Dies ist umso dramatischer, da rund ein Drittel des weltweiten Kaffees aus Brasilien entstammt, wodurch das Land der wichtigste Kaffeeexporteur der Welt ist.

Die Ergebnisse der Recherche von DanWatch stehen im klaren Widerspruch zu den Ethik-Richtlinien von Nestlé und Jacobs Douwe Egberts. Beide Unternehmen sprechen sich auf ihren Homepages für die Achtung von Menschen- und Arbeitsrechten und gegen Zwangsarbeit aus. Sie geben zwar an, auf schwarzen Listen stehende Unternehmen auszuschließen, da aber den Unternehmen nicht alle Zulieferer bekannt sind, verhindert dies nicht die Zwangsarbeit in ihrer Produktionskette. Andere Produzenten wie Starbucks oder Illy hingeben bekundeten gegenüber DanWatch, alle Zulieferer zu kennen und somit auch keine Kaffebohnen aus zweifelhaften Plantagen zu beziehen. Diese Aussagen bleiben aber noch zu überprüfen.

Hier geht es zu der Studie von DanWatch

Investmentfonds, die laut onvista Anteile an Nestlé halten

Anteilseigner laut Morningstar


  1. http://www.theguardian.com/global-development/2016/mar/02/nestle-admits-slave-labour-risk-on-brazil-coffee-plantations, 02.03.2016, aufgerufen am 03.03.2016 []
  2. http://www.dailymail.co.uk/news/article-3474326/Was-morning-coffee-harvested-slaves-Nestl-Jacobs-Douwe-Egberts-admit-beans-grown-using-forced-labour-Brazilian-plantations.html, 03.03.2016, aufgerufen am 03.03.2016 []
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