Arbeitsbedingungen in indischen Textilfabriken katastrophal wie eh und je

2012 beschrieb ein Bericht von Somo und dem India Committe of the Netherlands (ICN) die Arbeitsbedingungen in indischen Textilfabriken im Staat Tamil Nadu („Maid in India“). Schon damals wurde deutlich, wie katastrophal die Bedingungen für die Arbeiter_innen waren, viele von ihnen junge Frauen aus unteren Kasten.

ICN hat nun auch Fabriken in Bangalore untersucht und auch dort die Arbeitsbedingungen dokumentiert.1 Der Bericht „Unfree and Unfair“ zeigt erneut, wie desolat es um die Arbeits- und Lebensbedingungen für die in der indischen Textilindustrie Beschäftigten bestellt ist.

In Bangalore im südlichen Indien, Hauptstadt des Staates Karnataka, deran Tamil Nadu angrenzt, gibt es Schätzungen zufolge etwa 1200 Textilfabriken. Genaue Zahlen sind kaum vorhanden, da ein bedeutender Teil der Fabriken nicht offiziell registriert und somit nicht gelistet sind. Viele auch in Deutschland beliebte Marken beziehen ihre Produkte aus dieser Region.

Laut dem Bericht sind die meisten Beschäftigten in Fabrik- eigenen Unterkünften untergebracht und werden von dort unter Aufsicht zu den Fabriken gebracht. Viele von ihnen dürfen die Unterkünfte für lediglich zwei Stunden pro Woche verlassen. In den Unterkünften leben im Durchschnitt 12-15 Personen in einem Raum und teilen sich eine Toilette. Die Wohnheime werden von männlichen Sicherheitskräften bewacht. Somit sind die Menschen so gut wie von der Außenwelt abgeschlossen, wodurch ihnen auch die Möglichkeit zur gewerkschaftlichen Organisation nur sehr eingeschränkt zur Verfügung steht. Auch Schikanen durch das Wachpersonal sind an der Tagesordnung.

Etwa 10% der Beschäftigten in Bangalore kommen wegen der Arbeitsmöglichkeiten aus Staaten wie Odisha, Uttar Pradesh oder Jharkhand nach Bangalore. Sie müssen für ihre Unterkünfte bei gleichem Lohn erheblich mehr zahlen als heimische Beschäftigte. Da sie meist nicht die regionale Sprache Kannada sprechen, können sie sich für ihre Belange kaum einsetzen.

Die Löhne in den untersuchten Fabriken lagen zwar etwas über dem von der Regionalverwaltung vorgeschriebenen Mindestlohn, sind jedoch weiterhin zu niedrig für ein menschenwürdiges Leben.

Die vom India Committee of the Netherlands untersuchten Textilfabriken und Zulieferer bedienen auch den europäischen Markt. GAP, H&M, Tommy Hilfiger, Inditex (Zara) und C&A beziehen Kleidungsstücke aus diesen Produktionsstätten. Konfrontiert mit den Ergebnissen der Studie haben alle Handelsketten bis auf GAP Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen angekündigt. Allerdings hatten SOMO und ICN diese und andere Unternehmen auch schon in ihrem Bericht von 2012 aufgefordert, sich für bessere Bedingungen für die Arbeiter_innen einzusetzen.

 

Hier geht es zur Presseerklärung des India Committee of the Netherlands

Hier geht es zum vollständigen Bericht

 


  1. http://www.indianet.nl/UnfreeAndUnfair.html, Januar 2016, aufgerufen am 02.02.2016 []
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