Moderne Sklaverei im Herzen Europas

Die Tatsache, dass die nordkoreanische Regierung die eigenen Staatsbürger zum Arbeiten ins Ausland sendet, ist weitgehend bekannt. Derzeit sind rund 65.000 Nordkoreaner außerhalb ihrer Heimat als günstige Arbeitskräfte unterwegs.1 Da in den Gastländern die Rechte der Arbeiter kaum geachtet werden, leiden diese weitgehend unter katastrophalen Arbeits- und Lebensbedingungen, Ausbeutung steht dabei auf der Tagesordnung. Bisher unbekannt ist jedoch, dass diese Praktiken auch in Europa vorkommen.

Wie der Deutschlandfunk berichtet, werden in der maltesischen Textilfabrik der Firma Leisure Clothings, welche Luxusartikel für Marken wie beispielsweise Armani produziert, vietnamesische, chinesische und auch nordkoreanische Arbeiter ausgebeutet.2 Statt des vorgeschriebenen Mindestlohns von knapp 700 Euro pro Monat erhalten die Angestellten nur knapp 75 Euro – und das bei einem Arbeitsvolumen von 14 Stunden täglich und einem freien Tag alle zwei Wochen.

Üblicherweise werden die Arbeitskräfte über staatliche nordkoreanische Vermittlungsagenturen ins Ausland geschickt. Leisure Clothings ist allerdings eine Tochter des chinesischen Staatsunternehmens CICET3, und so werden die Nordkoreaner über chinesische Mittelsleute in die maltesische Fabrik vermittelt.

Laut Zeitungsberichten werden derzeit knapp 1.000 Nordkoreaner in Ländern der Europäischen Union ausgebeutet. Neben Malta wird auch polnischen Unternehmen die Ausnutzung von Zwangsarbeit von Nordkoreanern vorgeworfen.4 Die Arbeiter haben allerdings kaum eine Chance sich gegen die Unterdrückung zu wehren. Auch eine eigenständige Heimkehr ist unmöglich – ihnen werden nach ihrer Ankunft die Pässe abgenommen.

Die Nordkoreanische Regierung hat dabei kein Interesse die Ausbeutung ihrer Staatsbürger im Ausland zu unterbinden, zu sehr sind die nach Nordkorea kommenden Devisen erwünscht. Rund 90 Prozent der Löhne gehen daher direkt an den nordkoreanischen Staat. Damit nehme das Regime jährlich hunderte Millionen an Euro ein.4

Langsam bildet sich etwas Widerstand gegen die Ausbeutung. Einige vietnamesische Arbeiter haben sich an eine Anwältin gewandt und verklagen nun Leisure Clothings. Nordkoreaner sind nicht darunter. Zu sehr befürchten sie Repressalien für ihre Familien zuhause in Nordkorea.


  1. http://www.nknews.org/2015/01/twelve-north-koreans-to-work-in-factory-in-europe/, 14.01.2015, aufgerufen am 18.01.2016 []
  2. http://www.deutschlandfunk.de/nordkoreanische-arbeiter-auf-malta-sklavenartige-zustaende.1773.de.html?dram:article_id=342614, 16.01.2016, aufgerufen am 18.01.2015 []
  3. http://www.leisureclothingmalta.com/history.html, 2016, aufgerufen am 18.01.2016 []
  4. http://www.timesofmalta.com/articles/view/20150930/local/malta-urged-to-investigate-use-of-north-korean-forced-labour.586458, 30.09.2015, aufgerufen am 18.01.2016 [] []
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