Business as usual – Arbeitsbedingungen für 3 Millionen Menschen in Textilfabriken in Bangladesch weiterhin katastrophal

Die Arbeits- und Sicherheitsbedingungen für die Beschäftigten in der Textilindustrie in Bangladesch haben sich nicht umfassend verbessert. Daran hat auch der nach der Rana Plaza Katastrophe installierte „Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh“ – ein Sicherheitsstandard für Textilfabriken – nichts geändert.12

Eine Studie des NYU Stern Center for Business and Human Rights3 zeigt nun, dass auf jede Fabrik, in der sich die Arbeitsbedingungen verbessern, viele Produktionsstätten kommen, in denen die Beschäftigten weiter unter katastrophalen Zuständen arbeiten. Laut dieser Studie erreichen Vereinbarungen wie der „Accord“ nur ein gutes Viertel der in der Textilindustrie Beschäftigten. Immer noch seien etwa 3 Millionen Menschen in diesem Wirtschaftszweig nicht abgedeckt.

Dies liege unter anderem an der hohen Anzahl an indirekten Produzenten, welche nicht direkt für westliche Firmen, jedoch indirekt für große Zwischenhändler und andere Produzenten fabrizieren. Diese machen knapp ein Drittel der untersuchten Textilfabriken aus, so die NYU Studie. Obwohl ein großer Teil dieser Firmen auch für den Export produziert, sind diese häufig nicht bei der Regierung registriert und somit durch öffentliche Gesetze und Vereinbarungen wie den Accord nicht greifbar und somit auch abgeschnitten von finanziellen Mitteln zur Besserung der Arbeitszustände. Katastrophale Arbeits- und Sicherheitsbedingungen für die Fabrikarbeiter sind die Folge und zudem wenig Aussicht auf Besserung.

Die beiden Autoren der Studie sehen dringenden Handlungsbedarf in Bezug auf die indirekten Produzenten. Sie fordern, dass dieser Bereich der textilen Produktionskette auf die Tagesordnung sowohl der internationalen Textilindustrie als auch der internationalen und heimischen Regierungen gehöre. Wichtig seien dabei Maßnahmen, die indirekte Anbieter identifizieren. Hierfür seien Anreize zu schaffen, die eine Formalisierung der Fabriken ermöglichen. Die beiden Autoren weisen aber mit Nachdruck darauf hin, dass erfolgreiche Programme für mehr Sicherheit und Schutz in der Textilproduktion in Bangladesch nur dann realistisch sind, wenn die dafür notwendigen Kosten von inländischen Produzenten als auch den internationalen Anbietern der Produkte geteilt würden.

[Das Foto zeigt zerstörte Nähmaschinen nach dem Brand in dem neun geschössigen Tazreen Fabrikgebäude am 25. November 2011 im 30 km Norden von Dhaka]


  1. The Guardian, The Bangladesh Accord factory audits finds more than 80,000 safety hazards, http://www.theguardian.com/sustainable-business/2014/oct/15/bangladesh-accord-factory-hazards-protect-worker-safety-fashion, 15.10.2014, aufgerufen am 05.01.2016 []
  2. cleanclothes.org, Evaluation of H&M Compliance with Safety Action Plans for Strategic Suppliers in Bangladash, http://www.cleanclothes.org/resources/publications/hm-bangladesh-september-2015.pdf, September 2015, aufgerufen am 05.01.2016 []
  3.  NYU Stern Center for Business and Human Rights, Beyond the Tip of the Iceberg: Bangladesh’s Forgotten Apparel Workers, http://static1.squarespace.com/static/547df270e4b0ba184dfc490e/t/5672d01f841aba57760d628a/1450364959693/Beyond+the+Tip+of+the+Iceberg+Report.pdf, December 2015, aufgerufen am 05.01.2016 []
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