IT-Industrie: Schlechte Arbeitsbedingungen auch für Praktikant_innen

Es ist keine Überraschung mehr, über die schlechten Arbeitsbedingungen in den chinesischen Zulieferbetrieben der IT-Industrie zu lesen. Das vielleicht bekannteste Beispiel ist das Unternehmen Foxconn, das als Zulieferer von Apple in die Schlagzeilen kam, als sich vor einigen Jahren mehrere Arbeiter_innen der Fabrik das Leben nahmen.

Doch auch bei anderen Betrieben sind die Bedingungen nicht besser. Der Organisation DanWatch zufolge unterliegen auch Praktikant_innen, die im Rahmen ihres Studiums ein Pflichtpraktikum absolvieren müssen, den gleichen Bedingungen wie die übrigen Arbeiter_innen. So werden die Praktikant_innen in Betriebe von Zulieferern von Dell, HP oder Lenovo vermittelt, und müssen dort bis zu 5 Monate 10-12 Stunden täglich arbeiten. Verweigern sie dies, wird ihnen mit der Verwehrung des Universitätsabschlusses gedroht.1

Dieses Vorgehen der Universitäten als auch der Fabriken verstößt gegen internationale Richtlinien, wie die ILO-Arbeits- und Sozialstandards und gegen die Standards für Praktika des chinesischen Bildungsministeriums. Während die Student_innen zwar den gleichen Lohn (umgerechnet 159 Pfund) wie reguläre Arbeiter_innen verdienen, erhalten sie keine sozialen Leistungen oder sind nicht versichert, was den Zulieferern erhebliche Kostenvorteile bringt.

Hier zeigt sich, dass die Mitgliedschaft von HP, Dell und Lenovo in der Electronic Industry Citizenship Coalition doch eher der PR dient als aus sozialer Verantwortlichkeit zu entspringen. Nach Veröffentlichung der Studie von DanWatch kündigten HP und Dell eine interne Untersuchung der Vorwürfe an. Zudem hoben sie die Beschäftigung von PraktikantInnen temporär auf2.

Bereits 2013 hatten DanWatch und China Labor Watch auf die Verletzung von Arbeitsrechten in der Zuliefererkette von Dell hingewiesen. Ihre Reporter hatten die unhaltbaren Umstände in einer Fabrik von Mingshuo Computers, in der Komponente für Dell hergestellt werden, dokumentiert. Arbeiter_innen mussten 30 Tage pro Monat, zu einem Lohn von umgerechnet 155 Pfund, arbeiten. Bei einer Verspätung von 15 Minuten entfiel der Lohn für einen ganzen Tag. In Reaktion auf die Konfrontationen wollte Dell schon damals den Vorwürfen auf den Grund gehen3.

Dies war offensichtlich nur ein leeres Versprechen.


  1. DanWatch: Servants of Servers, https://www.danwatch.dk/en/undersogelse/servants-of-servers/ Oktober 2015, aufgerufen am 07.12.2015 []
  2. theguardian.com: HP and Dell suspend use of interns in Chinese factories, http://www.theguardian.com/sustainable-business/2015/oct/06/hp-and-dell-suspend-use-of-interns-in-chinese-factories?CMP=share_btn_tw, 06.10.2015, aufgerufen am 07.12.2015 []
  3. theguardian.com: Dell suppliers accused of human rights violations, http://www.theguardian.com/technology/2013/nov/06/dell-suppliers-accused-of-human-rights-violations , 06.11.2013, aufgerufen am 07.12.2015 []
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