Nestlé: Sklavenarbeit für Katzenfutter

Erneut ist die moderne Sklavenarbeit in den Schlagzeilen. Nachdem letzte Woche bereits eine Sammelklage gegen die Supermarktkette Costcos wegen wissentlichen Sklavenhaltung bei ihren Zulieferern eingereicht wurde,1 sieht sich jetzt auch der Schweizer Konzern Nestlé mit Vorwürfen konfrontiert, Sklavenarbeit als Teil seiner Lieferkette für das Katzenfutter „Fancy Feast“ zu dulden.

Über die Hintergründe der nun erhobenen Klage berichtete bereits der US-amerikanische Regierungsbericht zur Menschenrechtslage in Thailand (2014). Auch die New York Times beschäftigte sich ausführlich mit dem Thema.23

Demnach ist die katastrophale Lage der Arbeiter auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen. Bei einer thailändischen Arbeitslosenrate von nur 1% und angesichts der schlechten Arbeitsbedingungen in der Fischfangindustrie fehlten dieser rund 50.000 Arbeitskräfte. Der hohe Bedarf an billigen Arbeitskräften in Kombination mit der schlechten wirtschaftlichen Lage der Nachbarländer fördere die Migration. Die mangelnde Kontrolle thailändischer Schiffe durch die Behörden begünstige darüber hinaus den Menschenhandel zwischen Thailand, Kambodscha und Myanmar und die Praxis einiger Unternehmen und Kapitäne, arbeitssuchende Immigranten zur Arbeit zu zwingen und auszubeuten.2 Die häufig minderjährigen Arbeiter würden unter falschen Versprechen auf die Boote gelockt, wie Güter gehandelt und blieben teilweise Jahre lang auf See, ohne jemals ihren Lohn zu erhalten. Die Fischerboote seien für die Arbeiter ein schwimmendes Gefängnis, auf dem sie neben ihrer Freiheit auch ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit verlören.4 Dabei müssten die jungen Männer exzessiv lange Schichten von über 20 Stunden arbeiten und würden routinemäßig körperliche Misshandlungen bis hin zu Morden erfahren.56

Bei den aktuellen Vorwürfen gegen Nestlé steht der Zulieferer, Thai Union Frozen Products pcl, im Verdacht in Thailand hunderte Arbeiter unter sklavenähnlichen Bedingungen auf seiner Flotte zu halten. Deshalb reichten im August 2015 vier Abnehmer des Katzenfutters „Fancy Feast“, das aus dem importierten Fisch hergestellt wird, Klage beim US Bundesgericht in Los Angeles ein.56 Die Kläger, die sich als Repräsentanten der schweigenden Mehrheit aller Konsumenten verstehen, werfen Nestlé einen Betrug seiner Kunden vor und führten an, „Fancy-Feast“ niemals gekauft zu haben, wären sie über die Produktionsbedingungen aufgeklärt gewesen.5

Nestlés hingegen streitet jede Beteiligung an der modernen Sklaverei ab und weigert sich Verantwortung für das extreme Fehlverhalten seines Zulieferers zu übernehmen. Das Unternehmen beteuerte, dass es keine Zwangsarbeit in seiner Produktionskette tolerieren werde. Allerdings gestand der Konzern ein, dass er Schwierigkeiten gehabt habe seinen Code of Conduct in der thailändischen Fischereiindustrie durchzusetzen.5

Dieses Argument akzeptieren die Kläger nicht. Sie verweisen auf Nestlés finanzielle Möglichkeiten zur Durchsetzung allgemeiner Arbeitsstandards und dessen Pflicht diese auch bei seinen Zulieferern sicherzustellen. Demnach trage Nestlé eine Mitschuld an den Arbeitsbedingungen und sei verantwortlich dafür, dass Millionen Konsumenten unwissentlich die Ausbeutung durch Thai Union Frozen Products pcl unterstützt haben.6

Eine Verurteilung von Nestlé in diesem Fall würde bedeuten, dass Konzerne gegenüber ihren Konsumenten eine Pflicht zur Vereinbarung und Durchsetzung von Menschenrechten bei ihren Zulieferern haben. Daraus könnte sich zum einen eine Stärkung der Verbraucherrechte ergeben. Zum anderen würde eine klare Rechtsprechung in diesem Fall Grundlagen für ähnliche Fälle schaffen und deutlich machen, dass moderne Sklaverei gänzlich inakzeptabel ist und weder Konsumenten noch Konzerne in irgendeiner Weise davon profitieren dürfen.


  1. Facing Finance: Moderne Sklaverei: Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in Fischerei und Landwirtschaft, http://www.facing-finance.org/de/2015/08/moderne-sklaverei-menschenunwuerdige-arbeitsbedingungen-in-fischerei-und-landwirtschaft/, 27.08.2015, abgerufen am 01.09.2015 []
  2. New York Times: ‘Sea Slaves’: The Human Misery That Feeds Pets and Livestock, http://www.nytimes.com/2015/07/27/world/outlaw-ocean-thailand-fishing-sea-slaves-pets.html?_r=0, 27.07.2015, abgerufen am 01.09.2015 [] []
  3. Bureau of Democracy, Human Rights and Labor: Country Reports on Human Rights Practices for 2014 Thailand, http://www.state.gov/j/drl/rls/hrrpt/humanrightsreport/index.htm?year=2014&dlid=236480, abgerufen am 01.09.2015 []
  4. BLOOMBERG: Nestle Accused of Putting Fish From Slave Labor in Cat Food, 27. August 2015, http://www.bloomberg.com/news/articles/2015-08-27/nestle-accused-of-putting-fish-from-slave-labor-in-cat-food, abgerufen am 01.09.2015 []
  5. The Local: Nestlé accused in US of ’slave labour‘ cat food, 28. August 2015, http://www.thelocal.ch/20150828/nestl-accused-of-slave-labour-cat-food, abgerufen am 01.09.2015 [] [] [] []
  6. Business Wire: Nestlé Hagens Berman: Class Action Filed against Nestlé for Slave Labor , 27. August 2015, http://www.businesswire.com/news/home/20150827006036/en/Hagens-Berman-Class-Action-Filed-Nestl%C3%A9-Slave#.VeWne_ntmkp, abgerufen am 01.09.2015 [] [] []
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