Britische Teeproduktion in Indien: Die einen trinken Tee, die anderen werden ausgebeutet

Im September veröffentlichte der britische Nachrichtensender BBC in Kooperation mit Radio 4 eine Reportage über erschreckende Arbeits- und Wohnbedingungen indischer Arbeiter auf Teeplantagen, die für Großbritanniens größte Teemarken produzieren.1
Obwohl die Plantagenbetreiber in Indien per Gesetz verpflichtet sind, angemessene Häuser und Sanitäranlagen als Teil des Lohns bereitzustellen, fanden die Reporter erschreckende Zustände auf Teeplantagen im indischen Assam: baufällige Häuser, keine Elektrizität, defekte oder versperrte Toiletten, überlaufendes Abwasser – die Bilder der Reporter, geschossen unter anderem auf Plantagen des weltweit größten Teeproduzent McLeod Russel und Zulieferer für PG Tips, Liptons, Tetley und Twinings, zeugen von menschenunwürdigen Lebensbedingungen. Trotz mehrfacher Beschwerden seitens der Arbeiter seien diese Missstände nicht durch das Plantagenmanagement nicht beseitigt worden, so viele Arbeiter.
Hinzu kommt die generelle Unterernährung der Plantagenarbeiter, die in direktem Zusammenhang zu den ausbeuterischen Löhnen von 155 Rupien (1,5 US Dollar) pro Tag steht und die Plantagenarbeiter anfällig für Krankheiten macht. Zudem sprühen viele Arbeiter auf den Plantagen ohne Schutzkleidung Pestizide auf die Pflanzen. Es werde zwar vereinzelt Schutzkleidung verteilt, diese sei aber sehr schnell verschlissen und neue Schutzkleider würden von den Plantagenbetreibern nicht bereit gestellt.
Zudem konnte die BBC auch Kinderarbeit auf einer Plantage von Doomur Dullung dokumentieren, einem der ältesten Tee-Produzenten der Welt und Zulieferer für Yorkshire Tea, Harrods und Fortnum and Mason. Die Kinder sagten gegenüber dem britischen Nachrichtensender, sie arbeiteten regelmäßig Vollzeit. Diese Praktiken verstoßen gegen die UN-Richtlinien, nach denen Kinder unter 15 Jahre nicht Vollzeit arbeiten dürfen.
Während das berühmte Londoner Kaufhaus Harrods sogar den Doomur Dullung Tee aus seinen Regalen entfernt hat, haben Unilever, zu dem PG Tips und Liptons gehört, und Taylors of Harrogate, Eigentümer der Marke Yorkshire Tea, verlauten lassen, man nehme die Vorwürfe sehr ernst und habe entsprechende Untersuchungen eingeleitet.
Alle untersuchten Plantagen sind von der Rainforest Alliance zertifiziert, die dem Verbraucher durch einen Frosch auf der Verpackung signalisiert wird. Ziel der Nicht-Regierungsorganisation Rainforest Alliance ist die Erhaltung der Biodiversität und Sicherstellung von nachhaltigen Standards in der Nahrungsmittelproduktion.
Die Glaubwürdigkeit des Frosch-Siegels leidet unter der BBC Berichterstattung und es stellt sich die Frage, ob es tatsächlich den Arbeitern oder eher den Konzernen dienlich ist.


  1. BBC News: The bitter story behind the UK’s national drink, http://www.bbc.com/news/world-asia-india-34173532, 08.09.2015, abgerufen am 09.09.2015 []
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